Kategorie: KI_Geschichten

  • 237_Marienwarte Teil 3

    Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf der Marienwarte

    Nur wenige Wochen nach der feierlichen Eröffnung erhielt die Marienwarte hohen kaiserlichen Besuch. Am 22. September 1892 bestieg Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi, den Reinberg und die neue Marienwarte. Die sportliche Kaiserin liebte ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen und genoss den herrlichen Ausblick über Wels und das Alpenvorland.

    Nur wenige Monate später, am 3. Dezember 1892, besuchte auch Kaiser Franz Joseph I. gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Erzherzog Franz Salvator die Marienwarte. Der Kaiser zeigte sich vom Bauwerk und von der großartigen Aussicht beeindruckt und würdigte die Arbeit des Verschönerungsvereins.

    Beide Besuche waren für Wels eine große Ehre und machten die Marienwarte schon kurz nach ihrer Eröffnung weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Eintragungen von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph im Gästebuch der Marienwarte sind bis heute erhalten und erinnern an diese besonderen Momente der Welser Geschichte.

  • 236_Marienwarte Teil 2

    Teil 2 – Die Bauzeit der Marienwarte

    Nach der Entscheidung für den Standort am Reinberg begannen im Jahr 1891 die Bauarbeiten. Für die damalige Zeit war der Bau eines rund 20 Meter hohen Aussichtsturms eine beachtliche Leistung. Moderne Baumaschinen gab es noch nicht. Jeder Ziegelstein, jeder Holzbalken und jedes Werkzeug mussten mühsam mit Pferdefuhrwerken zur Baustelle gebracht werden.

    Steinmetze, Maurer und Zimmerleute arbeiteten Hand in Hand. Mit einfachen Hilfsmitteln, viel Erfahrung und großem handwerklichem Können wuchs die Marienwarte Woche für Woche in die Höhe. Holzgerüste umgaben den Turm, während Schubkarren, Flaschenzüge und Leitern den Arbeitsalltag bestimmten.

    Der Verschönerungsverein verfolgte den Bau mit großem Interesse. Für die Menschen in Wels entstand nicht einfach nur ein Aussichtsturm – es entstand ein neues Wahrzeichen, das den Bürgerinnen und Bürgern viele Generationen lang Freude bereiten sollte.

    Als die letzten Ziegel vermauert und die Turmspitze fertiggestellt war, war klar: Der Reinberg hatte ein neues Wahrzeichen erhalten.

  • 234_Das Klopfen aus dem Sternhochhaus 2

    4600 – Geheimnisse von Wels

    Das Klopfen aus dem Sternhochhaus – Teil 2

    Gestern endete meine Geschichte genau in dem Moment, als ich vor dem Sternhochhaus stand und nicht wusste, woher die Hilferufe kamen. Ehrlich gesagt war ich selbst neugierig geworden. Ich ging langsam um das Gebäude herum und lauschte noch einmal. Plötzlich hörte ich die Stimme wieder. Diesmal war ich mir sicher, sie kam nicht aus einer Wohnung und auch nicht aus dem Stiegenhaus. Sie kam aus einem kleinen Kellerfenster.

    „Hallo! Ist da draußen jemand?“

    Ich ging näher zum Fenster und rief zurück: „Ja, ich höre Sie! Was ist denn passiert?“

    „Ich bin im Fahrradkeller eingesperrt. Können Sie bitte jemanden holen?“

    In diesem Moment war mir klar, dass ich selbst nichts ausrichten konnte. Ich war schließlich nur zufällig vorbeigekommen und hatte natürlich keinen Schlüssel für das Haus. Also läutete ich bei der Hausmeisterin. Zum Glück war sie zu Hause. Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass sich jemand im Fahrradkeller befand und um Hilfe rief, zögerte sie keine Sekunde. Sie holte den Ersatzschlüssel und gemeinsam gingen wir zum Keller. Wenige Augenblicke später wurde die schwere Tür geöffnet und ein sichtlich erleichterter Mann trat heraus.

