Schlagwort: KI Geschichten

  • 234_Das Klopfen aus dem Sternhochhaus 2

    4600 – Geheimnisse von Wels

    Das Klopfen aus dem Sternhochhaus – Teil 2

    Gestern endete meine Geschichte genau in dem Moment, als ich vor dem Sternhochhaus stand und nicht wusste, woher die Hilferufe kamen. Ehrlich gesagt war ich selbst neugierig geworden. Ich ging langsam um das Gebäude herum und lauschte noch einmal. Plötzlich hörte ich die Stimme wieder. Diesmal war ich mir sicher, sie kam nicht aus einer Wohnung und auch nicht aus dem Stiegenhaus. Sie kam aus einem kleinen Kellerfenster.

    „Hallo! Ist da draußen jemand?“

    Ich ging näher zum Fenster und rief zurück: „Ja, ich höre Sie! Was ist denn passiert?“

    „Ich bin im Fahrradkeller eingesperrt. Können Sie bitte jemanden holen?“

    In diesem Moment war mir klar, dass ich selbst nichts ausrichten konnte. Ich war schließlich nur zufällig vorbeigekommen und hatte natürlich keinen Schlüssel für das Haus. Also läutete ich bei der Hausmeisterin. Zum Glück war sie zu Hause. Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass sich jemand im Fahrradkeller befand und um Hilfe rief, zögerte sie keine Sekunde. Sie holte den Ersatzschlüssel und gemeinsam gingen wir zum Keller. Wenige Augenblicke später wurde die schwere Tür geöffnet und ein sichtlich erleichterter Mann trat heraus.

    Er musste selbst lachen, als er erzählte, wie es überhaupt zu diesem Missgeschick gekommen war. Er hatte sein Fahrrad in den Keller gebracht und den Schlüssel innen im Schloss stecken lassen. Als er den Keller wieder verlassen wollte, stieß er die schwere Tür aus Gewohnheit zu. Erst im selben Augenblick wurde ihm bewusst, dass der Schlüssel noch auf der Innenseite steckte. Damit war der Fahrradkeller versperrt und er selbst stand hilflos davor. Zum Glück befand sich in der Nähe ein kleines Kellerfenster, durch das er immer wieder um Hilfe rufen konnte.

    Wir lachten schließlich alle drei über die ganze Geschichte. Eigentlich war es nur ein kleines Missgeschick, doch ohne Zufall hätte ihn wahrscheinlich lange niemand gehört. Als ich mich verabschiedete und noch einmal zum Sternhochhaus hinaufsah, musste ich schmunzeln. Tausende Menschen fahren hier jeden Tag vorbei. Für die meisten ist es einfach nur ein Hochhaus. Für mich wird es aber immer der Ort bleiben, an dem ein kleines Kellerfenster zu einem ganz besonderen Geheimnis von Wels wurde.

  • 233_Das Klopfen aus dem Sternhochhaus 1

    4600 – Geheimnisse von Wels

    Das Klopfen aus dem Sternhochhaus – Teil 1

    Es gibt Orte in Wels, an denen fährt man seit Jahren vorbei, ohne ihnen besondere Beachtung zu schenken. Das Sternhochhaus ist so ein Ort. Es steht schon so lange dort, dass es für viele einfach zum Stadtbild gehört. Man sieht es von Weitem, erkennt sofort seine markante Form und fährt weiter. Ehrlich gesagt ging es mir lange Zeit genauso. An diesem Morgen war ich mit meiner Kamera unterwegs, um neue Motive für meine Serie „4600 – Geheimnisse von Wels“ zu suchen. Eigentlich hatte ich gar nichts Besonderes geplant. Ich wollte nur ein paar schöne Fotos machen. Als ich am Kreisverkehr stehen blieb und zum Hochhaus hinaufsah, fiel mir auf, wie eindrucksvoll es eigentlich wirkt. Vor dem strahlend blauen Himmel ragte es weit über die umliegenden Bäume hinaus. Ein Gebäude, das wahrscheinlich jeder Welser kennt – und über das trotzdem kaum jemand spricht. Während ich mehrere Fotos machte, fragte ich mich, wie viele Menschen wohl dort wohnen. Wie viele Geschichten sich hinter den unzähligen Fenstern abgespielt haben. Freude, Streit, Hoffnung, Enttäuschung, Geburtstage, Abschiede – ein ganzes Menschenleben, tausendfach übereinander gestapelt. Von draußen sieht man nur Beton, Balkone und Fenster. Was sich dahinter verbirgt, bleibt für die meisten ein Geheimnis. Ich blieb noch einen Moment stehen und betrachtete das Gebäude. Plötzlich glaubte ich, ein dumpfes Geräusch zu hören.

