Schlagwort: KI Geschichten

  • 220_Countdown

    Warum ich 104 Jahre alt werden will

    Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und plötzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. Ich wollte einfach in meinem Leben insgesamt 25 Bücher schreiben. Und dafür brauchte ich Zeit. Viel Zeit. Also sagte ich irgendwann halb scherzhaft zu mir selbst: „Klezi, du musst mindestens 104 werden, sonst bringst du deine Projekte niemals unter einen Hut.“ Erst Jahre später, als ich Herrn Gutmann kennenlernte, verstand ich plötzlich, warum es ausgerechnet diese Zahl geworden war.

    Vor ungefähr zehn Jahren verbrachte ich öfter Zeit in einem Altenheim. Wir spielten Karten, redeten, lachten oder saßen einfach zusammen. Und eines Tages setzte sich ein älterer Herr zu unserer Runde. Ein schmaler Mann mit freundlichen Augen und diesem besonderen Blick, den nur Menschen haben, die viel erlebt haben. Nennen wir ihn einfach Herrn Gutmann.

    Er war früher Lokführer. Einer von diesen alten Eisenbahnern, die Geschichten erzählen konnten, bei denen man plötzlich selber das Pfeifen einer Dampflok hörte. Obwohl er schon weit über neunzig war, hatte er etwas Jugendliches an sich. Nicht äußerlich. Sondern im Kopf. Einmal zeigte jemand auf sein Handy und sagte scherzhaft: „Na Herr Gutmann, rechnen S’ des einmal im Kopf aus.“ Während wir anderen noch auf die Taschenrechner starrten, hatte er das Ergebnis längst gesagt. Und zwar richtig. Immer richtig. Schneller als wir alle zusammen. So entstand langsam eine Freundschaft. Jedes Mal wenn ich ins Heim kam, war Herr Gutmann irgendwo dabei und hatte irgendeinen Schmäh auf Lager.

    Einmal fragte ich ihn: „Herr Gutmann, was machen S’ eigentlich, dass S’ so alt werden? Jeden Tag ein Glas Rotwein?“ Er grinste nur und sagte: „Nein. Jeden Abend ein Glas Bier vorm Fernseher. Außer es sitzt eine schöne Frau neben mir… dann wird’s halt manchmal a zweites.“ So war er. Mit fast hundert Jahren noch voller Humor. Und dann passierte dieser kleine Auffahrunfall direkt beim Altenheim. Er war mit dem Auto leicht gegen einen Betonbegrenzungsstein gefahren. Nichts passiert. Wirklich gar nichts. Danach gab er freiwillig seinen Führerschein ab. Die Leute sagten sofort: „Des is gscheid. In dem Alter sollt ma eh nimma fahren.“ Herr Gutmann schaute sie an und sagte trocken: „Autofahren könnt i eh noch. Aber i hab ma beim Unfall den Ellbogen verstaucht. Jetzt kann i nimma Ziehharmonika spielen.“

    Ich glaube, genau in diesem Moment wurde er endgültig mein Idol. Dieser Mann jammerte nie über sein Alter. Er lebte einfach weiter. Mit Humor. Mit Interesse. Mit Neugier. Einmal kam er ganz ernst zu mir und sagte: „Klezi… i brauch a Freundin.“ Ich musste lachen. „Herr Gutmann, mit fast hundert?“ Er nickte nur. „Freilich. Aber i hab a Problem.“ „Welches denn?“ Dann sagte er einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe: „Die Damen mit siebzig oder achtzig wollen mi net. Die sagen alle: ‚Du lebst eh nimma lang.‘“ Und dann grinste er wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ausgerechnet er oft derjenige war, der die manchmal verwirrten Bewohner wieder in ihre richtigen Zimmer brachte.

    Genau dieser Humor, diese Leichtigkeit und diese Art, das Leben trotz allem nicht aufzugeben, war etwas Besonderes. Später hörte ich vom Tod meines alten Freundes. 104 Jahre alt wurde er. Und genau in diesem Moment verstand ich plötzlich meine eigene verrückte Zahl. Seit damals denke ich manchmal: Vielleicht geht es gar nicht darum, möglichst alt zu werden. Vielleicht geht es darum, neugierig zu bleiben, zu lachen, Geschichten zu erzählen, Menschen Freude zu machen und sich niemals ganz alt zu fühlen. Darum möchte ich 104 werden. Nicht wegen der Zahl. Sondern wegen dem Leben dazwischen.