    Er musste selbst lachen, als er erzählte, wie es überhaupt zu diesem Missgeschick gekommen war. Er hatte sein Fahrrad in den Keller gebracht und den Schlüssel innen im Schloss stecken lassen. Als er den Keller wieder verlassen wollte, stieß er die schwere Tür aus Gewohnheit zu. Erst im selben Augenblick wurde ihm bewusst, dass der Schlüssel noch auf der Innenseite steckte. Damit war der Fahrradkeller versperrt und er selbst stand hilflos davor. Zum Glück befand sich in der Nähe ein kleines Kellerfenster, durch das er immer wieder um Hilfe rufen konnte.

    Wir lachten schließlich alle drei über die ganze Geschichte. Eigentlich war es nur ein kleines Missgeschick, doch ohne Zufall hätte ihn wahrscheinlich lange niemand gehört. Als ich mich verabschiedete und noch einmal zum Sternhochhaus hinaufsah, musste ich schmunzeln. Tausende Menschen fahren hier jeden Tag vorbei. Für die meisten ist es einfach nur ein Hochhaus. Für mich wird es aber immer der Ort bleiben, an dem ein kleines Kellerfenster zu einem ganz besonderen Geheimnis von Wels wurde.

  • 233_Das Klopfen aus dem Sternhochhaus 1

    4600 – Geheimnisse von Wels

    Das Klopfen aus dem Sternhochhaus – Teil 1

    Es gibt Orte in Wels, an denen fährt man seit Jahren vorbei, ohne ihnen besondere Beachtung zu schenken. Das Sternhochhaus ist so ein Ort. Es steht schon so lange dort, dass es für viele einfach zum Stadtbild gehört. Man sieht es von Weitem, erkennt sofort seine markante Form und fährt weiter. Ehrlich gesagt ging es mir lange Zeit genauso. An diesem Morgen war ich mit meiner Kamera unterwegs, um neue Motive für meine Serie „4600 – Geheimnisse von Wels“ zu suchen. Eigentlich hatte ich gar nichts Besonderes geplant. Ich wollte nur ein paar schöne Fotos machen. Als ich am Kreisverkehr stehen blieb und zum Hochhaus hinaufsah, fiel mir auf, wie eindrucksvoll es eigentlich wirkt. Vor dem strahlend blauen Himmel ragte es weit über die umliegenden Bäume hinaus. Ein Gebäude, das wahrscheinlich jeder Welser kennt – und über das trotzdem kaum jemand spricht. Während ich mehrere Fotos machte, fragte ich mich, wie viele Menschen wohl dort wohnen. Wie viele Geschichten sich hinter den unzähligen Fenstern abgespielt haben. Freude, Streit, Hoffnung, Enttäuschung, Geburtstage, Abschiede – ein ganzes Menschenleben, tausendfach übereinander gestapelt. Von draußen sieht man nur Beton, Balkone und Fenster. Was sich dahinter verbirgt, bleibt für die meisten ein Geheimnis. Ich blieb noch einen Moment stehen und betrachtete das Gebäude. Plötzlich glaubte ich, ein dumpfes Geräusch zu hören.

    Klopf …

    Ich schaute mich um. Ein Auto fuhr vorbei, ein Radfahrer bog um die Kurve, sonst war niemand zu sehen. Dann war das Geräusch wieder da.

    Klopf … klopf …

    Diesmal war ich mir sicher. Das kam nicht von der Straße. Es schien direkt aus der Richtung des Hochhauses zu kommen. Neugier war schon immer eine meiner größten Schwächen. Also steckte ich die Kamera ein und ging langsam auf den Eingang zu. Mit jedem Schritt wurde es ruhiger. Der Verkehr verschwand im Hintergrund, und plötzlich hörte ich zwischen den Klopfgeräuschen eine leise Stimme.

