• 255_Adlwang_Kugelstein

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Kugelstein Adlwang
    Untertitel: Der rätselhafte Kugelstein von Adlwang
    Ort: 4541 Adlwang
    Aufnahmedatum: 03.12.2013

    Ortsbeschreibung

    Die Gemeinde Adlwang liegt zwischen Bad Hall und Nußbach und zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten Oberösterreichs. Natur, Geschichte und Spiritualität bilden hier eine ganz besondere Einheit.

    Die Geschichte

    Manche Orte ziehen einen magisch an. Der Kraftort Adlwang war für mich genau so ein Platz. Während meiner Zeit als Nachtportier im Kurhotel Vitana in Bad Hall suchte ich immer wieder nach interessanten Ausflugszielen für unsere Kurgäste. So führte mich mein Weg nach Adlwang, wo ich den geheimnisvollen Kugelstein entdeckte. Der Sage nach steckten Frauen ihre Hand durch das Loch im sogenannten Kultstein, um für eine gute Geburt und ein gesundes Kind zu bitten. Bis heute kann niemand mit Sicherheit erklären, wie dieser gewaltige Stein an seinen Platz gelangte. Gerade solche Geschichten faszinieren mich, denn sie verbinden Natur, Geschichte und alte Überlieferungen. Das Foto entstand am 3. Dezember 2013 und erinnert mich bis heute an einen Ort voller Ruhe und Geheimnisse.

    Klezi-Gedanke

    Nicht jedes Rätsel muss gelöst werden – manche machen einen Ort erst wirklich besonders

  • 254_GdmLs_Tierarzt

    GdmLs = Geschichten die mein Lben schrieb

    Während meiner Zeit als Spengler passierte mir einmal ein Arbeitsunfall, den ich bis heute nicht vergessen habe. Wir arbeiteten gerade auf dem Dach eines Hauses. Ich schleppte eine schwere Kupferblechrolle nach oben, die ich auf einem Kamin abstellen wollte. Doch plötzlich rutschte mir die Rolle aus den Händen. Die rasiermesserscharfe Blechkante erwischte meine rechte Hand und schnitt tief hinein. Als ich auf die Verletzung blickte, wurde mir ganz anders. Die Wunde war so groß, dass sogar der Knochen zu sehen war. Ohne lange nachzudenken, zog ich mein Leibchen aus, presste es auf die Hand und versuchte verzweifelt, die Blutung zu stoppen.

    Mein Chef kam herbeigeeilt, sah sich das Ganze kurz an und sagte völlig gelassen: „Da unten links bei dem braunen Haus ist ein Arzt. Geh schnell hinunter.“ Also machte ich mich mit meiner blutenden Hand auf den Weg. Endlich angekommen, entdeckte ich draußen ein Schild mit der Aufschrift „Ordination“. Erleichtert öffnete ich die Eingangstür, ging durch die nächste Tür – und blieb wie angewurzelt stehen. Überall bellten Hunde, Katzen miauten aus ihren Transportboxen und ein Papagei krächzte lautstark. Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass mich mein Chef nicht zu einem Arzt, sondern zu einem Tierarzt geschickt hatte.

    Mit meiner blutenden Hand drehte ich mich wortlos um und verließ die Praxis wieder. Direkt gegenüber wohnte zum Glück eine Bekannte. Sie brachte mich sofort ins Krankenhaus, wo die Wunde genäht und ordentlich versorgt wurde. Einige Stunden später stand ich mit dickem Verband wieder auf der Baustelle und fragte meinen Chef, ob er eigentlich verrückt sei, mich mit einer solchen Verletzung zum Tierarzt zu schicken.

    Er grinste nur und sagte völlig trocken: „Warum nicht? Der Tierarzt hätte das wahrscheinlich genauso gut genäht. Der behandelt schließlich größere Viecher als dich.“ Damals fand ich den Spruch überhaupt nicht lustig. Heute muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn ich daran denke. Schmerzen vergehen – aber solche Geschichten bleiben für immer.

