Kategorie: Klezidie Marke

  • 244_Heute bin i Fußballer

    Heute hab i mir gedacht: Fußball kann ja wirklich ned so schwer sein. Im Fernsehen schaut des immer so einfach aus. Die rennen a bissl herum, schießen den Ball ins Tor und nachher jubeln alle. Also hab i beschlossen: Des probier i heute selber.

    Mit nagelneuen Fußballschuhen bin i auf den Platz marschiert. I hab mi gfühlt wie ein echter Profi. Zumindest bis i den ersten Ball berührt hab. Der Ball is nämlich genau dorthin gerollt, wo i ned hin wollte. I hinterher, der Ball wieder weg, und die anderen haben sich das Grinsen kaum verkneifen können.

    Der Trainer hat dann freundlich gemeint: „Klezi, zuerst ein paar Pässe üben.“ Gesagt, getan. Der erste Pass landete beim Gegner. Der zweite im Seitenaus. Beim dritten hab i immerhin den eigenen Mitspieler getroffen. Langsam is es besser geworden.

    Dann durfte i aufs Tor schießen. I hab ausgeholt wie ein Weltmeister – und den Ball komplett verfehlt. Da hab sogar i selber lachen müssen. Beim zweiten Versuch hab i den Ball zwar getroffen, dafür is er ungefähr zehn Meter übers Tor geflogen. Wenn dort oben zufällig ein Vogel unterwegs gewesen wär, hätt er wahrscheinlich an Schreck fürs Leben bekommen.

    Aber aufgeben? Sicher ned!

    Mit jedem Versuch is das Gefühl besser geworden. Plötzlich hab i gemerkt, wie der Ball richtig am Fuß klebt. I hab einen Gegenspieler umdribbelt, dann noch einen. Vor mir stand nur mehr der Tormann.

    In meinem Kopf hörte i schon die Stadionmusik. Zehntausende Zuschauer rufen meinen Namen. Wahrscheinlich waren’s in Wirklichkeit nur ein paar Leute am Sportplatz, aber in meiner Fantasie war das Champions-League-Finale.

    I hol aus.

    Volltreffer!

    Der Ball zischt Richtung Kreuzeck. Der Tormann springt wie ein Flieger durch die Luft, streckt sich bis in die Fingerspitzen – aber er kommt einen Tick zu spät.

    TOOOOR!

    I reiß beide Arme in die Höhe und lauf quer über den Platz, als hätt i gerade Österreich zum Weltmeister gemacht. Meine Mitspieler lachen, klatschen mi ab und einer meint: „Na schau, Klezi – da steckt ja doch a Fußballer in dir!“

    Natürlich war des ned der Anfang einer großen Fußballkarriere. Kurz danach hab i wieder an Ball ins Aus geschossen und einmal bin i sogar über meine eigenen Füße gestolpert. Aber genau des macht den Spaß aus. Niemand erwartet Perfektion. Es geht ums Mitmachen, ums Lachen und darum, einfach Freude an der Bewegung zu haben.

    Als i später vom Platz gegangen bin, war i zwar ziemlich verschwitzt, aber auch richtig zufrieden. Wieder hab i etwas ausprobiert, was i vorher noch nie gemacht hab. Und genau des gefällt mir an meiner Pension so gut. Endlich hab i Zeit, Dinge zu erleben, über mich selber zu lachen und jeden Tag etwas Neues kennenzulernen.

    Vielleicht werd i nie Nationalspieler. Wahrscheinlich wird mich auch kein großer Verein verpflichten.

    Aber eines kann i mit Sicherheit sagen:

    Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Fußballer.