256_Boxer

Heute bin i Boxer

Heute hab i mir gedacht: Boxen schaut eigentlich ganz einfach aus. Zwei Handschuhe anziehen, a bissl herumhüpfen und den Gegner treffen. So schwer kann des doch ned sein.Kaum hatte i die Boxhandschuhe an, hab i allerdings gemerkt, dass die Dinger schwerer sind, als sie ausschauen. Allein die Hände oben zu halten war schon fast ein Training für sich.

Der Trainer grinste und sagte: „Klezi, beim Boxen gewinnt ned der Stärkste, sondern der Gscheiteste.“Na gut, denken kann i ja. Die ersten Übungen waren harmlos. Locker bewegen, Deckung oben lassen und ein paar Schläge gegen den Sandsack. Der Sandsack hat sich tapfer gewehrt – zumindest hat er sich keinen Millimeter bewegt. Dafür hab i nach jedem Schlag gmerkt, dass da Muskeln arbeiten, von denen i gar ned gewusst hab, dass i sie überhaupt hab.

Dann kam der Trainingspartner.

I hab mi vorsichtig hingestellt und versucht, möglichst professionell auszuschauen. Wahrscheinlich hab i eher wie einer ausgeschaut, der den Bus verpasst hat. Der erste Schlag ging komplett daneben. Der zweite auch.

Beim dritten hab i mich selber fast aus dem Gleichgewicht gebracht. Mein Trainingspartner musste lachen, und i gleich mit. Nach ein paar Minuten wurde es aber besser. I begann, seine Bewegungen zu lesen. Ein Schritt nach links, Deckung hoch, kleiner Haken – und tatsächlich traf i zum ersten Mal sauber den Boxhandschuh meines Gegners. „Na schau“, sagte der Trainer, „jetzt wird’s langsam.“ Des hat natürlich motiviert. Beim nächsten Angriff wich i elegant aus und setzte einen schönen rechten Schlag. Mein Gegner machte einen Schritt zurück und hob lachend beide Hände.

„Punkt für Klezi!“

I hob ebenfalls die Handschuhe in die Höhe und grinste übers ganze Gesicht. Natürlich war i danach komplett außer Atem. Wer glaubt, Boxen besteht nur aus Zuschlagen, der hat noch nie drei Minuten im Ring gestanden. Da läuft der Schweiß schneller als auf einem Berggipfel im Hochsommer. Aber genau des hat mir gefallen. Es geht um Konzentration, Schnelligkeit, Respekt und Fairness. Nach dem Training gaben wir uns die Hand und bedankten uns gegenseitig. Da hab i wieder gemerkt: Beim Sport geht’s ned ums Gewinnen oder Verlieren. Es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben und immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Und genau deshalb freu i mi schon auf die nächste Herausforderung. Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Boxer.


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