    „Hallo … ist da jemand?“

    Ich blieb stehen. Die Stimme kam eindeutig aus dem Gebäude. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich mir das alles nur einbildete. Doch dann hörte ich wieder das Klopfen. Diesmal lauter. Es schien von einem Kellerfenster zu kommen. Ich trat noch einen Schritt näher.

    Sollte ich wirklich hineingehen?

    Fortsetzung folgt …

  • 229_Berufe_mit Klezi_Postler

    Heute habe ich beschlossen, mich als Postler zu versuchen. Schließlich kann es ja nicht so schwierig sein, dachte ich mir. Ein paar Briefe einstecken, ein paar Pakete ausliefern, freundlich grüßen und am Ende des Tages wieder heimfahren. So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt.

    Schon nach wenigen Minuten musste ich feststellen, dass meine Theorie mit der Realität ungefähr so viel gemeinsam hatte wie ein Papierflieger mit einem Jumbojet. Vor mir lag ein großer Stapel Briefe, dazu Pakete in allen Größen und Formen. Manche Häuser hatten die Hausnummer direkt am Eingang, andere hatten sie irgendwo hinter einem Blumentopf versteckt. Wieder andere schienen die Hausnummer überhaupt nur aus Tradition zu besitzen.

    Mit meinem Fahrrad machte ich mich auf den Weg. Anfangs lief alles wunderbar. Die ersten Briefe fanden ihren Platz im Postkasten und ich fühlte mich bereits wie ein erfahrener Zusteller. Doch dann begann das Chaos. Ein Brief wollte zur Nummer 14, die Nummer 14 lag aber zwischen der Nummer 8 und der Nummer 27. Zumindest kam es mir so vor. Während ich noch rätselte, ob ich mich verlaufen hatte oder die Straße einfach ihren eigenen Sinn für Humor besaß, beobachtete mich ein kleiner Hund neugierig von einem Gartenzaun aus.

    Wenig später stand ich vor einem Paket, das ungefähr die Größe eines Kühlschranks hatte. Ich fragte mich ernsthaft, was die Leute heutzutage alles bestellen. Vielleicht war es ein Kühlschrank. Vielleicht aber auch nur ein besonders großer Toaster. Man weiß ja nie.

    Trotz aller Hindernisse arbeitete ich mich von Haus zu Haus vor. Die Menschen waren freundlich, manche freuten sich über ihre Pakete sogar mehr als über Besuch. Besonders eine ältere Dame strahlte übers ganze Gesicht, als ich ihr ein Päckchen überreichte. In diesem Moment verstand ich, warum dieser Beruf so wichtig ist. Der Postler bringt nicht nur Briefe und Pakete, sondern oft auch ein kleines Stück Freude.

    Am Ende des Tages war ich zwar müde, aber auch ein wenig stolz. Alle Briefe waren zugestellt, alle Pakete angekommen und ich hatte großen Respekt vor den Menschen gewonnen, die diesen Beruf täglich ausüben.

    Als ich mein Fahrrad abstellte, sagte ich zu mir selbst: „Klezi, du bist vielleicht kein richtiger Postler geworden, aber für einen Tag hast du dich gar nicht so schlecht geschlagen.“

    Und falls morgen irgendwo ein Brief verspätet ankommt, dann hoffe ich, dass ich nicht daran schuld bin. Man weiß ja nie. Vielleicht sucht die Hausnummer 14 noch immer ihren Platz zwischen der 8 und der 27.

    Mehr lustige Geschichten und viele weitere Berufe findest du auf www.klezi.com – die herrlichste Art der Zeitverwendung.

  • 228_Berufe mit Klezi, Baggerfahrer

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los

    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach

    Als Kind war ich immer fasziniert von Baggern. Während andere auf schnelle Autos schauten, blieb ich stehen, wenn irgendwo eine Baustelle war. Da konnte ich stundenlang zusehen, wie ein Baggerfahrer mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit ganze Erdhaufen versetzte.