  • 212_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Fallschirmspringer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst… oder besser gesagt: luftig. Fallschirmspringer! Früher bin i höchstens von der Leiter runter – und das auch nur mit Bedacht. Und jetzt steh i da, geschniegelt wie ein Profi, mit Helm, Gurtzeug und einem Blick, als hätt i das schon hundertmal gemacht. In Wirklichkeit hab i mir innerlich gedacht: Hoffentlich geht der Schirm auch wirklich auf…

    Der Trainer hat g’sagt: „Ganz ruhig bleiben.“ I hab nur genickt – weil reden war grad ned so meins. Dann der Blick aufs Flugzeug… und plötzlich wird dir bewusst: Da steigst jetzt wirklich ein. Aber gut, wenn i schon oben bin, dann geh i auch runter – freiwillig wär jetzt vielleicht übertrieben, aber immerhin kontrolliert. Und während i so dastand, geschniegelt wie a junger Hüpfer, hab i mir gedacht: Als Pensionist hast zwei Möglichkeiten – daheim sitzen oder abheben. I hab mi für Zweiteres entschieden. Und ganz ehrlich: So a bissl Nervenkitzel hält jung… zumindest bis zur Landung

  • 210_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los Weil i jetzt Zeit hab –

    und was draus mach
    Heute:Strassenarbeiter

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst, heute bin i Straßenarbeiter. Also Helm auf, Warnweste an – und schon fühlst di wie der König von der Baustelle. Ich steh da, mitten auf der Straße, und plötzlich fahren alle langsamer. Des taugt ma. So viel Respekt hab i schon lang nimmer bekommen.

    Am Anfang hab i mir gedacht, des wird a gemütliche G’schicht. A bissl stehen, a bissl schauen, vielleicht a bissl winken. Aber nix da. Kaum drehst di um, hast a Schaufel in der Hand. Und der Asphalt wartet auch ned auf mi.

    I hab dann versucht, ganz professionell auszuschauen. Langsam gehen, ernst schauen, zwischendurch auf den Boden deuten – so wie die Profis halt. Einer hat mi angeschaut und g’sagt: „Du wirkst, als würdest wissen, was du tust.“ I hab nur g’nickt. Innen drin hab i mir gedacht: Hoffentlich merkt keiner, dass i eigentlich nur so tu.

    Nach a paar Minuten bist aber eh drin. Du spürst die Arbeit, hörst die Maschinen, und irgendwie passt’s dann. Und wennst am Schluss die fertige Straße anschaust, denkst dir: Des hab i jetzt auch mitgemacht. Also eines sag i dir: Straßenarbeiter sein ist nix für Faulpelze. Aber a bissl stolz gehst trotzdem heim – und a bissl dreckig sowieso

  • 209_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Winzer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s edel – heute bin i Winzer. Weil irgendwo zwischen Traube und Flasche liegt ja bekanntlich die Wahrheit… und manchmal auch ein kleiner Schwips.

    Also steh i da mitten im Weingarten, schau mir die Reben an und denk mir: „Des schaut alles ganz einfach aus.“ Ein bissl schneiden, ein bissl warten, ein bissl hoffen – und am Ende kommt a guter Tropfen raus. Zumindest in der Theorie.

    In der Praxis hab i zuerst einmal die Trauben probiert. Rein wissenschaftlich natürlich. Eine, zwei, fünf… und plötzlich war i mehr Verkoster als Winzer.

    Dann hab i die Flasche in der Hand g’habt und mir gedacht: „Da steckt Arbeit drin.“ Viel Arbeit. Und vor allem Geduld. Des is genau der Punkt, wo i als Pensionist kurz ins Grübeln komm – Geduld hab i, aber ob i so lang warten will, bis der Wein fertig is?

    Am Ende hab i beschlossen: Winzer sein is a Mischung aus Können, Gefühl und a bissl Glück. Und ganz ehrlich – solange i nur für’s Kosten zuständig bin, passt’s für mi perfekt.

    Fazit: Die Trauben wachsen im Weingarten… aber der Genuss beginnt im Glas.

  • 208_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Lehrer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst – heute bin i Lehrer, mit Hemd, Sakko und einem Blick, als wüsst i alles, zumindest hab i so getan, weil ein bissl Selbstvertrauen gehört ja dazu. Ich stell mi vor die Tafel, nehm den Stift und schreib ganz wichtig „Mathematik“, dreh mi um und seh in Gesichter, die ungefähr so schauen wie ich früher – leicht skeptisch, ob das heute was wird. „Also… y = mx + c“, sag i und nick dabei so, als wär das völlig logisch, dabei hab i innerlich schon kurz überlegt, was das nochmal genau war. Ich erklär weiter, mit viel Einsatz und noch mehr Überzeugung, red über Steigungen, Linien und irgendwas mit Achsen, und merk nach zwei Minuten: Jetzt bin i selber irgendwo falsch abgebogen. Da meldet sich einer und fragt ganz trocken: „Und was bedeutet das?“ – ich schau auf die Tafel, schau ihn an und denk mir: Gute Frage, wirklich gute Frage. Also hab i das gemacht, was jeder gute Lehrer in so einem Moment macht: einfach weitergeredet, ein bissl drum herum erklärt, ein paar Beispiele erfunden und so getan, als wär genau das der Plan gewesen. Nach zehn Minuten hab i endgültig nimmer gewusst, wo Anfang und Ende war, aber die Stimmung war gut, einer hat gelacht und gemeint: „Sie sind lustig“, und da hab i gewusst – vielleicht kein Mathematikgenie, aber zumindest kein Totalausfall. Am Ende hab i gesagt: „Wisst’s was, wichtig ist nicht die Formel, sondern dass ihr euch bemüht“, und während die gelacht haben, hab i mir gedacht: Lehrer sein ist gar nicht so leicht, aber unterhaltsam ist es auf jeden Fall.


