Ich saß gemütlich in meinem Zimmer und sortierte mein Kleingeld. Das mache ich immer so: Münzen sammeln, bis ordentlich etwas zusammenkommt, und irgendwann bringe ich alles zur Bank. Das Fenster war offen, ich dachte mir nichts dabei, bis plötzlich ein vermummter Mann vor mir stand. „Gib sofort das Geld her!“ Ich schaute ihn an und sagte: „Geh bitte, nicht das Kleingeld. Das sammle ich schon ewig. Das sind vielleicht 70 Euro. Ich geb dir dafür meine Geldscheine.“ Damit war er einverstanden. Ich öffnete meine Geldtasche, doch kaum sah er hinein, meinte er: „He, da ist ja viel mehr drin. Her damit!“ Also gab ich ihm die ganzen 270 Euro. Dann fragte er: „Was hast denn sonst noch Wertvolles?“ Ich überlegte kurz. „Na ja, da wäre noch eine Whiskyflasche. Die ist ungefähr 1.000 Euro wert.“ – „Her damit!“ Ich gab ihm die Flasche. „Sonst noch was?“ – „Eine Münzensammlung hätte ich noch. Vielleicht 1.500 Euro wert.“ Seine Augen wurden immer größer. „Her damit!“ Also bekam er auch die Münzensammlung. Schließlich fragte ich: „Hast jetzt alles?“ Er nickte zufrieden. „Magst vielleicht noch eine Wurstsemmel für unterwegs?“ Er schaute mich etwas verdutzt an. „Hast eine?“ – „Sicher.“ Also bekam er auch noch eine Wurstsemmel. Beim Gehen drehte er sich noch einmal um und sagte: „Danke! Du bist echt ein lässiger Mann.“ – „Ja, kein Problem. Pfiat di.“ Was er allerdings nicht wusste: Wie die meisten meiner Freunde wissen, habe ich Überwachungskameras. Als ich gesehen hatte, dass sich da ein vermummter Besucher näherte, hatte ich längst die Polizei verständigt. Weit kam mein neuer Freund deshalb nicht. Keine hundert Meter später wurde er von der Polizei abgeholt – samt Bargeld, Whisky, Münzensammlung und vermutlich auch meiner Wurstsemmel. Meine Sachen bekam ich wieder zurück. Nur bei der Wurstsemmel weiß ich bis heute nicht, was aus ihr geworden ist.
Es gibt Orte, an denen ich mich vom ersten Augenblick an wohlfühle. Alte Burgen und Burgruinen gehören für mich ganz eindeutig dazu. Vielleicht liegt es an den Mauern, die schon so viel gesehen haben, vielleicht an den Geschichten, die in jedem Stein verborgen zu sein scheinen, oder einfach an der besonderen Ruhe, die dort herrscht. Einer dieser Orte ist die Burgruine Schaunburg. Wenn ich dort unterwegs bin, vergesse ich oft die Zeit. An diesem Tag setzte ich mich in die alte Burgkirche, lehnte mich zurück und versuchte, wie ich es gerne nenne, das Rad meiner Gedanken anzuhalten. Kein Telefon, kein Verkehrslärm, keine Termine und keine Stimmen. Nur die alten Mauern, ein wenig Wind und diese wunderbare Stille, die ich in solchen Gemäuern so liebe. Doch plötzlich wurde die Ruhe von einem Geräusch unterbrochen. Zuerst war es so leise, dass ich dachte, ich hätte mich verhört. Dann kam es wieder. Es klang wie ein leichtes Winseln, vielleicht auch wie ein leises Zischen. Ich konnte es nicht einordnen. Langsam stand ich auf und sah mich um. Das Geräusch kam aus der Nähe eines Mauervorsprungs. Ich ging vorsichtig ein paar Schritte näher und blieb stehen. Hinter der Mauer bewegte sich etwas. Für einen kurzen Moment sah ich nur eine kleine Hand, dann ein Gesicht und schließlich eine winzige Gestalt, vielleicht fünfzehn Zentimeter groß, die vorsichtig um die Ecke schaute. Ich traute meinen Augen kaum. Vor mir stand tatsächlich ein kleiner Zwerg. Er hatte einen grauen Bart, eine dunkle Mütze und trug Kleidung, die aussah, als wäre sie aus Stoffresten und Lederstücken zusammengenäht worden. Seine Augen waren rot und verweint. Er sah mich lange an, als würde er überlegen, ob er mir vertrauen konnte. Dann trat er einen Schritt hervor und sagte ganz leise: „Kannst du mir bitte helfen?“ Ich weiß bis heute nicht, warum ich keine Angst hatte. Im Gegenteil, ich freute mich sogar darüber, dass gerade ich von diesem kleinen Wesen um Hilfe gebeten wurde. Vielleicht hatte er gespürt, dass ich mich in Burgen und Ruinen wohlfühlte und dass ich ihm nichts Böses wollte. „Wie heißt du denn?“, fragte ich. „Engelbert“, antwortete er. „Und was ist passiert?“ Wieder füllten sich seine Augen mit Tränen. „Meine Frau Gloria und unsere Tochter Adelheit sind schwer krank. Ich habe Angst, dass sie ohne Hilfe sterben.