    Klopf …

    Ich schaute mich um. Ein Auto fuhr vorbei, ein Radfahrer bog um die Kurve, sonst war niemand zu sehen. Dann war das Geräusch wieder da.

    Klopf … klopf …

    Diesmal war ich mir sicher. Das kam nicht von der Straße. Es schien direkt aus der Richtung des Hochhauses zu kommen. Neugier war schon immer eine meiner größten Schwächen. Also steckte ich die Kamera ein und ging langsam auf den Eingang zu. Mit jedem Schritt wurde es ruhiger. Der Verkehr verschwand im Hintergrund, und plötzlich hörte ich zwischen den Klopfgeräuschen eine leise Stimme.

    „Hallo … ist da jemand?“

    Ich blieb stehen. Die Stimme kam eindeutig aus dem Gebäude. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich mir das alles nur einbildete. Doch dann hörte ich wieder das Klopfen. Diesmal lauter. Es schien von einem Kellerfenster zu kommen. Ich trat noch einen Schritt näher.

    Sollte ich wirklich hineingehen?

    Fortsetzung folgt …

  • 232_Die Frau im Mühlbach – Teil 2

    Das Geheimnis in der Tiefe

    Anna hielt den nassen Zettel noch immer in der Hand. „Morgen um sechs Uhr. Tauch tiefer. Alle Antworten warten auf dich.“ Die ganze Nacht fand sie keinen Schlaf. Wer hatte den Zettel geschrieben? Wer beobachtete sie? Und warum wusste jemand von ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit? Noch vor Sonnenaufgang stand sie wieder am Mühlbach. Der Nebel hing tief über dem Wasser, alles war still. Sie legte ihren Notizblock und ihre Uhr wie gewohnt auf die steinerne Ufermauer, atmete einmal tief durch und tauchte ab. Diesmal schwamm sie nicht einfach geradeaus, sondern folgte dem Bach bis an eine Stelle, die ihr trotz zwanzig Jahren täglichem Schwimmen fremd vorkam. Plötzlich bemerkte sie zwischen den Steinen einen schmalen Spalt, aus dem ein schwaches bläuliches Licht schimmerte. Vorsichtig tauchte sie näher und entdeckte einen gemauerten Durchgang, der hinter dichtem Wassergras verborgen lag. Sie zögerte nur einen Augenblick, dann schwamm sie hindurch. Dahinter öffnete sich eine riesige Höhle, erfüllt von glasklarem Wasser. Mitten im Raum stand ein alter steinerner Tisch. Darauf lag eine bronzene Sanduhr. Doch der Sand rieselte nicht nach unten – er floss langsam nach oben. Als Anna die Sanduhr berühren wollte, hörte sie plötzlich eine ruhige Stimme. „Willkommen, Anna. Endlich hast du den Weg gefunden.“ Erschrocken drehte sie sich um. Vor ihr stand ein alter Mann mit schneeweißem Haar, als wäre er schon immer Teil dieser Höhle gewesen. „Seit Jahrhunderten bewacht jemand diesen Ort“, sagte er. „Das Wasser des Mühlbachs entspringt einer Quelle, die nicht nur Leben schenkt, sondern auch Zeit. Jeder Mensch, der hier badet, spürt ihre Kraft. Aber nur alle paar Generationen findet jemand den verborgenen Eingang. Du bist die Nächste.“ Anna verstand plötzlich, warum sie immer länger unter Wasser bleiben konnte. Es war nicht ihre Lunge. Es war das Wasser selbst.

