155_Montagmorgen

Der Montag kam wie ein schlecht gelaunter Postbote. Er klopfte nicht höflich, er hämmerte. Dabei war es noch finster draußen, und der Wecker grinste mich an, als hätte er persönlich etwas gegen mich. Ich blinzelte zur Decke und fragte mich ernsthaft, wer eigentlich beschlossen hat, dass eine Woche ausgerechnet mit einem Montag beginnen muss. Warum nicht mit einem Freitag? Das wäre doch viel motivierender.

In der Küche roch der Kaffee nach Hoffnung. Er war der einzige im Raum, der an diesem Morgen wirklich gute Laune hatte. Ich stand am Fenster und sah die Straße langsam erwachen. Autos rollten vorbei, Menschen stapften mit ernsten Gesichtern Richtung Arbeit, als würden sie gemeinsam in ein geheimes Montags-Training marschieren: „Wie überlebe ich die nächsten fünf Tage?“

Und doch hatte dieser Montag etwas Eigenartiges. Er war nicht nur Pflicht. Er war auch Versprechen. Ein leeres Blatt, ein Anfang, eine kleine, unscheinbare Tür, die man aufstoßen konnte. Vielleicht würde heute etwas Unerwartetes passieren. Vielleicht ein gutes Gespräch. Vielleicht ein Lächeln an der Supermarktkasse. Vielleicht sogar ein Gedanke, der bleibt.

Auf dem Weg zur Arbeit merkte ich, wie die Sonne sich langsam durch die Wolken schob. Sie tat das ganz unaufgeregt, ohne großes Drama. Und plötzlich war mir klar: Der Montag ist kein Feind. Er ist ein Startschuss. Ein leises „Los geht’s“, das man auch überhören kann – oder eben nicht.

Am Ende des Tages saß ich wieder zuhause, die Schuhe halb ausgezogen, und dachte: So schlimm war er gar nicht, dieser Wochenbeginn. Er hatte nur so getan, als wäre er streng. In Wirklichkeit wollte er nur, dass ich beginne.

Und vielleicht ist das das Geheimnis des Montags: Er fordert uns heraus, nicht perfekt zu sein, sondern einfach anzufangen.

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