“ In diesem Augenblick wusste ich, dass ich nicht einfach weggehen konnte. Ich folgte Engelbert durch einen schmalen Spalt in der Mauer. Dahinter befand sich ein kleines Versteck, das man von außen kaum erkennen konnte. Auf einem Lager aus Moos, Blättern und Stoffresten lagen Gloria und Adelheit. Beide wirkten schwach und erschöpft. Gloria öffnete kurz die Augen, während Adelheit kaum noch auf das leise Rufen ihres Vaters reagierte. Ich überlegte fieberhaft, was ich tun konnte. Dort in der Ruine konnte ich ihnen nicht helfen. Also fasste ich einen Plan. „Ihr kommt mit mir“, sagte ich. Ich nahm meinen Rucksack ab und legte ihn vorsichtig auf den Boden. Engelbert half zuerst seiner Frau hinein, dann trugen wir gemeinsam Adelheit dazu. Zuletzt kletterte Engelbert selbst in den Rucksack. Ich bedeckte die drei vorsichtig mit einem weichen Tuch und verließ das Ruinenareal so unauffällig wie möglich. Dabei kam ich mir fast wie ein Schmuggler vor. Immer wieder sah ich mich um, ob mich jemand beobachtete. Zum Glück begegnete mir niemand, der wissen wollte, warum sich mein Rucksack plötzlich bewegte.
Auf der Heimfahrt lief mir der Schweiß über die Stirn. Nicht, weil es so heiß war, sondern weil mir plötzlich der Gedanke kam, was wohl passieren würde, wenn ich in eine Polizeikontrolle geriet. Was hätte ich sagen sollen? „Guten Tag, Herr Inspektor, ich habe drei Zwerge im Rucksack, aber keine Sorge, die gehören zusammen“? Vermutlich hätte man zuerst den Rucksack und anschließend mich sehr genau untersucht. Engelbert schien meine Gedanken zu ahnen, denn plötzlich hörte ich aus dem Rucksack seine leise Stimme: „Ist alles in Ordnung?“ „Ja“, antwortete ich, „solange wir nicht aufgehalten werden.“ Zum Glück erreichten wir mein Zuhause ohne Zwischenfälle. Ich brachte die drei in ein ruhiges Zimmer und überlegte, wen ich um Hilfe bitten konnte. Ein guter Freund von mir war Arzt. Ich rief ihn an und erklärte ihm, dass ich dringend seine Hilfe brauchte. Natürlich sagte ich am Telefon nichts von Zwergen. Wahrscheinlich hätte er sonst geglaubt, ich wäre selbst der Patient. Als er bei mir eintraf, führte ich ihn ins Zimmer. Er sah zuerst mich an, dann Engelbert, dann Gloria und Adelheit und schließlich wieder mich. Einige Sekunden sagte er überhaupt nichts. „Bevor du fragst“, sagte ich, „ja, sie sind echt.“ Mein Freund setzte seine Brille ab, putzte sie gründlich, setzte sie wieder auf und meinte nur: „Also gut. Dann schauen wir uns die beiden Patientinnen einmal an.“ Gemeinsam pflegten wir Gloria und Adelheit gesund. Es dauerte einige Zeit, doch langsam kehrten ihre Kräfte zurück. Gloria konnte bald wieder sitzen, und Adelheit begann nach einigen Tagen sogar wieder zu lachen. Engelbert wich in dieser Zeit kaum von ihrer Seite. Als beide endlich gesund waren, fiel ihm eine Last vom Herzen. Er nahm meine Hand mit beiden Armen und sagte: „Du hast uns das Leben gerettet. Das werden wir dir niemals vergessen.“ Eigentlich hatte ich geplant, die Familie wieder zur Schaunburg zurückzubringen, sobald alle gesund waren. Doch eines Abends saßen Engelbert und ich beisammen, und er sagte ganz beiläufig: „Bei dir ist es so wohlig warm. Sehr angenehm.“ Dieser Satz blieb mir im Kopf. Das ehemalige Zimmer meines Sohnes stand zu dieser Zeit leer. Also kam mir eine Idee. Warum sollte ich der kleinen Familie dort nicht eine eigene Wohnung bauen? Ich erzählte Engelbert davon, und seine Augen begannen zu leuchten. Schon am nächsten Tag saßen wir gemeinsam über den ersten Plänen. Ich zeichnete auf einem großen Blatt Papier, während Engelbert mit einem winzigen Bleistift seine Wünsche dazuschrieb. Die Wohnung sollte ein Schlafzimmer, eine kleine Küche, ein Wohnzimmer und ein Zimmer für Adelheit bekommen. Große Ansprüche stellten sie nicht. Sie wollten es nur warm, gemütlich und sicher haben. Gemeinsam begannen wir zu bauen. Für mich waren kleine Holzstücke und Stoffreste fast wertlos, für Engelbert waren sie hervorragendes Baumaterial. Aus einer alten Schublade wurde ein Zimmer, aus Holzleisten entstanden Betten, Stühle und ein Tisch. Ein alter Lampenschirm wurde zum Dach, Knöpfe zu Tellern und ein Fingerhut zu einem Kochtopf. Engelbert war handwerklich sehr geschickt, und wir ergänzten uns hervorragend. Nach einigen Wochen war die kleine Wohnung fertig. Gloria stellte Vorhänge her, Adelheit bemalte die Wände mit winzigen Blumen, und Engelbert baute sogar eine kleine Bank vor den Eingang. Als sie einzogen, waren sie überglücklich. Von diesem Tag an gehörten die drei zu meinem Leben.
