Wenn der Wirt die Zeitung weglegt

Der Abend lief ruhig dahin, wie so viele, der Stammtisch war besetzt, die Gespräche leicht, ein bissl Arbeit, ein bissl Sudern, nichts Besonderes, der Wirt stand hinterm Tresen und las Zeitung, so wie immer, halb interessiert, halb Gewohnheit, doch dann legte er sie langsam zusammen, ganz ordentlich, und genau das merkten alle, weil wenn der Wirt die Zeitung weglegt, dann ist etwas im Raum, das schwerer ist als ein Schmäh, der Sepp hörte auf zu reden, der Karli stellte das Glas ab, der Franz schaute auf, der Wirt sagte nichts, aber sein Blick ging einmal rund um den Tisch, und irgendwann sagte er leise, dass der alte Hansi gestorben ist, einfach so, gestern Nacht, Herz, keiner hatte es kommen sehen, es wurde still, nicht schockiert, sondern leer, weil jeder von ihnen wusste, wie oft der Hansi genau dort gesessen war, wie oft er gezahlt hatte, wie oft er gegangen war mit dem Satz „bis morgen“, der Wirt stellte ein Schnapsglas in die Mitte, ohne zu fragen, ohne Kommentar, sie tranken schweigend, und in diesem Moment verstand jeder, dass ein Wirtshaus nicht laut trauert, sondern gemeinsam, und dass es Dinge gibt, über die man nicht redet, sondern die man aushält, zusammen, bis der Abend weitergeht, langsamer als vorher.