  • 253_Schifahrer

    Heute bin i Skifahrer

    Heute hab i mir gedacht: Skifahren kann i doch sicher noch. So schwer wird des nach all den Jahren wohl ned sein. Zwei Ski anschnallen, den Berg runterfahren und unten gemütlich einkehren. Klingt eigentlich nach einem perfekten Tag.

    Schon beim Anziehen der Skischuhe hab i allerdings gemerkt, dass die Dinger härter sind als manche Bürostühle. Bis i endlich drinnen war, hab i mich gfühlt, als hätt i schon den ersten Gipfel erklommen.

    Mit der Gondel ging’s hinauf. Oben war die Aussicht traumhaft. Tiefblauer Himmel, glitzernder Schnee und perfekte Pisten. I hab tief durchgeatmet und mir gedacht: Jetzt gibt’s kein Zurück mehr.

    Die ersten Meter waren… vorsichtig. Sehr vorsichtig. Eher gemütliches Rutschen als Skifahren. I hab jeden Schwung doppelt überlegt und dabei wahrscheinlich mehr gebremst als gefahren.

    Nach ein paar Kurven wurde i mutiger. Plötzlich lief’s richtig gut. Die Ski hörten auf das, was i wollte, und i begann, schöne Carving-Schwünge in den Schnee zu ziehen. Der frische Pulverschnee spritzte links und rechts weg.

    Dann kam eine kleine Bodenwelle.

    I hob kurz ab.

    Zum Glück nur ein paar Zentimeter.

    Für einen Augenblick hab i mi gefühlt wie ein Skispringer. Bei der Landung hab i zwar ordentlich geschnauft, aber i bin stehen geblieben. Und genau des war für mi schon ein kleiner Sieg.

    Je länger i unterwegs war, desto mehr Spaß machte es. I fuhr an Familien vorbei, grüßte freundlich und musste schmunzeln, als ein kleiner Bub zu seinem Papa sagte: „Schau, der Opa fährt aber schnell!“

    Opa?

    Na gut… wenigstens hat er ned gesagt langsam.

    Kurz vor dem Ziel nahm i noch einmal richtig Schwung. I legte zwei schöne Kurven in den Schnee und bremste direkt vor der Hütte mit einer riesigen Schneewolke ab.

    Der Schnee flog in alle Richtungen.

    Die Leute auf der Terrasse klatschten und einer rief lachend: „Des war a Punktlandung!“

    I hob beide Skistöcke in die Höhe und grinste übers ganze Gesicht.

    Beim wohlverdienten Kaiserschmarrn dachte i mir dann, dass Skifahren viel mehr ist als nur den Berg hinunterzufahren. Es ist Freiheit, frische Luft und das herrliche Gefühl, wieder einmal etwas Neues oder vielleicht auch Altes neu erlebt zu haben.

    Natürlich werd i nie ein Weltcupfahrer werden.

    Aber des muss i auch gar ned.

    Denn wichtig ist nur, dass ma Spaß dabei hat.

    Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Skifahrer.

  • 252_Fotogeschcihte_ Burghausen

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Burghausen
    Untertitel: Auf Motivjagd in der längsten Burg der Welt
    Ort: Burghausen, Bayern
    Aufnahmedatum: 05.08.2012

    Ortsbeschreibung

    Burghausen liegt an der Salzach in Bayern und ist vor allem für die längste Burganlage der Welt bekannt. Die mächtige Festung zieht jedes Jahr unzählige Besucher an. 2012 war Burghausen einer der Austragungsorte der Oberösterreichischen Landesausstellung zum Thema der gemeinsamen Geschichte Oberösterreichs und Bayerns.

    Die Geschichte

    Zur Landesausstellung 2012 führte mich mein Weg erstmals nach Burghausen. Schon beim Betreten der Burg war ich von ihrer Größe beeindruckt. Seither bin ich noch viele Male hierher zurückgekehrt, denn diese Burg hat für mich etwas Besonderes. Der stolze Klezi-Ritter muss schließlich jeden Winkel erkunden. Beim Rundgang entdeckte ich die aufgeschichteten steinernen Kanonenkugeln. Sie dienten früher als Munition für Belagerungsgeschütze und sind heute eines der beliebtesten Fotomotive der Burg. Mich faszinierte nicht nur ihre Geschichte, sondern auch die perfekte Anordnung der Kugeln. Auf Burgen und Ruinen fühle ich mich fast wie zuhause – vielleicht wäre ich tatsächlich ein guter Ritter geworden.