Wir wurden richtig gute Freunde. Jeden Tag, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, freute ich mich riesig auf meine kleinen Gäste. Mein erster Weg führte fast immer in das ehemalige Zimmer meines Sohnes. Dort saß Engelbert oft vor seiner kleinen Wohnung und wartete bereits auf mich. Wir erzählten uns, was wir tagsüber erlebt hatten. Gloria bereitete manchmal Tee zu. Ich trank aus einer normalen Tasse, die drei aus winzigen Bechern. Besonders Adelheit war neugierig und stellte unzählige Fragen über die Welt der großen Menschen. Sie wollte wissen, warum Autos so laut waren, weshalb Menschen so große Häuser brauchten und warum sie beim Einkaufen oft Dinge kauften, die sie gar nicht benötigten. Auf manche Fragen wusste ich selbst keine vernünftige Antwort. Ein Detail bringt mich bis heute zum Schmunzeln: die erste Bestellung für den Einkauf meiner kleinen Familie. Gloria überreichte mir einen winzigen Zettel. Darauf stand: „Bitte 15 Dekagramm Schnitzelfleisch, ein Ei, eine Prise Salz, zehn Dekagramm Semmelbrösel, einen Schöpfer voll Mehl und ungefähr 10 Salatblätter.“ Ich musste lachen. Für mich klang das nach einer Kostprobe, für die Zwergenfamilie war es ein richtiges Festessen. Als ich die Bestellung beim Fleischhauer aufgab, sah mich die Verkäuferin etwas verwundert an. „Nur fünf Dekagramm?“ fragte sie. „Ja“, antwortete ich, „ich bekomme Besuch, aber die essen nicht besonders viel.“ Das stimmte ja auch. Gloria bereitete daraus Schnitzel zu, die kaum größer als eine Briefmarke waren. Dazu gab es Salatblätter, von denen jedes einzelne für mehrere Portionen reichte. Wir verbrachten viele schöne Jahre miteinander. Ich kümmerte mich liebevoll um Engelbert, Gloria und Adelheit, und sie gaben mir auf ihre Weise genauso viel zurück. Sie waren da, wenn ich nach einem langen Arbeitstag müde nach Hause kam. Sie hörten mir zu, wenn mich etwas beschäftigte, und sie erinnerten mich daran, dass man zum Glücklichsein oft viel weniger braucht, als man glaubt. Nie erzählte ich anderen Menschen von ihnen. Nicht weil ich mich schämte, sondern weil ich Angst hatte, jemand könnte sie entdecken, fotografieren oder aus ihrem ruhigen Leben reißen. Sie vertrauten mir, und dieses Vertrauen wollte ich niemals enttäuschen.