    Heute bin ich Pensionist und habe endlich Zeit für Dinge, die früher oft zu kurz kamen. Und manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, selbst einmal in so einer großen Baumaschine zu sitzen.Frühmorgens rolle ich mit meinem gelben Bagger auf die Baustelle. Die Arbeiter nicken respektvoll. Schließlich bin ich nicht irgendein Baggerfahrer – ich bin Pensionisten-Baggerfahrer. Da wird nichts überstürzt. Erst einmal ein Kaffee, dann eine kleine Lagebesprechung und anschließend wird mit höchster Präzision gearbeitet.Langsam hebt sich die Schaufel. Zentimeter für Zentimeter. Die jungen Kollegen wundern sich über das gemütliche Tempo. Doch am Abend stellen sie fest: Der Graben ist fertig, kein Rohr beschädigt und kein Stein am falschen Platz. Erfahrung schlägt Geschwindigkeit.

    Und wenn mich jemand fragt, warum ich mit fast siebzig noch Bagger fahre, dann antworte ich ganz einfach:

    „Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach.“

  • 227_Das Fahrrad mit 16 eckigen Rädern

    Klezi und das Fahrrad mit 16 eckigen Rädern

    Klezi war schon immer ein Mensch gewesen, der die Dinge etwas anders sah als alle anderen. Während sich die meisten Leute darüber freuten, wenn etwas einfach, praktisch und bequem funktionierte, fragte sich Klezi meistens, ob man es nicht noch komplizierter machen könnte. So saß er eines Morgens vor seiner Werkstatt und betrachtete sein altes Fahrrad. Es hatte zwei ganz gewöhnliche runde Räder und fuhr seit Jahren ohne Probleme. Genau das störte ihn. „Jeder fährt mit runden Rädern herum“, murmelte er vor sich hin. „Wo bleibt da die Kreativität?“

    Je länger er darüber nachdachte, desto mehr ließ ihn die Idee nicht mehr los. Noch am selben Tag verschwand er in seiner Werkstatt. Es wurde gesägt, gehämmert, geschraubt und geflucht. Die Nachbarn hörten seltsame Geräusche, wagten sich aber nicht näher heran, denn sie wussten aus Erfahrung, dass bei Klezi meist etwas Ungewöhnliches entstand. Nach mehreren Tagen harter Arbeit öffnete sich schließlich das Werkstatttor. Stolz schob Klezi sein neuestes Meisterwerk ins Freie: ein Fahrrad mit sechzehn eckigen Rädern.

    Die Nachbarn versammelten sich sofort. Frau Huber hielt sich erschrocken die Hände vor das Gesicht, während Herr Meier sein Fernglas holte, um das Wunderwerk genauer betrachten zu können. „Das kann doch niemals funktionieren!“, rief jemand aus der Menge. Klezi grinste nur, setzte sich auf den Sattel und legte die Hände an den Lenker. „Natürlich funktioniert es. Fast rund ist schließlich auch rund.“

    Dann trat er in die Pedale. Das Fahrrad setzte sich tatsächlich in Bewegung. Allerdings nicht ganz so elegant wie die gewohnten Fahrräder. Es rumpelte, holperte und klapperte über das Pflaster, als würde eine Waschmaschine voller Ziegelsteine die Straße entlangfahren. Bei jeder Umdrehung hüpfte Klezi ein wenig aus dem Sattel, doch sein Grinsen wurde immer breiter. Die Kinder liefen begeistert hinter ihm her, während die Erwachsenen zwischen Lachen und Staunen nicht mehr wussten, was sie von der Erfindung halten sollten.