    Der alte Mann lächelte traurig. „Doch jedes Geschenk hat seinen Preis. Wer die Zeit anhalten kann, verliert nach und nach die Erinnerung an sein früheres Leben.“ Anna erschrak. War das der Grund, warum sie sich in den letzten Monaten immer schwerer an manche Erlebnisse ihrer Kindheit erinnern konnte? Plötzlich fiel ihr Blick auf den Tisch. Dort lagen mehrere alte Notizbücher – alle mit unterschiedlichen Namen. Sie blätterte vorsichtig durch eines. Darin standen Tauchzeiten, Beobachtungen und dieselben Fragen, die sie selbst seit Monaten in ihren Notizblock schrieb. Das letzte Buch endete mit einem einzigen Satz: „Ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“ Anna ließ das Buch erschrocken fallen. Der alte Mann nickte nur langsam. „Auch ich habe einmal hier gestanden – vor mehr als zweihundert Jahren.“ Da begriff sie die Wahrheit. Er war gar kein Wächter. Er war der letzte Mensch, der das Geheimnis entdeckt hatte. Anna nahm ihre Sanduhr, schwamm zurück durch den Tunnel und tauchte an der Oberfläche auf. Die Sonne ging gerade auf. Ihre Uhr zeigte, dass sie nur vier Minuten unter Wasser gewesen war. Doch auf dem Kalender ihres Notizblocks stand nicht mehr der 29. Juni. Es war der 29. Juli. Einen ganzen Monat hatte sie unter Wasser verbracht, ohne es zu bemerken. Sie schaute noch einmal zurück auf den ruhigen Mühlbach und flüsterte: „Nein… ich komme nicht mehr zurück.“ Doch tief unten in der klaren Strömung begann das blaue Licht erneut zu leuchten – als würde der Mühlbach bereits auf seinen nächsten Besucher warten.

  • 227_Das Fahrrad mit 16 eckigen Rädern

    Klezi und das Fahrrad mit 16 eckigen Rädern

    Klezi war schon immer ein Mensch gewesen, der die Dinge etwas anders sah als alle anderen. Während sich die meisten Leute darüber freuten, wenn etwas einfach, praktisch und bequem funktionierte, fragte sich Klezi meistens, ob man es nicht noch komplizierter machen könnte. So saß er eines Morgens vor seiner Werkstatt und betrachtete sein altes Fahrrad. Es hatte zwei ganz gewöhnliche runde Räder und fuhr seit Jahren ohne Probleme. Genau das störte ihn. „Jeder fährt mit runden Rädern herum“, murmelte er vor sich hin. „Wo bleibt da die Kreativität?“

    Je länger er darüber nachdachte, desto mehr ließ ihn die Idee nicht mehr los. Noch am selben Tag verschwand er in seiner Werkstatt. Es wurde gesägt, gehämmert, geschraubt und geflucht. Die Nachbarn hörten seltsame Geräusche, wagten sich aber nicht näher heran, denn sie wussten aus Erfahrung, dass bei Klezi meist etwas Ungewöhnliches entstand. Nach mehreren Tagen harter Arbeit öffnete sich schließlich das Werkstatttor. Stolz schob Klezi sein neuestes Meisterwerk ins Freie: ein Fahrrad mit sechzehn eckigen Rädern.

    Die Nachbarn versammelten sich sofort. Frau Huber hielt sich erschrocken die Hände vor das Gesicht, während Herr Meier sein Fernglas holte, um das Wunderwerk genauer betrachten zu können. „Das kann doch niemals funktionieren!“, rief jemand aus der Menge. Klezi grinste nur, setzte sich auf den Sattel und legte die Hände an den Lenker. „Natürlich funktioniert es. Fast rund ist schließlich auch rund.“

    Dann trat er in die Pedale. Das Fahrrad setzte sich tatsächlich in Bewegung. Allerdings nicht ganz so elegant wie die gewohnten Fahrräder. Es rumpelte, holperte und klapperte über das Pflaster, als würde eine Waschmaschine voller Ziegelsteine die Straße entlangfahren. Bei jeder Umdrehung hüpfte Klezi ein wenig aus dem Sattel, doch sein Grinsen wurde immer breiter. Die Kinder liefen begeistert hinter ihm her, während die Erwachsenen zwischen Lachen und Staunen nicht mehr wussten, was sie von der Erfindung halten sollten.

