• 249_Schaunburg

    Schaunburg

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Schaunburg
    Untertitel: Fast tausend Jahre zwischen Burg und Flugzeug
    Ort: Hartkirchen bei Eferding
    Aufnahmedatum: 01.07.2007

    Ortsbeschreibung

    Die Schaunburg liegt zwischen Eferding und Aschach an der Donau und war einst die Stammburg der Grafen von Schaunberg. Sie gilt als größte Burganlage Oberösterreichs. Der Bergfried kann bestiegen werden und bietet einen herrlichen Ausblick. Am Eingang steht die berühmte Burglinde, die bereits 1402 gepflanzt wurde.

    Die Geschichte

    Die Schaunburg war die erste Burgruine, die mich richtig in ihren Bann gezogen hat. Seit diesem Besuch am 1. Juli 2007 habe ich unzählige Burgen und Ruinen erkundet, fotografiert, gefilmt und später sogar mit der Drohne aufgenommen. Trotzdem hat die Schaunburg bis heute einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. An diesem Tag faszinierte mich vor allem der Kontrast zwischen der fast tausend Jahre alten Burg und dem Segelflugzeug am Himmel. Direkt unterhalb der Burg befindet sich ein kleiner Segelflugplatz, und genau im richtigen Augenblick glitt ein Flugzeug über den Bergfried. Für mich verbindet dieses Foto Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise. Oft war ich mit meinen Kindern hier unterwegs, manchmal auch ganz alleine. Zwischen den alten Mauern fühle ich mich jedes Mal wohl – und manchmal denke ich mir schmunzelnd, ich wäre vermutlich ein guter, stolzer Ritter geworden.

    Klezi-Gedanke

    Geschichte kann man lesen – auf einer Burg kann man sie spüren.

  • 248_Eine Nacht bei Stötzer Anna

    Wenn ich an meine Jugend denke, fallen mir immer wieder Geschichten aus einer Zeit ein, die heute fast schon wie aus einer anderen Welt wirkt. Eine davon spielt beim Gasthaus Stötzer , einer Wirtin irgendwo draußen in der Gegend rund um Wels.

    Für uns Burschen war dieses Wirtshaus damals ein fixer Treffpunkt. Wir waren etwa sechzehn, siebzehn oder vielleicht schon achtzehn Jahre alt. In diesem Alter hat man viel Energie und auch ein bisschen Übermut. Bei Stötzer Anna standen damals einige Automaten: Geldspielautomaten, ein einarmiger Bandit und ein Spielautomat mit einer Art Ping-Pong-Spiel. Für uns war das natürlich ein Magnet.

    Dort wurde gespielt, gelacht und diskutiert – und manchmal ging es auch etwas rauer zu. Denn in der Gegend waren auch oft die Marchtrenker unterwegs, also Burschen aus Marchtrenk. Zwischen uns und ihnen gab es hin und wieder kleine Reibereien. Nichts Dramatisches, eher diese typische Rivalität zwischen jungen Gruppen aus verschiedenen Orten.

    Ein paar provozierende Worte, ein bisschen Brustklopfen – und manchmal auch ein kurzes Gerangel. Aber wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich sagen: So brutal, wie es heute manchmal abläuft, war das damals nicht. Wenn es einmal gekracht hat, war die Sache meistens schnell wieder erledigt. Danach ist man gemeinsam an der Theke gestanden, hat ein Bier miteinander getrunken und alles war wieder gut.

    Beim nächsten Treffen hat man sich wieder gesehen, als wäre nie etwas gewesen.

    Im Wirtshaus selbst gab es auch ein echtes Original: Eine ältere Frau, die regelmäßig dort auftauchte. Ihren Namen lasse ich lieber weg, denn vielleicht leben noch Angehörige. Diese Frau gehörte irgendwie zum Inventar des Lokals dazu. Wir jungen Burschen hatten sie eigentlich gern. Nur hatte sie eine Schwäche: Sie trank nicht gerade wenig Alkohol. Und wenn sie einmal ein paar Gläser zu viel erwischt hatte, dann kam immer ihr berühmter Satz. Mit ernster Stimme, manchmal etwas schwankend, verkündete sie laut:

    „Die größte Hur auf der Welt, was es gibt, ist die Politik!“

    Manchmal wiederholte sie das gleich noch einmal, damit auch wirklich jeder im Raum verstanden hatte, was sie meinte. Für uns war das jedes Mal ein kleines Schauspiel. Wir mussten lachen, aber gleichzeitig hatte diese Frau auch etwas Ehrliches an sich. Sie sagte einfach geradeheraus, was sie dachte.