    Klezi-Gedanke

    Alte Mauern erzählen Geschichten – man muss ihnen nur zuhören.

  • 251_GdmLs_ Ford Taunus

    Geschichten die mein Leben schrieb

    Der 500-Schilling-Taunus

    Mit achtzehn Jahren gibt es eigentlich nur zwei Dinge, die wirklich wichtig sind: den Führerschein und das erste Auto. Beides hatte ich damals endlich in der Tasche. Mein Schwager verkaufte mir seinen alten Ford Taunus – um unglaubliche 500 Schilling. Das sind heute gerade einmal rund 34 Euro. Viel mehr war das Auto wahrscheinlich auch nicht mehr wert, aber für mich war es der schönste Wagen der Welt.

    Unter uns Jugendlichen gab es damals ein ungeschriebenes Gesetz: Wer sein erstes Auto hatte, musste damit nach Salzburg auf einen Kaffee fahren. Warum ausgerechnet Salzburg? Das wusste eigentlich niemand so genau. Man machte es einfach.

    Also tankte ich den Taunus, stieg voller Stolz ein und düste los. Schon nach den ersten Kilometern war klar, dass mein neuer fahrbarer Untersatz seine besten Jahre längst hinter sich hatte. Das Auto rüttelte und schüttelte sich bei jeder Bodenwelle, irgendwo klapperte ständig etwas, der Auspuff röhrte wie ein startender Traktor und aus dem Rückspiegel konnte ich beobachten, wie hinter mir gelegentlich kleine Rauchwolken aufzogen.

    Während der gesamten Fahrt sprach ich innerlich immer wieder dasselbe Stoßgebet: „Bitte lieber Gott, halte nur bis Salzburg durch … und wieder heim.“

    Erstaunlicherweise schaffte der alte Taunus die Hinfahrt tatsächlich. In Salzburg angekommen, gönnte ich mir ganz stolz meinen Kaffee. Wahrscheinlich dauerte der Kaffee länger als die Pause, die das Auto zur Erholung gebraucht hätte.

    Dann ging es wieder Richtung Wels. Kilometer für Kilometer kämpfte sich der Taunus tapfer nach Hause. Kurz vor Wels wurde das Rütteln allerdings immer heftiger. Der Motor begann zu stottern, der Auspuff qualmte wie ein altes Dampfschiff und ich wusste: Jetzt ist es so weit.

    Mit letzter Kraft brachte mich mein treuer Begleiter noch bis nach Hause. Ich stellte ihn zufrieden vor dem Haus ab und bedankte mich innerlich dafür, dass wir es gemeinsam geschafft hatten.

    Am nächsten Morgen wollte ich natürlich gleich wieder losfahren. Voller Zuversicht drehte ich den Zündschlüssel.

    Nichts.

    Noch einmal.

    Nichts.

    Ein drittes Mal.

    Wieder nichts.

    Der alte Ford Taunus hatte offenbar beschlossen: „Meine Aufgabe ist erfüllt. Der Bub war in Salzburg auf seinen Kaffee – jetzt darf ich in Pension gehen.“

    So endete die Geschichte meines ersten Autos. Ehrlich gesagt glaube ich bis heute, dass der Taunus nur noch ein einziges Ziel im Leben hatte: mich nach Salzburg und wieder nach Hause zu bringen. Danach verabschiedete er sich mit Würde. Und wenn ich heute daran denke, muss ich lachen. Für 500 Schilling bekam ich nicht nur ein Auto, sondern auch eine Geschichte, die ich mein Leben lang erzählen werde

  • 250_Heute bin i Golfspieler

    Heute hab i mir gedacht: Golf muss eigentlich der gemütlichste Sport der Welt sein. A bissl spazieren gehen, hin und wieder den Ball schlagen und dabei geschniegelt ausschauen. Was soll da schon schwierig sein?