    Nach einer Runde durch den Ort kam Klezi wieder zurück. Seine Haare standen in alle Richtungen, seine Jacke war verrutscht und seine Zähne klapperten noch ein wenig nach. „Und? Wie fährt es sich?“, fragte Frau Huber neugierig. Klezi stieg ab, streckte sich kurz und antwortete: „Hervorragend! Andere bezahlen viel Geld für eine Rückenmassage. Bei meinem Fahrrad bekommt man sie kostenlos dazu.“

    Die Zuschauer lachten, und selbst die größten Zweifler mussten zugeben, dass die Erfindung zumindest unterhaltsam war. „Wirst du jetzt wieder normale Räder montieren?“, fragte Herr Meier. Klezi schüttelte entschieden den Kopf. „Natürlich nicht. Das war erst der Anfang. Ich arbeite bereits am Nachfolgemodell.“

    „Und was ist daran besonders?“

    Klezi zwinkerte verschwörerisch. „Die neuen Räder bekommen vierundsechzig Ecken. Fortschritt muss schließlich sein.“

    Seit diesem Tag weiß jeder im Ort, dass ein lautes Rumpeln auf der Straße nichts Gefährliches bedeutet. Es ist nur Klezi, der wieder einmal mit einer seiner Erfindungen unterwegs ist. Und auch wenn niemand so genau weiß, ob seine Ideen genial oder verrückt sind, sind sich doch alle einig: Mit Klezi wird es niemals langweilig.

  • 220_Countdown

    Warum ich 104 Jahre alt werden will

    Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und plötzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. Ich wollte einfach in meinem Leben insgesamt 25 Bücher schreiben. Und dafür brauchte ich Zeit. Viel Zeit. Also sagte ich irgendwann halb scherzhaft zu mir selbst: „Klezi, du musst mindestens 104 werden, sonst bringst du deine Projekte niemals unter einen Hut.“ Erst Jahre später, als ich Herrn Gutmann kennenlernte, verstand ich plötzlich, warum es ausgerechnet diese Zahl geworden war.

    Vor ungefähr zehn Jahren verbrachte ich öfter Zeit in einem Altenheim. Wir spielten Karten, redeten, lachten oder saßen einfach zusammen. Und eines Tages setzte sich ein älterer Herr zu unserer Runde. Ein schmaler Mann mit freundlichen Augen und diesem besonderen Blick, den nur Menschen haben, die viel erlebt haben. Nennen wir ihn einfach Herrn Gutmann.

    Er war früher Lokführer. Einer von diesen alten Eisenbahnern, die Geschichten erzählen konnten, bei denen man plötzlich selber das Pfeifen einer Dampflok hörte. Obwohl er schon weit über neunzig war, hatte er etwas Jugendliches an sich. Nicht äußerlich. Sondern im Kopf. Einmal zeigte jemand auf sein Handy und sagte scherzhaft: „Na Herr Gutmann, rechnen S’ des einmal im Kopf aus.“ Während wir anderen noch auf die Taschenrechner starrten, hatte er das Ergebnis längst gesagt. Und zwar richtig. Immer richtig. Schneller als wir alle zusammen. So entstand langsam eine Freundschaft. Jedes Mal wenn ich ins Heim kam, war Herr Gutmann irgendwo dabei und hatte irgendeinen Schmäh auf Lager.

    Einmal fragte ich ihn: „Herr Gutmann, was machen S’ eigentlich, dass S’ so alt werden? Jeden Tag ein Glas Rotwein?“ Er grinste nur und sagte: „Nein. Jeden Abend ein Glas Bier vorm Fernseher. Außer es sitzt eine schöne Frau neben mir… dann wird’s halt manchmal a zweites.“ So war er. Mit fast hundert Jahren noch voller Humor. Und dann passierte dieser kleine Auffahrunfall direkt beim Altenheim. Er war mit dem Auto leicht gegen einen Betonbegrenzungsstein gefahren. Nichts passiert. Wirklich gar nichts. Danach gab er freiwillig seinen Führerschein ab. Die Leute sagten sofort: „Des is gscheid. In dem Alter sollt ma eh nimma fahren.“ Herr Gutmann schaute sie an und sagte trocken: „Autofahren könnt i eh noch. Aber i hab ma beim Unfall den Ellbogen verstaucht. Jetzt kann i nimma Ziehharmonika spielen.“

    Ich glaube, genau in diesem Moment wurde er endgültig mein Idol. Dieser Mann jammerte nie über sein Alter. Er lebte einfach weiter. Mit Humor. Mit Interesse. Mit Neugier. Einmal kam er ganz ernst zu mir und sagte: „Klezi… i brauch a Freundin.“ Ich musste lachen. „Herr Gutmann, mit fast hundert?“ Er nickte nur. „Freilich. Aber i hab a Problem.“ „Welches denn?“ Dann sagte er einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe: „Die Damen mit siebzig oder achtzig wollen mi net. Die sagen alle: ‚Du lebst eh nimma lang.‘“ Und dann grinste er wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ausgerechnet er oft derjenige war, der die manchmal verwirrten Bewohner wieder in ihre richtigen Zimmer brachte.