    Heute schimpfen viele Menschen über Politik auf Facebook, Instagram oder sonst irgendwo im Internet. Damals passierte das noch ganz direkt – im Wirtshaus, zwischen Spielautomaten, Biergläsern und einer Gruppe junger Burschen, die eigentlich nur einen lustigen Abend verbringen wollten.

    Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln. Es war eine andere Zeit. Vielleicht einfacher, vielleicht auch ein bisschen wilder. Aber es war ein Stück meiner Jugend – und genau solche Erinnerungen bleiben einem ein Leben lang.

  • 247_Heute bin i Tennisspieler

    Heute hab i mir gedacht: Tennis schaut eigentlich ganz gemütlich aus. Zwei Leute, ein Netz dazwischen und ein kleiner gelber Ball. Was soll da schon schiefgehen?

    Mit einem nagelneuen Tennisschläger in der Hand hab i den Platz betreten und glei gmerkt: So leicht, wie’s im Fernsehen ausschaut, is des gar ned. Der Ball hüpft nämlich nie dort hin, wo i ihn gern hätte. I lauf nach links – der Ball fliegt nach rechts. I lauf nach rechts – der Ball landet plötzlich direkt vor mir.

    Der Trainer hat grinsend gemeint: „Locker bleiben, Klezi. Der Ball hat keine Eile.“ I hab nur gelacht und mir gedacht: Na der vielleicht ned, aber i schon.

    Beim ersten Aufschlag hab i den Ball so hoch geworfen, dass i fast vergessen hab, wieder hinunterzuschauen. Beim zweiten Versuch hab i den Ball zwar getroffen, aber der flog eher Richtung Parkplatz als übers Netz. Wenn dort grad einer sein Auto geputzt hat, wird er sich gewundert haben.

    Mit jedem Ballwechsel is es aber besser geworden. Langsam hab i gespürt, wie der Schläger den Ball richtig trifft. Plötzlich gelang mir ein schöner Vorhandschlag genau an die Seitenlinie. Der Gegner lief noch hinterher, hatte aber keine Chance mehr.

    Da hab i zum ersten Mal verstanden, warum Tennis so viele Menschen begeistert. Es geht ned nur um Kraft, sondern vor allem um Gefühl, Konzentration und a bissl Geduld.

    Natürlich hab i zwischendurch wieder an Ball ins Netz geschlagen. Einmal is der Ball sogar direkt vor meinen Füßen liegen geblieben. Da hab i laut lachen müssen und der Gegner gleich mit.

    Dann kam der schönste Ballwechsel des Tages. Der Ball flog mehrmals übers Netz. Mal links, mal rechts. I war selber überrascht, dass i überall hinkam. Zum Schluss spielte mein Gegner den Ball hoch zurück.

    Des war meine Chance.

    I holte aus und schlug den Ball sauber ins freie Eck.

    Punkt!

    I hob den Schläger in die Höhe und musste grinsen. Wimbledon werd i wahrscheinlich nimma gewinnen, aber für diesen Moment hab i mi fast so gfühlt.

    Nach dem Training war i zwar ordentlich außer Atem, aber richtig glücklich. Wieder hab i etwas Neues ausprobiert und wieder gemerkt, dass man nie zu alt ist, um etwas zu lernen.

    Sport muss ned immer perfekt sein. Hauptsache, man bewegt sich, hat Spaß und kann über sich selber lachen.

    Und genau deshalb freu i mi schon auf die nächste Sportart.

    Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Tennisspieler.

