
4600 – Geheimnisse von Wels
Das Klopfen aus dem Sternhochhaus – Teil 2
Gestern endete meine Geschichte genau in dem Moment, als ich vor dem Sternhochhaus stand und nicht wusste, woher die Hilferufe kamen. Ehrlich gesagt war ich selbst neugierig geworden. Ich ging langsam um das Gebäude herum und lauschte noch einmal. Plötzlich hörte ich die Stimme wieder. Diesmal war ich mir sicher, sie kam nicht aus einer Wohnung und auch nicht aus dem Stiegenhaus. Sie kam aus einem kleinen Kellerfenster.
„Hallo! Ist da draußen jemand?“
Ich ging näher zum Fenster und rief zurück: „Ja, ich höre Sie! Was ist denn passiert?“
„Ich bin im Fahrradkeller eingesperrt. Können Sie bitte jemanden holen?“
In diesem Moment war mir klar, dass ich selbst nichts ausrichten konnte. Ich war schließlich nur zufällig vorbeigekommen und hatte natürlich keinen Schlüssel für das Haus. Also läutete ich bei der Hausmeisterin. Zum Glück war sie zu Hause. Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass sich jemand im Fahrradkeller befand und um Hilfe rief, zögerte sie keine Sekunde. Sie holte den Ersatzschlüssel und gemeinsam gingen wir zum Keller. Wenige Augenblicke später wurde die schwere Tür geöffnet und ein sichtlich erleichterter Mann trat heraus.
Er musste selbst lachen, als er erzählte, wie es überhaupt zu diesem Missgeschick gekommen war. Er hatte sein Fahrrad in den Keller gebracht und den Schlüssel innen im Schloss stecken lassen. Als er den Keller wieder verlassen wollte, stieß er die schwere Tür aus Gewohnheit zu. Erst im selben Augenblick wurde ihm bewusst, dass der Schlüssel noch auf der Innenseite steckte. Damit war der Fahrradkeller versperrt und er selbst stand hilflos davor. Zum Glück befand sich in der Nähe ein kleines Kellerfenster, durch das er immer wieder um Hilfe rufen konnte.
Wir lachten schließlich alle drei über die ganze Geschichte. Eigentlich war es nur ein kleines Missgeschick, doch ohne Zufall hätte ihn wahrscheinlich lange niemand gehört. Als ich mich verabschiedete und noch einmal zum Sternhochhaus hinaufsah, musste ich schmunzeln. Tausende Menschen fahren hier jeden Tag vorbei. Für die meisten ist es einfach nur ein Hochhaus. Für mich wird es aber immer der Ort bleiben, an dem ein kleines Kellerfenster zu einem ganz besonderen Geheimnis von Wels wurde.
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