Doch eines Tages wurde ich selbst schwer krank. Es kam so plötzlich, dass ich kaum Zeit hatte, etwas zu erklären. Als ich ins Krankenhaus gebracht wurde, sah ich Engelbert in der Tür seiner kleinen Wohnung stehen. Seine Augen waren voller Sorge und Traurigkeit. Er sagte nichts, doch ich erkannte darin denselben Blick wie damals in der Burgkirche, als er mich um Hilfe gebeten hatte. Ich hob noch kurz die Hand, bevor ich das Haus verließ. Im Krankenhaus dachte ich oft an die drei. Ich fragte mich, ob sie genug zu essen hatten, ob es ihnen gut ging und ob Engelbert mit allem zurechtkam. Nach mehreren Wochen wurde ich schließlich wieder gesund und durfte nach Hause. Schon auf der Fahrt freute ich mich riesig darauf, meine kleinen Freunde wiederzusehen. Als ich die Wohnung betrat, rief ich sofort: „Engelbert, Gloria, Adelheit, ich bin wieder da!“ Doch niemand antwortete. Ich ging in das ehemalige Zimmer meines Sohnes und blieb wie angewurzelt stehen. Die kleine Wohnung war verschwunden. Kein Tisch, kein Bett, keine Bank, kein Werkzeug und kein einziger kleiner Gegenstand waren mehr da. Alles sah genauso aus wie früher, bevor die Zwergenfamilie eingezogen war. Ich suchte im ganzen Zimmer, öffnete Schubladen, sah hinter Möbeln und rief immer wieder ihre Namen. Doch es blieb still. Für einen Moment fragte ich mich, ob ich mir all das nur eingebildet hatte. Vielleicht war die Begegnung auf der Schaunburg nur ein Traum gewesen. Vielleicht hatte es Engelbert, Gloria und Adelheit nie gegeben. Dann entdeckte ich auf dem Fensterbrett einen kleinen zusammengefalteten Zettel. Er war kaum größer als eine Briefmarke. Vorsichtig öffnete ich ihn. In sauberer, winziger Schrift stand darauf: „Lieber Freund, wir danken dir für deine Hilfe. Du hast uns das Leben gerettet, uns ein Zuhause gegeben und uns wie eine Familie behandelt. Es war eine sehr schöne Zeit. Danke für alles. Engelbert, Gloria und Adelheit.“ Ich setzte mich hin und hielt den kleinen Zettel lange in der Hand. Natürlich war ich traurig, dass sie gegangen waren. Doch zugleich war ich dankbar, dass ich diese außergewöhnliche Freundschaft erleben durfte. Noch heute fahre ich manchmal zur Burgruine Schaunburg. Dann setze ich mich wieder in die alte Burgkirche und versuche, das Rad meiner Gedanken anzuhalten. Wenn es ganz still ist und der Wind durch die alten Mauern zieht, glaube ich manchmal, hinter einem Mauervorsprung ein leises Winseln oder Zischen zu hören. Dann muss ich lächeln und denke an Engelbert, Gloria und Adelheit. Vielleicht leben sie heute wieder irgendwo dort zwischen den alten Steinen. Vielleicht erzählen sie anderen Zwergen von dem großen Menschen, der ihnen einst geholfen hat. Und vielleicht wartet Engelbert nur darauf, eines Tages wieder vorsichtig um die Ecke zu schauen und leise zu fragen: „Kannst du mir bitte helfen?“
Gestern endete meine Geschichte genau in dem Moment, als ich vor dem Sternhochhaus stand und nicht wusste, woher die Hilferufe kamen. Ehrlich gesagt war ich selbst neugierig geworden. Ich ging langsam um das Gebäude herum und lauschte noch einmal. Plötzlich hörte ich die Stimme wieder. Diesmal war ich mir sicher, sie kam nicht aus einer Wohnung und auch nicht aus dem Stiegenhaus. Sie kam aus einem kleinen Kellerfenster.
„Hallo! Ist da draußen jemand?“
Ich ging näher zum Fenster und rief zurück: „Ja, ich höre Sie! Was ist denn passiert?“
„Ich bin im Fahrradkeller eingesperrt. Können Sie bitte jemanden holen?“
In diesem Moment war mir klar, dass ich selbst nichts ausrichten konnte. Ich war schließlich nur zufällig vorbeigekommen und hatte natürlich keinen Schlüssel für das Haus. Also läutete ich bei der Hausmeisterin. Zum Glück war sie zu Hause. Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass sich jemand im Fahrradkeller befand und um Hilfe rief, zögerte sie keine Sekunde. Sie holte den Ersatzschlüssel und gemeinsam gingen wir zum Keller. Wenige Augenblicke später wurde die schwere Tür geöffnet und ein sichtlich erleichterter Mann trat heraus.
Er musste selbst lachen, als er erzählte, wie es überhaupt zu diesem Missgeschick gekommen war. Er hatte sein Fahrrad in den Keller gebracht und den Schlüssel innen im Schloss stecken lassen. Als er den Keller wieder verlassen wollte, stieß er die schwere Tür aus Gewohnheit zu. Erst im selben Augenblick wurde ihm bewusst, dass der Schlüssel noch auf der Innenseite steckte. Damit war der Fahrradkeller versperrt und er selbst stand hilflos davor. Zum Glück befand sich in der Nähe ein kleines Kellerfenster, durch das er immer wieder um Hilfe rufen konnte.
Wir lachten schließlich alle drei über die ganze Geschichte. Eigentlich war es nur ein kleines Missgeschick, doch ohne Zufall hätte ihn wahrscheinlich lange niemand gehört. Als ich mich verabschiedete und noch einmal zum Sternhochhaus hinaufsah, musste ich schmunzeln. Tausende Menschen fahren hier jeden Tag vorbei. Für die meisten ist es einfach nur ein Hochhaus. Für mich wird es aber immer der Ort bleiben, an dem ein kleines Kellerfenster zu einem ganz besonderen Geheimnis von Wels wurde.