    Nach einer Runde durch den Ort kam Klezi wieder zurück. Seine Haare standen in alle Richtungen, seine Jacke war verrutscht und seine Zähne klapperten noch ein wenig nach. „Und? Wie fährt es sich?“, fragte Frau Huber neugierig. Klezi stieg ab, streckte sich kurz und antwortete: „Hervorragend! Andere bezahlen viel Geld für eine Rückenmassage. Bei meinem Fahrrad bekommt man sie kostenlos dazu.“

    Die Zuschauer lachten, und selbst die größten Zweifler mussten zugeben, dass die Erfindung zumindest unterhaltsam war. „Wirst du jetzt wieder normale Räder montieren?“, fragte Herr Meier. Klezi schüttelte entschieden den Kopf. „Natürlich nicht. Das war erst der Anfang. Ich arbeite bereits am Nachfolgemodell.“

    „Und was ist daran besonders?“

    Klezi zwinkerte verschwörerisch. „Die neuen Räder bekommen vierundsechzig Ecken. Fortschritt muss schließlich sein.“

    Seit diesem Tag weiß jeder im Ort, dass ein lautes Rumpeln auf der Straße nichts Gefährliches bedeutet. Es ist nur Klezi, der wieder einmal mit einer seiner Erfindungen unterwegs ist. Und auch wenn niemand so genau weiß, ob seine Ideen genial oder verrückt sind, sind sich doch alle einig: Mit Klezi wird es niemals langweilig.

  • 220_Countdown

    Warum ich 104 Jahre alt werden will

    Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und plötzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. Ich wollte einfach in meinem Leben insgesamt 25 Bücher schreiben. Und dafür brauchte ich Zeit. Viel Zeit. Also sagte ich irgendwann halb scherzhaft zu mir selbst: „Klezi, du musst mindestens 104 werden, sonst bringst du deine Projekte niemals unter einen Hut.“ Erst Jahre später, als ich Herrn Gutmann kennenlernte, verstand ich plötzlich, warum es ausgerechnet diese Zahl geworden war.

    Vor ungefähr zehn Jahren verbrachte ich öfter Zeit in einem Altenheim. Wir spielten Karten, redeten, lachten oder saßen einfach zusammen. Und eines Tages setzte sich ein älterer Herr zu unserer Runde. Ein schmaler Mann mit freundlichen Augen und diesem besonderen Blick, den nur Menschen haben, die viel erlebt haben. Nennen wir ihn einfach Herrn Gutmann.

    Er war früher Lokführer. Einer von diesen alten Eisenbahnern, die Geschichten erzählen konnten, bei denen man plötzlich selber das Pfeifen einer Dampflok hörte. Obwohl er schon weit über neunzig war, hatte er etwas Jugendliches an sich. Nicht äußerlich. Sondern im Kopf. Einmal zeigte jemand auf sein Handy und sagte scherzhaft: „Na Herr Gutmann, rechnen S’ des einmal im Kopf aus.“ Während wir anderen noch auf die Taschenrechner starrten, hatte er das Ergebnis längst gesagt. Und zwar richtig. Immer richtig. Schneller als wir alle zusammen. So entstand langsam eine Freundschaft. Jedes Mal wenn ich ins Heim kam, war Herr Gutmann irgendwo dabei und hatte irgendeinen Schmäh auf Lager.

    Einmal fragte ich ihn: „Herr Gutmann, was machen S’ eigentlich, dass S’ so alt werden? Jeden Tag ein Glas Rotwein?“ Er grinste nur und sagte: „Nein. Jeden Abend ein Glas Bier vorm Fernseher. Außer es sitzt eine schöne Frau neben mir… dann wird’s halt manchmal a zweites.“ So war er. Mit fast hundert Jahren noch voller Humor. Und dann passierte dieser kleine Auffahrunfall direkt beim Altenheim. Er war mit dem Auto leicht gegen einen Betonbegrenzungsstein gefahren. Nichts passiert. Wirklich gar nichts. Danach gab er freiwillig seinen Führerschein ab. Die Leute sagten sofort: „Des is gscheid. In dem Alter sollt ma eh nimma fahren.“ Herr Gutmann schaute sie an und sagte trocken: „Autofahren könnt i eh noch. Aber i hab ma beim Unfall den Ellbogen verstaucht. Jetzt kann i nimma Ziehharmonika spielen.“