  • 207_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Skilehrer

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s elegant. Heute bin i Skilehrer. Des schaut ja immer so locker aus – a bissl wedeln, a bissl bremsen, freundlich lächeln und nebenbei den Leuten erklären, wie’s geht. Was soll da schon schiefgehen?

    Also steh i oben am Hang, geschniegelt wie aus’m Katalog, Sonnenbrille sitzt, Ski geschniegelt, i fühl mi wie der König von Kitzbühel. Vor mir a kleine Gruppe Anfänger. I sag ganz lässig: „So, wir beginnen ganz einfach… des Wichtigste is die Haltung.“ In dem Moment rutsch i schon zwei Meter nach hinten, elegant wie a Kühlschrank auf Eis.

    Die ersten zwei Minuten waren noch halbwegs würdevoll. I erklär den Schneepflug, mach’s vor – und zack, schon lieg i. Einer aus der Gruppe fragt: „Gehört das dazu?“ I sag: „Ja klar, des is Fortgeschrittene-Technik – bewusstes Hinlegen.“

    Dann wird’s richtig spannend. Eine Dame fährt los, schaut mi panisch an und schreit: „Ich kann nicht bremsen!“ I denk mir: Super, jetzt bin i gefragt. I fahr hinterher, will helfen – und zwei Sekunden später liegen wir beide im Schnee wie zwei gestrandete Seehunde.

    Am Ende des Tages war i fix und fertig, komplett eingeschneit und meine Schüler… naja, sagen wir so: Die haben gelernt, dass man beim Skifahren auch viel lachen kann. Und i hab gelernt: Zuschauen schaut immer leichter aus, als selber machen.

    Aber eines muss i sagen: Es war a Riesengaudi. Und wenn i morgen wieder aufsteh, hab i wahrscheinlich Muskelkater an Stellen, von denen i gar ned gewusst hab, dass i sie hab.

    Fazit:
    Skilehrer sein ist leicht – solange man unten im Kaffee sitzt und zuschaut.

  • 201_Berufe mit Klezi

    Pensionist – und jetzt geht’s erst richtig los

    Heute: Polizist

    Video KI generiert

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst, heute bin i Polizist. Ordnung muss sein, hab i mir gedacht, und a bissl Autorität schadet auch ned, also stell i mi hin, Brust raus, Blick streng – zumindest hab i mir das so vorgestellt. In Wirklichkeit steh i da und denk mir: Hoffentlich fragt mi keiner was Schwieriges.

    Das erste Auto kommt, i wink’s raus, ganz souverän natürlich, der Fahrer bleibt stehen, Fenster runter und i sag ganz geschniegelt: „Grüß Gott, bitte die Papiere.“ Klingt einfacher als es ist, weil in dem Moment merk i, dass i selber gar ned genau weiß, was i jetzt alles sehen will. Führerschein, Zulassung, Pickerl – i nick einfach und tu so, als hätt i alles im Griff.

    Dann schau i mir die Sachen an, dreh sie um, schau wieder hin, der Fahrer schaut mi an, i schau zurück und denk mir: Jetzt bloß nix Falsches sagen. Also geb i ihm alles zurück, klopf locker aufs Dach und sag: „Passt, gute Weiterfahrt.“

    Beim nächsten Auto wird’s schon besser, da steh i schon sicherer da, fast schon wie ein echter Polizist, und irgendwann merk i: Es geht gar ned darum, alles perfekt zu machen. Es geht darum, dass man’s einfach macht.

    Am Ende steh i da, schau dem Verkehr nach und denk mir: Heut hab i wieder was ausprobiert. Und ganz ehrlich – schlecht war’s ned. Und heute war i Polizist.