Es gibt Orte in Wels, an denen fährt man seit Jahren vorbei, ohne ihnen besondere Beachtung zu schenken. Das Sternhochhaus ist so ein Ort. Es steht schon so lange dort, dass es für viele einfach zum Stadtbild gehört. Man sieht es von Weitem, erkennt sofort seine markante Form und fährt weiter. Ehrlich gesagt ging es mir lange Zeit genauso. An diesem Morgen war ich mit meiner Kamera unterwegs, um neue Motive für meine Serie „4600 – Geheimnisse von Wels“ zu suchen. Eigentlich hatte ich gar nichts Besonderes geplant. Ich wollte nur ein paar schöne Fotos machen. Als ich am Kreisverkehr stehen blieb und zum Hochhaus hinaufsah, fiel mir auf, wie eindrucksvoll es eigentlich wirkt. Vor dem strahlend blauen Himmel ragte es weit über die umliegenden Bäume hinaus. Ein Gebäude, das wahrscheinlich jeder Welser kennt – und über das trotzdem kaum jemand spricht. Während ich mehrere Fotos machte, fragte ich mich, wie viele Menschen wohl dort wohnen. Wie viele Geschichten sich hinter den unzähligen Fenstern abgespielt haben. Freude, Streit, Hoffnung, Enttäuschung, Geburtstage, Abschiede – ein ganzes Menschenleben, tausendfach übereinander gestapelt. Von draußen sieht man nur Beton, Balkone und Fenster. Was sich dahinter verbirgt, bleibt für die meisten ein Geheimnis. Ich blieb noch einen Moment stehen und betrachtete das Gebäude. Plötzlich glaubte ich, ein dumpfes Geräusch zu hören.
Klopf …
Ich schaute mich um. Ein Auto fuhr vorbei, ein Radfahrer bog um die Kurve, sonst war niemand zu sehen. Dann war das Geräusch wieder da.
Klopf … klopf …
Diesmal war ich mir sicher. Das kam nicht von der Straße. Es schien direkt aus der Richtung des Hochhauses zu kommen. Neugier war schon immer eine meiner größten Schwächen. Also steckte ich die Kamera ein und ging langsam auf den Eingang zu. Mit jedem Schritt wurde es ruhiger. Der Verkehr verschwand im Hintergrund, und plötzlich hörte ich zwischen den Klopfgeräuschen eine leise Stimme.
„Hallo … ist da jemand?“
Ich blieb stehen. Die Stimme kam eindeutig aus dem Gebäude. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich mir das alles nur einbildete. Doch dann hörte ich wieder das Klopfen. Diesmal lauter. Es schien von einem Kellerfenster zu kommen. Ich trat noch einen Schritt näher.
Anna hielt den nassen Zettel noch immer in der Hand. „Morgen um sechs Uhr. Tauch tiefer. Alle Antworten warten auf dich.“ Die ganze Nacht fand sie keinen Schlaf. Wer hatte den Zettel geschrieben? Wer beobachtete sie? Und warum wusste jemand von ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit? Noch vor Sonnenaufgang stand sie wieder am Mühlbach. Der Nebel hing tief über dem Wasser, alles war still. Sie legte ihren Notizblock und ihre Uhr wie gewohnt auf die steinerne Ufermauer, atmete einmal tief durch und tauchte ab. Diesmal schwamm sie nicht einfach geradeaus, sondern folgte dem Bach bis an eine Stelle, die ihr trotz zwanzig Jahren täglichem Schwimmen fremd vorkam. Plötzlich bemerkte sie zwischen den Steinen einen schmalen Spalt, aus dem ein schwaches bläuliches Licht schimmerte. Vorsichtig tauchte sie näher und entdeckte einen gemauerten Durchgang, der hinter dichtem Wassergras verborgen lag. Sie zögerte nur einen Augenblick, dann schwamm sie hindurch. Dahinter öffnete sich eine riesige Höhle, erfüllt von glasklarem Wasser. Mitten im Raum stand ein alter steinerner Tisch. Darauf lag eine bronzene Sanduhr. Doch der Sand rieselte nicht nach unten – er floss langsam nach oben. Als Anna die Sanduhr berühren wollte, hörte sie plötzlich eine ruhige Stimme. „Willkommen, Anna. Endlich hast du den Weg gefunden.“ Erschrocken drehte sie sich um. Vor ihr stand ein alter Mann mit schneeweißem Haar, als wäre er schon immer Teil dieser Höhle gewesen. „Seit Jahrhunderten bewacht jemand diesen Ort“, sagte er. „Das Wasser des Mühlbachs entspringt einer Quelle, die nicht nur Leben schenkt, sondern auch Zeit. Jeder Mensch, der hier badet, spürt ihre Kraft. Aber nur alle paar Generationen findet jemand den verborgenen Eingang. Du bist die Nächste.“ Anna verstand plötzlich, warum sie immer länger unter Wasser bleiben konnte. Es war nicht ihre Lunge. Es war das Wasser selbst.