    Also hab i mir einen Golfschläger geschnappt und bin geschniegelt wie ein Profi auf den Platz marschiert. Schon beim ersten Abschlag hab i gmerkt, dass Golf ganz andere Gesetze hat. I hab ausgeholt wie ein Holzfäller – getroffen hab i hauptsächlich den Rasen. Der Ball is vielleicht zwanzig Zentimeter weitergehüpft. Dafür hat’s ein schönes Stück Wiese mitgenommen.

    Der Golflehrer hat nur gelächelt und gemeint: „Klezi, weniger Kraft, mehr Gefühl.“ Des klingt einfach. Gefühl hab i eh genug, hab i mir gedacht.

    Beim nächsten Versuch hab i den Ball endlich sauber erwischt. Leider flog er genau dorthin, wo überhaupt keiner hin will – mitten ins hohe Gras. Gemeinsam mit meinem Ball hab i dort vermutlich auch dreißig andere Golfbälle gefunden. Offenbar war i ned der Erste mit dieser Idee.

    Langsam hab i aber den Dreh herausbekommen. Ruhig stehen, konzentrieren, locker schwingen und ned versuchen, den Ball bis nach Italien zu schlagen. Plötzlich gelang mir ein richtig schöner Schlag. Der Ball flog hoch durch die Luft und landete sauber auf dem Grün.

    Jetzt fehlte nur noch der letzte Schlag.

    I stellte mi hinter den Ball, schaute konzentriert aufs Loch und redete innerlich mit ihm.

    „Jetzt bleib schön brav auf deiner Spur.“

    Ganz vorsichtig stieß i den Ball an.

    Er rollte langsam los.

    Immer näher.

    Immer näher.

    Kurz vor dem Loch dachte i schon: Jetzt bleibt er sicher liegen.

    Doch plötzlich machte der Ball noch eine kleine Drehung und verschwand tatsächlich im Loch.

    I konnte es kaum glauben.

    „Jaaaa!“

    I hob den Schläger in die Höhe, verbeugte mi vor den applaudierenden Zuschauern und musste selber lachen. Wahrscheinlich war des der glücklichste Schlag meines Lebens.

    Natürlich hab i danach gleich wieder einen Ball in den Sandbunker geschickt. Irgendwie muss ma ja am Boden bleiben.

    Aber genau des gefällt mir am Golf. Es geht ned darum, perfekt zu sein. Es geht um Ruhe, Konzentration und darum, sich über jeden gelungenen Schlag zu freuen.

    Am Ende spazierte i entspannt zurück zum Clubhaus und dachte mir: Heute hab i ned nur Golf gespielt, sondern auch gelernt, dass Geduld manchmal der beste Schläger im Bag ist.

    Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Golfspieler.

  • 249_Schaunburg

    Schaunburg

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Schaunburg
    Untertitel: Fast tausend Jahre zwischen Burg und Flugzeug
    Ort: Hartkirchen bei Eferding
    Aufnahmedatum: 01.07.2007

    Ortsbeschreibung

    Die Schaunburg liegt zwischen Eferding und Aschach an der Donau und war einst die Stammburg der Grafen von Schaunberg. Sie gilt als größte Burganlage Oberösterreichs. Der Bergfried kann bestiegen werden und bietet einen herrlichen Ausblick. Am Eingang steht die berühmte Burglinde, die bereits 1402 gepflanzt wurde.

    Die Geschichte

    Die Schaunburg war die erste Burgruine, die mich richtig in ihren Bann gezogen hat. Seit diesem Besuch am 1. Juli 2007 habe ich unzählige Burgen und Ruinen erkundet, fotografiert, gefilmt und später sogar mit der Drohne aufgenommen. Trotzdem hat die Schaunburg bis heute einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. An diesem Tag faszinierte mich vor allem der Kontrast zwischen der fast tausend Jahre alten Burg und dem Segelflugzeug am Himmel. Direkt unterhalb der Burg befindet sich ein kleiner Segelflugplatz, und genau im richtigen Augenblick glitt ein Flugzeug über den Bergfried. Für mich verbindet dieses Foto Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise. Oft war ich mit meinen Kindern hier unterwegs, manchmal auch ganz alleine. Zwischen den alten Mauern fühle ich mich jedes Mal wohl – und manchmal denke ich mir schmunzelnd, ich wäre vermutlich ein guter, stolzer Ritter geworden.