    Ich glaube, genau in diesem Moment wurde er endgültig mein Idol. Dieser Mann jammerte nie über sein Alter. Er lebte einfach weiter. Mit Humor. Mit Interesse. Mit Neugier. Einmal kam er ganz ernst zu mir und sagte: „Klezi… i brauch a Freundin.“ Ich musste lachen. „Herr Gutmann, mit fast hundert?“ Er nickte nur. „Freilich. Aber i hab a Problem.“ „Welches denn?“ Dann sagte er einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe: „Die Damen mit siebzig oder achtzig wollen mi net. Die sagen alle: ‚Du lebst eh nimma lang.‘“ Und dann grinste er wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ausgerechnet er oft derjenige war, der die manchmal verwirrten Bewohner wieder in ihre richtigen Zimmer brachte.

    Genau dieser Humor, diese Leichtigkeit und diese Art, das Leben trotz allem nicht aufzugeben, war etwas Besonderes. Später hörte ich vom Tod meines alten Freundes. 104 Jahre alt wurde er. Und genau in diesem Moment verstand ich plötzlich meine eigene verrückte Zahl. Seit damals denke ich manchmal: Vielleicht geht es gar nicht darum, möglichst alt zu werden. Vielleicht geht es darum, neugierig zu bleiben, zu lachen, Geschichten zu erzählen, Menschen Freude zu machen und sich niemals ganz alt zu fühlen. Darum möchte ich 104 werden. Nicht wegen der Zahl. Sondern wegen dem Leben dazwischen.

  • 219_Berufe mit Klezi

    Heute Bodenleger

    Früher hat man gesagt: „Der Boden muss halten.“
    Heute schaut man zuerst, ob er zur Wandfarbe vom Instagram-Kaffeehäferl passt.

    Ich hab heute jedenfalls den Beruf vom Bodenleger ausprobiert. Und ich sag’s euch ehrlich: Das schaut leichter aus, als es ist. Ein Brett zu kurz, eines zu lang, und plötzlich liegt das Wohnzimmer schiefer als die politische Diskussion beim Frühschoppen.

    Aber irgendwie hat das was Beruhigendes. Brett für Brett entsteht etwas Neues. Und wenn man am Ende zurückschaut und alles sauber liegt, dann denkt man sich schon ein bissl stolz: „Jo… des hab ich gemacht.“

    Nur beim Aufstehen vom Boden merkt man dann plötzlich:
    Der Rücken ist nicht mehr Baujahr 1985… sondern eher Denkmalamt.

    Mehr davon auf: www.klezi.com – die herrlichste Art der Zeitverwendung

    #Bodenleger #BerufeMitKlezi #klezicom

  • 217_Berufe mit Klezi

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
    Heute: Kranfahrer

    Lustige Geschichte
    Früher bin ich am Boden gestanden und hab raufgeschaut, heute sitz ich oben und schau runter, und ich sag dir eines, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, weil da oben ist plötzlich alles ruhiger, die Leute werden kleiner, die Probleme auch ein bissl, und selbst der Verkehr schaut aus wie ein Spielzeug. Ich hab mir gedacht, als Pensionist probierst einmal was Neues, und was liegt näher, als gleich ganz nach oben zu gehen, im wahrsten Sinne des Wortes, also hab ich mich in so einen Kran gesetzt, hab den Hebel in die Hand genommen und mir gedacht, jetzt bewegst nicht nur dein Leben, sondern gleich ein paar Tonnen Beton dazu. Anfangs hab ich geglaubt, das wird nix, weil die Höhe ist nicht ohne, aber nach fünf Minuten sitzt du da wie auf deinem Lieblingssessel, nur dass der halt ein bissl höher steht und besser Aussicht hat. Und wenn dann unten einer winkt, winkst zurück und denkst dir, schau, jetzt bin ich der, zu dem die Leute aufschauen, und das hat schon was, vor allem wenn du weißt, dass du jederzeit wieder runter kannst, aber eigentlich gar nicht willst, weil da oben hast du endlich deine Ruhe.