  • 200_Berufe mit Klezi

    Pensionist – und jetzt geht’s erst richtig los

    Heute: Maler

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s kreativ, heute bin i Maler. Endlich einmal a Arbeit, wo man sofort sieht, was man gemacht hat, hab i mir gedacht, und genau da hätt i schon stutzig werden sollen, weil meistens schaut das nur am Anfang so einfach aus. Also Farbe her, Rolle in die Hand und los geht’s, und die ersten Striche schauen sogar richtig gut aus, i bin selber überrascht, wie sauber das wird, fast schon wie beim Profi. Aber dann kommt der Moment, wo die Farbe ihren eigenen Plan entwickelt, weil plötzlich tropft’s, zuerst a bissl, dann a bissl mehr, und irgendwann hab i mehr Farbe auf mir als auf der Wand. Trotzdem mach i weiter, weil aufgeben gibt’s ned, also wieder eintauchen, weiterrollen, diesmal vorsichtiger, dafür schiefer. Zwischendurch steig i zurück und denk ma: Des schaut aus wie Kunst. Am Ende steh i da, komplett eingesaut, die Wand halbwegs fertig und i muss lachen, weil genau das ist es ja: I hab was gemacht. Passt scho. Und heute war i Maler.

  • 198_Berufe mit Klezi

    Pensionist – und jetzt geht’s erst richtig los

    Heute: Büroangestellter / Manager

    Lustige Geschichte

    Heute in der Früh hab i beschlossen: Jetzt werd i Manager, ganz spontan, ohne Plan, aber mit viel Motivation, also genau die perfekte Mischung für a kleines Chaos. Kaffee gemacht, geschniegelt wie für a Vorstandssitzung und mir selber gesagt: „Klezi, heute führst du ein Unternehmen!“ Welches genau, weiß i zwar ned, aber Details san eh überbewertet. Laptop auf, E-Mails checken – 27 Stück, und i denk ma noch na geh, so viel wird’s ned sein, aber nach fünf Minuten weiß i: Doch, und zwar alle gleichzeitig, jeder will was, am besten sofort. Dann hab i mir gedacht, jetzt brauch i a Meeting, weil ohne Meeting bist ka richtiger Manager, also Einladung an mich selbst, pünktlich erschienen, trotzdem zu spät angefangen und dann intensiv diskutiert – mit mir selber. Am Ende hab i beschlossen: Wir verschieben die Entscheidung. Klingt wichtig und bringt genau gar nix. Dann wollt i strategisch arbeiten, hab „Strategie“ auf ein Blatt geschrieben und darunter „später überlegen“. Hat sich extrem professionell angefühlt. Am Nachmittag wollt i Gas geben, hab aber mehr Zeit damit verbracht, meine To-do-Liste zu sortieren, als irgendwas zu erledigen. Am Ende sitz i da und denk ma: Passt scho… oder zumindest fast. Und ganz ehrlich – i glaub, i bin ein Naturtalent.

  • 197_Berufe mit Klezi

    Pensionist – und jetzt geht’s erst richtig los

    Heute: Dachdecker

    Lustige Kurzgeschichte

    Heute hab i mir gedacht: Jetzt probier i was Ordentliches, was Handfestes, nix mit Büro, nix mit Zetteln – heute geh i aufs Dach. Dachdecker also. Klingt einfach, schaut einfach aus, und genau da fangt’s schon an, weil von unten schaut alles immer einfacher aus, als es oben dann wirklich ist. Ich steh da also oben, schau runter und denk ma: Ui, da is aber Luft nach unten. Aber gut, Rückzug gibt’s keinen mehr, also Ziegel nehmen, hinlegen, Hammer raus und los geht’s. Die ersten paar Minuten laufen sogar erstaunlich gut, i fühl mi fast wie ein Profi, so als hätt i mein ganzes Leben nix anderes gemacht, bis i merk, dass i den Ziegel genau verkehrt hingelegt hab. Macht aber nix, umdrehen, neu probieren, diesmal passt’s halbwegs, also Hammer drauf, klopf, klopf, und i denk ma: So schwer kann das ja ned sein. Bis der nächste Ziegel kommt. Und der nächste. Und plötzlich is nix mehr logisch, alles schaut gleich aus, aber irgendwie passt nix genau dort hin, wo i es haben will. Zwischendurch schau i runter zu meinem Kollegen und der arbeitet ruhig und gleichmäßig, als würd er nebenbei noch a Jause überlegen, und i oben kämpf mit einem einzigen Ziegel, als wär’s ein Rätsel aus einem Quiz. Aber i geb ned auf, weil wenn i schon Pensionist bin, dann mach i das jetzt gscheit. Also weiter, Ziegel für Ziegel, Schritt für Schritt, und langsam wird’s besser. Ned perfekt, aber brauchbar, sagen wir mal so: Regen hält’s wahrscheinlich aus. Am Ende sitz i da oben, schau über die Dächer, hab an leichten Muskelkater im ganzen Körper und denk ma: Passt scho. Und genau das is das Schöne dran. I hab jetzt Zeit, i kann Dinge ausprobieren, i darf Fehler machen und trotzdem sagen: War a guater Tag. Und ganz ehrlich – vielleicht werd i morgen kein Dachdecker mehr, aber heute war i einer. Und gar ned so schlecht.