Der alte Mann lächelte traurig. „Doch jedes Geschenk hat seinen Preis. Wer die Zeit anhalten kann, verliert nach und nach die Erinnerung an sein früheres Leben.“ Anna erschrak. War das der Grund, warum sie sich in den letzten Monaten immer schwerer an manche Erlebnisse ihrer Kindheit erinnern konnte? Plötzlich fiel ihr Blick auf den Tisch. Dort lagen mehrere alte Notizbücher – alle mit unterschiedlichen Namen. Sie blätterte vorsichtig durch eines. Darin standen Tauchzeiten, Beobachtungen und dieselben Fragen, die sie selbst seit Monaten in ihren Notizblock schrieb. Das letzte Buch endete mit einem einzigen Satz: „Ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“ Anna ließ das Buch erschrocken fallen. Der alte Mann nickte nur langsam. „Auch ich habe einmal hier gestanden – vor mehr als zweihundert Jahren.“ Da begriff sie die Wahrheit. Er war gar kein Wächter. Er war der letzte Mensch, der das Geheimnis entdeckt hatte. Anna nahm ihre Sanduhr, schwamm zurück durch den Tunnel und tauchte an der Oberfläche auf. Die Sonne ging gerade auf. Ihre Uhr zeigte, dass sie nur vier Minuten unter Wasser gewesen war. Doch auf dem Kalender ihres Notizblocks stand nicht mehr der 29. Juni. Es war der 29. Juli. Einen ganzen Monat hatte sie unter Wasser verbracht, ohne es zu bemerken. Sie schaute noch einmal zurück auf den ruhigen Mühlbach und flüsterte: „Nein… ich komme nicht mehr zurück.“ Doch tief unten in der klaren Strömung begann das blaue Licht erneut zu leuchten – als würde der Mühlbach bereits auf seinen nächsten Besucher warten.
Klezi war schon immer ein Mensch gewesen, der die Dinge etwas anders sah als alle anderen. Während sich die meisten Leute darüber freuten, wenn etwas einfach, praktisch und bequem funktionierte, fragte sich Klezi meistens, ob man es nicht noch komplizierter machen könnte. So saß er eines Morgens vor seiner Werkstatt und betrachtete sein altes Fahrrad. Es hatte zwei ganz gewöhnliche runde Räder und fuhr seit Jahren ohne Probleme. Genau das störte ihn. „Jeder fährt mit runden Rädern herum“, murmelte er vor sich hin. „Wo bleibt da die Kreativität?“
Je länger er darüber nachdachte, desto mehr ließ ihn die Idee nicht mehr los. Noch am selben Tag verschwand er in seiner Werkstatt. Es wurde gesägt, gehämmert, geschraubt und geflucht. Die Nachbarn hörten seltsame Geräusche, wagten sich aber nicht näher heran, denn sie wussten aus Erfahrung, dass bei Klezi meist etwas Ungewöhnliches entstand. Nach mehreren Tagen harter Arbeit öffnete sich schließlich das Werkstatttor. Stolz schob Klezi sein neuestes Meisterwerk ins Freie: ein Fahrrad mit sechzehn eckigen Rädern.
Die Nachbarn versammelten sich sofort. Frau Huber hielt sich erschrocken die Hände vor das Gesicht, während Herr Meier sein Fernglas holte, um das Wunderwerk genauer betrachten zu können. „Das kann doch niemals funktionieren!“, rief jemand aus der Menge. Klezi grinste nur, setzte sich auf den Sattel und legte die Hände an den Lenker. „Natürlich funktioniert es. Fast rund ist schließlich auch rund.“
Dann trat er in die Pedale. Das Fahrrad setzte sich tatsächlich in Bewegung. Allerdings nicht ganz so elegant wie die gewohnten Fahrräder. Es rumpelte, holperte und klapperte über das Pflaster, als würde eine Waschmaschine voller Ziegelsteine die Straße entlangfahren. Bei jeder Umdrehung hüpfte Klezi ein wenig aus dem Sattel, doch sein Grinsen wurde immer breiter. Die Kinder liefen begeistert hinter ihm her, während die Erwachsenen zwischen Lachen und Staunen nicht mehr wussten, was sie von der Erfindung halten sollten.
