
Ich saß gemütlich in meinem Zimmer und sortierte mein Kleingeld. Das mache ich immer so: Münzen sammeln, bis ordentlich etwas zusammenkommt, und irgendwann bringe ich alles zur Bank. Das Fenster war offen, ich dachte mir nichts dabei, bis plötzlich ein vermummter Mann vor mir stand. „Gib sofort das Geld her!“ Ich schaute ihn an und sagte: „Geh bitte, nicht das Kleingeld. Das sammle ich schon ewig. Das sind vielleicht 70 Euro. Ich geb dir dafür meine Geldscheine.“ Damit war er einverstanden. Ich öffnete meine Geldtasche, doch kaum sah er hinein, meinte er: „He, da ist ja viel mehr drin. Her damit!“ Also gab ich ihm die ganzen 270 Euro. Dann fragte er: „Was hast denn sonst noch Wertvolles?“ Ich überlegte kurz. „Na ja, da wäre noch eine Whiskyflasche. Die ist ungefähr 1.000 Euro wert.“ – „Her damit!“ Ich gab ihm die Flasche. „Sonst noch was?“ – „Eine Münzensammlung hätte ich noch. Vielleicht 1.500 Euro wert.“ Seine Augen wurden immer größer. „Her damit!“ Also bekam er auch die Münzensammlung. Schließlich fragte ich: „Hast jetzt alles?“ Er nickte zufrieden. „Magst vielleicht noch eine Wurstsemmel für unterwegs?“ Er schaute mich etwas verdutzt an. „Hast eine?“ – „Sicher.“ Also bekam er auch noch eine Wurstsemmel. Beim Gehen drehte er sich noch einmal um und sagte: „Danke! Du bist echt ein lässiger Mann.“ – „Ja, kein Problem. Pfiat di.“ Was er allerdings nicht wusste: Wie die meisten meiner Freunde wissen, habe ich Überwachungskameras. Als ich gesehen hatte, dass sich da ein vermummter Besucher näherte, hatte ich längst die Polizei verständigt. Weit kam mein neuer Freund deshalb nicht. Keine hundert Meter später wurde er von der Polizei abgeholt – samt Bargeld, Whisky, Münzensammlung und vermutlich auch meiner Wurstsemmel. Meine Sachen bekam ich wieder zurück. Nur bei der Wurstsemmel weiß ich bis heute nicht, was aus ihr geworden ist.
Schreibe einen Kommentar