    Genau dieser Humor, diese Leichtigkeit und diese Art, das Leben trotz allem nicht aufzugeben, war etwas Besonderes. Später hörte ich vom Tod meines alten Freundes. 104 Jahre alt wurde er. Und genau in diesem Moment verstand ich plötzlich meine eigene verrückte Zahl. Seit damals denke ich manchmal: Vielleicht geht es gar nicht darum, möglichst alt zu werden. Vielleicht geht es darum, neugierig zu bleiben, zu lachen, Geschichten zu erzählen, Menschen Freude zu machen und sich niemals ganz alt zu fühlen. Darum möchte ich 104 werden. Nicht wegen der Zahl. Sondern wegen dem Leben dazwischen.

  • 212_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Fallschirmspringer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst… oder besser gesagt: luftig. Fallschirmspringer! Früher bin i höchstens von der Leiter runter – und das auch nur mit Bedacht. Und jetzt steh i da, geschniegelt wie ein Profi, mit Helm, Gurtzeug und einem Blick, als hätt i das schon hundertmal gemacht. In Wirklichkeit hab i mir innerlich gedacht: Hoffentlich geht der Schirm auch wirklich auf…

    Der Trainer hat g’sagt: „Ganz ruhig bleiben.“ I hab nur genickt – weil reden war grad ned so meins. Dann der Blick aufs Flugzeug… und plötzlich wird dir bewusst: Da steigst jetzt wirklich ein. Aber gut, wenn i schon oben bin, dann geh i auch runter – freiwillig wär jetzt vielleicht übertrieben, aber immerhin kontrolliert. Und während i so dastand, geschniegelt wie a junger Hüpfer, hab i mir gedacht: Als Pensionist hast zwei Möglichkeiten – daheim sitzen oder abheben. I hab mi für Zweiteres entschieden. Und ganz ehrlich: So a bissl Nervenkitzel hält jung… zumindest bis zur Landung

  • 210_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los Weil i jetzt Zeit hab –

    und was draus mach
    Heute:Strassenarbeiter

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst, heute bin i Straßenarbeiter. Also Helm auf, Warnweste an – und schon fühlst di wie der König von der Baustelle. Ich steh da, mitten auf der Straße, und plötzlich fahren alle langsamer. Des taugt ma. So viel Respekt hab i schon lang nimmer bekommen.

    Am Anfang hab i mir gedacht, des wird a gemütliche G’schicht. A bissl stehen, a bissl schauen, vielleicht a bissl winken. Aber nix da. Kaum drehst di um, hast a Schaufel in der Hand. Und der Asphalt wartet auch ned auf mi.

    I hab dann versucht, ganz professionell auszuschauen. Langsam gehen, ernst schauen, zwischendurch auf den Boden deuten – so wie die Profis halt. Einer hat mi angeschaut und g’sagt: „Du wirkst, als würdest wissen, was du tust.“ I hab nur g’nickt. Innen drin hab i mir gedacht: Hoffentlich merkt keiner, dass i eigentlich nur so tu.

    Nach a paar Minuten bist aber eh drin. Du spürst die Arbeit, hörst die Maschinen, und irgendwie passt’s dann. Und wennst am Schluss die fertige Straße anschaust, denkst dir: Des hab i jetzt auch mitgemacht. Also eines sag i dir: Straßenarbeiter sein ist nix für Faulpelze. Aber a bissl stolz gehst trotzdem heim – und a bissl dreckig sowieso

  • 209_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Winzer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s edel – heute bin i Winzer. Weil irgendwo zwischen Traube und Flasche liegt ja bekanntlich die Wahrheit… und manchmal auch ein kleiner Schwips.

    Also steh i da mitten im Weingarten, schau mir die Reben an und denk mir: „Des schaut alles ganz einfach aus.“ Ein bissl schneiden, ein bissl warten, ein bissl hoffen – und am Ende kommt a guter Tropfen raus. Zumindest in der Theorie.

    In der Praxis hab i zuerst einmal die Trauben probiert. Rein wissenschaftlich natürlich. Eine, zwei, fünf… und plötzlich war i mehr Verkoster als Winzer.