Nach einer Runde durch den Ort kam Klezi wieder zurück. Seine Haare standen in alle Richtungen, seine Jacke war verrutscht und seine Zähne klapperten noch ein wenig nach. „Und? Wie fährt es sich?“, fragte Frau Huber neugierig. Klezi stieg ab, streckte sich kurz und antwortete: „Hervorragend! Andere bezahlen viel Geld für eine Rückenmassage. Bei meinem Fahrrad bekommt man sie kostenlos dazu.“
Die Zuschauer lachten, und selbst die größten Zweifler mussten zugeben, dass die Erfindung zumindest unterhaltsam war. „Wirst du jetzt wieder normale Räder montieren?“, fragte Herr Meier. Klezi schüttelte entschieden den Kopf. „Natürlich nicht. Das war erst der Anfang. Ich arbeite bereits am Nachfolgemodell.“
„Und was ist daran besonders?“
Klezi zwinkerte verschwörerisch. „Die neuen Räder bekommen vierundsechzig Ecken. Fortschritt muss schließlich sein.“
Seit diesem Tag weiß jeder im Ort, dass ein lautes Rumpeln auf der Straße nichts Gefährliches bedeutet. Es ist nur Klezi, der wieder einmal mit einer seiner Erfindungen unterwegs ist. Und auch wenn niemand so genau weiß, ob seine Ideen genial oder verrückt sind, sind sich doch alle einig: Mit Klezi wird es niemals langweilig.
Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und plötzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. Ich wollte einfach in meinem Leben insgesamt 25 Bücher schreiben. Und dafür brauchte ich Zeit. Viel Zeit. Also sagte ich irgendwann halb scherzhaft zu mir selbst: „Klezi, du musst mindestens 104 werden, sonst bringst du deine Projekte niemals unter einen Hut.“ Erst Jahre später, als ich Herrn Gutmann kennenlernte, verstand ich plötzlich, warum es ausgerechnet diese Zahl geworden war.
Vor ungefähr zehn Jahren verbrachte ich öfter Zeit in einem Altenheim. Wir spielten Karten, redeten, lachten oder saßen einfach zusammen. Und eines Tages setzte sich ein älterer Herr zu unserer Runde. Ein schmaler Mann mit freundlichen Augen und diesem besonderen Blick, den nur Menschen haben, die viel erlebt haben. Nennen wir ihn einfach Herrn Gutmann.
Er war früher Lokführer. Einer von diesen alten Eisenbahnern, die Geschichten erzählen konnten, bei denen man plötzlich selber das Pfeifen einer Dampflok hörte. Obwohl er schon weit über neunzig war, hatte er etwas Jugendliches an sich. Nicht äußerlich. Sondern im Kopf. Einmal zeigte jemand auf sein Handy und sagte scherzhaft: „Na Herr Gutmann, rechnen S’ des einmal im Kopf aus.“ Während wir anderen noch auf die Taschenrechner starrten, hatte er das Ergebnis längst gesagt. Und zwar richtig. Immer richtig. Schneller als wir alle zusammen. So entstand langsam eine Freundschaft. Jedes Mal wenn ich ins Heim kam, war Herr Gutmann irgendwo dabei und hatte irgendeinen Schmäh auf Lager.
Einmal fragte ich ihn: „Herr Gutmann, was machen S’ eigentlich, dass S’ so alt werden? Jeden Tag ein Glas Rotwein?“ Er grinste nur und sagte: „Nein. Jeden Abend ein Glas Bier vorm Fernseher. Außer es sitzt eine schöne Frau neben mir… dann wird’s halt manchmal a zweites.“ So war er. Mit fast hundert Jahren noch voller Humor. Und dann passierte dieser kleine Auffahrunfall direkt beim Altenheim. Er war mit dem Auto leicht gegen einen Betonbegrenzungsstein gefahren. Nichts passiert. Wirklich gar nichts. Danach gab er freiwillig seinen Führerschein ab. Die Leute sagten sofort: „Des is gscheid. In dem Alter sollt ma eh nimma fahren.“ Herr Gutmann schaute sie an und sagte trocken: „Autofahren könnt i eh noch. Aber i hab ma beim Unfall den Ellbogen verstaucht. Jetzt kann i nimma Ziehharmonika spielen.“
Ich glaube, genau in diesem Moment wurde er endgültig mein Idol. Dieser Mann jammerte nie über sein Alter. Er lebte einfach weiter. Mit Humor. Mit Interesse. Mit Neugier. Einmal kam er ganz ernst zu mir und sagte: „Klezi… i brauch a Freundin.“ Ich musste lachen. „Herr Gutmann, mit fast hundert?“ Er nickte nur. „Freilich. Aber i hab a Problem.“ „Welches denn?“ Dann sagte er einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe: „Die Damen mit siebzig oder achtzig wollen mi net. Die sagen alle: ‚Du lebst eh nimma lang.‘“ Und dann grinste er wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ausgerechnet er oft derjenige war, der die manchmal verwirrten Bewohner wieder in ihre richtigen Zimmer brachte.