    Klezi-Gedanke

    Geschichte kann man lesen – auf einer Burg kann man sie spüren.

  • 248_Eine Nacht bei Stötzer Anna

    Wenn ich an meine Jugend denke, fallen mir immer wieder Geschichten aus einer Zeit ein, die heute fast schon wie aus einer anderen Welt wirkt. Eine davon spielt beim Gasthaus Stötzer , einer Wirtin irgendwo draußen in der Gegend rund um Wels.

    Für uns Burschen war dieses Wirtshaus damals ein fixer Treffpunkt. Wir waren etwa sechzehn, siebzehn oder vielleicht schon achtzehn Jahre alt. In diesem Alter hat man viel Energie und auch ein bisschen Übermut. Bei Stötzer Anna standen damals einige Automaten: Geldspielautomaten, ein einarmiger Bandit und ein Spielautomat mit einer Art Ping-Pong-Spiel. Für uns war das natürlich ein Magnet.

    Dort wurde gespielt, gelacht und diskutiert – und manchmal ging es auch etwas rauer zu. Denn in der Gegend waren auch oft die Marchtrenker unterwegs, also Burschen aus Marchtrenk. Zwischen uns und ihnen gab es hin und wieder kleine Reibereien. Nichts Dramatisches, eher diese typische Rivalität zwischen jungen Gruppen aus verschiedenen Orten.

    Ein paar provozierende Worte, ein bisschen Brustklopfen – und manchmal auch ein kurzes Gerangel. Aber wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich sagen: So brutal, wie es heute manchmal abläuft, war das damals nicht. Wenn es einmal gekracht hat, war die Sache meistens schnell wieder erledigt. Danach ist man gemeinsam an der Theke gestanden, hat ein Bier miteinander getrunken und alles war wieder gut.

    Beim nächsten Treffen hat man sich wieder gesehen, als wäre nie etwas gewesen.

    Im Wirtshaus selbst gab es auch ein echtes Original: Eine ältere Frau, die regelmäßig dort auftauchte. Ihren Namen lasse ich lieber weg, denn vielleicht leben noch Angehörige. Diese Frau gehörte irgendwie zum Inventar des Lokals dazu. Wir jungen Burschen hatten sie eigentlich gern. Nur hatte sie eine Schwäche: Sie trank nicht gerade wenig Alkohol. Und wenn sie einmal ein paar Gläser zu viel erwischt hatte, dann kam immer ihr berühmter Satz. Mit ernster Stimme, manchmal etwas schwankend, verkündete sie laut:

    „Die größte Hur auf der Welt, was es gibt, ist die Politik!“

    Manchmal wiederholte sie das gleich noch einmal, damit auch wirklich jeder im Raum verstanden hatte, was sie meinte. Für uns war das jedes Mal ein kleines Schauspiel. Wir mussten lachen, aber gleichzeitig hatte diese Frau auch etwas Ehrliches an sich. Sie sagte einfach geradeheraus, was sie dachte.

    Heute schimpfen viele Menschen über Politik auf Facebook, Instagram oder sonst irgendwo im Internet. Damals passierte das noch ganz direkt – im Wirtshaus, zwischen Spielautomaten, Biergläsern und einer Gruppe junger Burschen, die eigentlich nur einen lustigen Abend verbringen wollten.

    Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln. Es war eine andere Zeit. Vielleicht einfacher, vielleicht auch ein bisschen wilder. Aber es war ein Stück meiner Jugend – und genau solche Erinnerungen bleiben einem ein Leben lang.

  • 247_Heute bin i Tennisspieler

    Heute hab i mir gedacht: Tennis schaut eigentlich ganz gemütlich aus. Zwei Leute, ein Netz dazwischen und ein kleiner gelber Ball. Was soll da schon schiefgehen?