    Dann hab i die Flasche in der Hand g’habt und mir gedacht: „Da steckt Arbeit drin.“ Viel Arbeit. Und vor allem Geduld. Des is genau der Punkt, wo i als Pensionist kurz ins Grübeln komm – Geduld hab i, aber ob i so lang warten will, bis der Wein fertig is?

    Am Ende hab i beschlossen: Winzer sein is a Mischung aus Können, Gefühl und a bissl Glück. Und ganz ehrlich – solange i nur für’s Kosten zuständig bin, passt’s für mi perfekt.

    Fazit: Die Trauben wachsen im Weingarten… aber der Genuss beginnt im Glas.

  • 208_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Lehrer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst – heute bin i Lehrer, mit Hemd, Sakko und einem Blick, als wüsst i alles, zumindest hab i so getan, weil ein bissl Selbstvertrauen gehört ja dazu. Ich stell mi vor die Tafel, nehm den Stift und schreib ganz wichtig „Mathematik“, dreh mi um und seh in Gesichter, die ungefähr so schauen wie ich früher – leicht skeptisch, ob das heute was wird. „Also… y = mx + c“, sag i und nick dabei so, als wär das völlig logisch, dabei hab i innerlich schon kurz überlegt, was das nochmal genau war. Ich erklär weiter, mit viel Einsatz und noch mehr Überzeugung, red über Steigungen, Linien und irgendwas mit Achsen, und merk nach zwei Minuten: Jetzt bin i selber irgendwo falsch abgebogen. Da meldet sich einer und fragt ganz trocken: „Und was bedeutet das?“ – ich schau auf die Tafel, schau ihn an und denk mir: Gute Frage, wirklich gute Frage. Also hab i das gemacht, was jeder gute Lehrer in so einem Moment macht: einfach weitergeredet, ein bissl drum herum erklärt, ein paar Beispiele erfunden und so getan, als wär genau das der Plan gewesen. Nach zehn Minuten hab i endgültig nimmer gewusst, wo Anfang und Ende war, aber die Stimmung war gut, einer hat gelacht und gemeint: „Sie sind lustig“, und da hab i gewusst – vielleicht kein Mathematikgenie, aber zumindest kein Totalausfall. Am Ende hab i gesagt: „Wisst’s was, wichtig ist nicht die Formel, sondern dass ihr euch bemüht“, und während die gelacht haben, hab i mir gedacht: Lehrer sein ist gar nicht so leicht, aber unterhaltsam ist es auf jeden Fall.


  • 207_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Skilehrer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s elegant. Heute bin i Skilehrer. Des schaut ja immer so locker aus – a bissl wedeln, a bissl bremsen, freundlich lächeln und nebenbei den Leuten erklären, wie’s geht. Was soll da schon schiefgehen?

    Also steh i oben am Hang, geschniegelt wie aus’m Katalog, Sonnenbrille sitzt, Ski geschniegelt, i fühl mi wie der König von Kitzbühel. Vor mir a kleine Gruppe Anfänger. I sag ganz lässig: „So, wir beginnen ganz einfach… des Wichtigste is die Haltung.“ In dem Moment rutsch i schon zwei Meter nach hinten, elegant wie a Kühlschrank auf Eis.

    Die ersten zwei Minuten waren noch halbwegs würdevoll. I erklär den Schneepflug, mach’s vor – und zack, schon lieg i. Einer aus der Gruppe fragt: „Gehört das dazu?“ I sag: „Ja klar, des is Fortgeschrittene-Technik – bewusstes Hinlegen.“

    Dann wird’s richtig spannend. Eine Dame fährt los, schaut mi panisch an und schreit: „Ich kann nicht bremsen!“ I denk mir: Super, jetzt bin i gefragt. I fahr hinterher, will helfen – und zwei Sekunden später liegen wir beide im Schnee wie zwei gestrandete Seehunde.

    Am Ende des Tages war i fix und fertig, komplett eingeschneit und meine Schüler… naja, sagen wir so: Die haben gelernt, dass man beim Skifahren auch viel lachen kann. Und i hab gelernt: Zuschauen schaut immer leichter aus, als selber machen.

    Aber eines muss i sagen: Es war a Riesengaudi. Und wenn i morgen wieder aufsteh, hab i wahrscheinlich Muskelkater an Stellen, von denen i gar ned gewusst hab, dass i sie hab.

    Fazit:
    Skilehrer sein ist leicht – solange man unten im Kaffee sitzt und zuschaut.