Genau dieser Humor, diese Leichtigkeit und diese Art, das Leben trotz allem nicht aufzugeben, war etwas Besonderes. Später hörte ich vom Tod meines alten Freundes. 104 Jahre alt wurde er. Und genau in diesem Moment verstand ich plötzlich meine eigene verrückte Zahl. Seit damals denke ich manchmal: Vielleicht geht es gar nicht darum, möglichst alt zu werden. Vielleicht geht es darum, neugierig zu bleiben, zu lachen, Geschichten zu erzählen, Menschen Freude zu machen und sich niemals ganz alt zu fühlen. Darum möchte ich 104 werden. Nicht wegen der Zahl. Sondern wegen dem Leben dazwischen.
Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach Heute: Fallschirmspringer
Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst… oder besser gesagt: luftig. Fallschirmspringer! Früher bin i höchstens von der Leiter runter – und das auch nur mit Bedacht. Und jetzt steh i da, geschniegelt wie ein Profi, mit Helm, Gurtzeug und einem Blick, als hätt i das schon hundertmal gemacht. In Wirklichkeit hab i mir innerlich gedacht: Hoffentlich geht der Schirm auch wirklich auf…
Der Trainer hat g’sagt: „Ganz ruhig bleiben.“ I hab nur genickt – weil reden war grad ned so meins. Dann der Blick aufs Flugzeug… und plötzlich wird dir bewusst: Da steigst jetzt wirklich ein. Aber gut, wenn i schon oben bin, dann geh i auch runter – freiwillig wär jetzt vielleicht übertrieben, aber immerhin kontrolliert. Und während i so dastand, geschniegelt wie a junger Hüpfer, hab i mir gedacht: Als Pensionist hast zwei Möglichkeiten – daheim sitzen oder abheben. I hab mi für Zweiteres entschieden. Und ganz ehrlich: So a bissl Nervenkitzel hält jung… zumindest bis zur Landung
Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los Weil i jetzt Zeit hab –
und was draus mach Heute:Strassenarbeiter
Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst, heute bin i Straßenarbeiter. Also Helm auf, Warnweste an – und schon fühlst di wie der König von der Baustelle. Ich steh da, mitten auf der Straße, und plötzlich fahren alle langsamer. Des taugt ma. So viel Respekt hab i schon lang nimmer bekommen.
Am Anfang hab i mir gedacht, des wird a gemütliche G’schicht. A bissl stehen, a bissl schauen, vielleicht a bissl winken. Aber nix da. Kaum drehst di um, hast a Schaufel in der Hand. Und der Asphalt wartet auch ned auf mi.
I hab dann versucht, ganz professionell auszuschauen. Langsam gehen, ernst schauen, zwischendurch auf den Boden deuten – so wie die Profis halt. Einer hat mi angeschaut und g’sagt: „Du wirkst, als würdest wissen, was du tust.“ I hab nur g’nickt. Innen drin hab i mir gedacht: Hoffentlich merkt keiner, dass i eigentlich nur so tu.
Nach a paar Minuten bist aber eh drin. Du spürst die Arbeit, hörst die Maschinen, und irgendwie passt’s dann. Und wennst am Schluss die fertige Straße anschaust, denkst dir: Des hab i jetzt auch mitgemacht. Also eines sag i dir: Straßenarbeiter sein ist nix für Faulpelze. Aber a bissl stolz gehst trotzdem heim – und a bissl dreckig sowieso
Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach Heute: Winzer
Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s edel – heute bin i Winzer. Weil irgendwo zwischen Traube und Flasche liegt ja bekanntlich die Wahrheit… und manchmal auch ein kleiner Schwips.
Also steh i da mitten im Weingarten, schau mir die Reben an und denk mir: „Des schaut alles ganz einfach aus.“ Ein bissl schneiden, ein bissl warten, ein bissl hoffen – und am Ende kommt a guter Tropfen raus. Zumindest in der Theorie.
In der Praxis hab i zuerst einmal die Trauben probiert. Rein wissenschaftlich natürlich. Eine, zwei, fünf… und plötzlich war i mehr Verkoster als Winzer.
Dann hab i die Flasche in der Hand g’habt und mir gedacht: „Da steckt Arbeit drin.“ Viel Arbeit. Und vor allem Geduld. Des is genau der Punkt, wo i als Pensionist kurz ins Grübeln komm – Geduld hab i, aber ob i so lang warten will, bis der Wein fertig is?
Am Ende hab i beschlossen: Winzer sein is a Mischung aus Können, Gefühl und a bissl Glück. Und ganz ehrlich – solange i nur für’s Kosten zuständig bin, passt’s für mi perfekt.
Fazit: Die Trauben wachsen im Weingarten… aber der Genuss beginnt im Glas.