    Mit einem nagelneuen Tennisschläger in der Hand hab i den Platz betreten und glei gmerkt: So leicht, wie’s im Fernsehen ausschaut, is des gar ned. Der Ball hüpft nämlich nie dort hin, wo i ihn gern hätte. I lauf nach links – der Ball fliegt nach rechts. I lauf nach rechts – der Ball landet plötzlich direkt vor mir.

    Der Trainer hat grinsend gemeint: „Locker bleiben, Klezi. Der Ball hat keine Eile.“ I hab nur gelacht und mir gedacht: Na der vielleicht ned, aber i schon.

    Beim ersten Aufschlag hab i den Ball so hoch geworfen, dass i fast vergessen hab, wieder hinunterzuschauen. Beim zweiten Versuch hab i den Ball zwar getroffen, aber der flog eher Richtung Parkplatz als übers Netz. Wenn dort grad einer sein Auto geputzt hat, wird er sich gewundert haben.

    Mit jedem Ballwechsel is es aber besser geworden. Langsam hab i gespürt, wie der Schläger den Ball richtig trifft. Plötzlich gelang mir ein schöner Vorhandschlag genau an die Seitenlinie. Der Gegner lief noch hinterher, hatte aber keine Chance mehr.

    Da hab i zum ersten Mal verstanden, warum Tennis so viele Menschen begeistert. Es geht ned nur um Kraft, sondern vor allem um Gefühl, Konzentration und a bissl Geduld.

    Natürlich hab i zwischendurch wieder an Ball ins Netz geschlagen. Einmal is der Ball sogar direkt vor meinen Füßen liegen geblieben. Da hab i laut lachen müssen und der Gegner gleich mit.

    Dann kam der schönste Ballwechsel des Tages. Der Ball flog mehrmals übers Netz. Mal links, mal rechts. I war selber überrascht, dass i überall hinkam. Zum Schluss spielte mein Gegner den Ball hoch zurück.

    Des war meine Chance.

    I holte aus und schlug den Ball sauber ins freie Eck.

    Punkt!

    I hob den Schläger in die Höhe und musste grinsen. Wimbledon werd i wahrscheinlich nimma gewinnen, aber für diesen Moment hab i mi fast so gfühlt.

    Nach dem Training war i zwar ordentlich außer Atem, aber richtig glücklich. Wieder hab i etwas Neues ausprobiert und wieder gemerkt, dass man nie zu alt ist, um etwas zu lernen.

    Sport muss ned immer perfekt sein. Hauptsache, man bewegt sich, hat Spaß und kann über sich selber lachen.

    Und genau deshalb freu i mi schon auf die nächste Sportart.

    Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Tennisspieler.

  • 246_Himmelsrad

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Fahrrad Wels
    Untertitel: Himmelsrad
    Ort: Wels – Fußgängerzone
    Aufnahmedatum: 22.09.2019

    Ortsbeschreibung

    Die Welser Fußgängerzone ist regelmäßig Schauplatz von Veranstaltungen und kreativen Aktionen. Besonders während der Europäischen Mobilitätswoche oder rund um das Welser Radkriterium wird die Innenstadt mit außergewöhnlichen Ideen dekoriert.

    Die Geschichte

    Meist gehe ich am Sonntag früh durch die Welser Innenstadt, wenn noch wenig Menschen unterwegs sind und man Motive entdeckt, die tagsüber leicht übersehen werden. Am 22. September 2019 fiel mir dieses Fahrrad auf, das scheinbar mitten am Himmel schwebte. Genau solche ungewöhnlichen Blickfänge liebe ich. Mit einfachen Mitteln entstand ein Werbemotiv, das sofort neugierig macht und zum Stehenbleiben einlädt. Ob als Hinweis auf die Europäische Mobilitätswoche oder auf das Welser Radkriterium – dieses Fahrrad hat seinen Zweck erfüllt. Für mich war es ein echtes Aha-Erlebnis und eines jener Fotos, bei denen man zweimal hinschauen muss.

    Klezi-Gedanke

    Manche Ideen sind so einfach, dass sie gerade deshalb unvergesslich werden.