  • 246_Himmelsrad

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Fahrrad Wels
    Untertitel: Himmelsrad
    Ort: Wels – Fußgängerzone
    Aufnahmedatum: 22.09.2019

    Ortsbeschreibung

    Die Welser Fußgängerzone ist regelmäßig Schauplatz von Veranstaltungen und kreativen Aktionen. Besonders während der Europäischen Mobilitätswoche oder rund um das Welser Radkriterium wird die Innenstadt mit außergewöhnlichen Ideen dekoriert.

    Die Geschichte

    Meist gehe ich am Sonntag früh durch die Welser Innenstadt, wenn noch wenig Menschen unterwegs sind und man Motive entdeckt, die tagsüber leicht übersehen werden. Am 22. September 2019 fiel mir dieses Fahrrad auf, das scheinbar mitten am Himmel schwebte. Genau solche ungewöhnlichen Blickfänge liebe ich. Mit einfachen Mitteln entstand ein Werbemotiv, das sofort neugierig macht und zum Stehenbleiben einlädt. Ob als Hinweis auf die Europäische Mobilitätswoche oder auf das Welser Radkriterium – dieses Fahrrad hat seinen Zweck erfüllt. Für mich war es ein echtes Aha-Erlebnis und eines jener Fotos, bei denen man zweimal hinschauen muss.

    Klezi-Gedanke

    Manche Ideen sind so einfach, dass sie gerade deshalb unvergesslich werden.

  • 245_Zeltkirche Wels-Lichtenegg

    Links das KI Bild, rechts eine Originalaufnahme

    Als Jugendlicher war die Zeltkirche in Wels-Lichtenegg für uns weit mehr als nur ein Gotteshaus. Sie war unser Abenteuerspielplatz. Dieses markante Gotteshaus in Form einer Pyramide wird von vier massiven Betonsäulen getragen, die bis hinauf zur Dachspitze führen. Für uns Burschen war das eine Einladung zum Klettern.

    Immer wieder erklommen wir diese etwa 60 Zentimeter breiten Betonsäulen. Mit Händen und Füßen arbeiteten wir uns Stück für Stück nach oben, bis wir schließlich die Dachspitze erreichten. Je höher wir kamen, desto mutiger fühlten wir uns. Natürlich blieb das dem Pfarrer nicht verborgen. Sobald er uns entdeckte, kam er energisch auf die Kirche zugelaufen und rief, wir sollten sofort herunterkommen.

    Doch wir hatten unseren ganz eigenen Trick. Sobald wir sahen, von welcher Seite der Pfarrer kam, kletterten wir blitzschnell über die Dachspitze auf die andere Seite hinunter. Während der Pfarrer um das ganze Gebäude laufen musste, waren wir längst wieder unten und verschwunden. Er kam einfach nie rechtzeitig auf die andere Seite. Für uns war das damals jedes Mal ein riesiger Spaß.Heute muss ich schmunzeln, wenn ich an diese Zeit zurückdenke. Damals war es für uns ein aufregendes Spiel, heute würde ich wohl jedem Jugendlichen dringend davon abraten. Aber genau solche Erinnerungen machen die eigene Kindheit unvergesslich. Jedes Mal, wenn ich an der Zeltkirche vorbeikomme, sehe ich nicht nur ein außergewöhnliches Bauwerk – ich sehe auch ein Stück meiner Jugend vor mir.

  • 244_Heute bin i Fußballer

    Heute hab i mir gedacht: Fußball kann ja wirklich ned so schwer sein. Im Fernsehen schaut des immer so einfach aus. Die rennen a bissl herum, schießen den Ball ins Tor und nachher jubeln alle. Also hab i beschlossen: Des probier i heute selber.

    Mit nagelneuen Fußballschuhen bin i auf den Platz marschiert. I hab mi gfühlt wie ein echter Profi. Zumindest bis i den ersten Ball berührt hab. Der Ball is nämlich genau dorthin gerollt, wo i ned hin wollte. I hinterher, der Ball wieder weg, und die anderen haben sich das Grinsen kaum verkneifen können.

    Der Trainer hat dann freundlich gemeint: „Klezi, zuerst ein paar Pässe üben.“ Gesagt, getan. Der erste Pass landete beim Gegner. Der zweite im Seitenaus. Beim dritten hab i immerhin den eigenen Mitspieler getroffen. Langsam is es besser geworden.

    Dann durfte i aufs Tor schießen. I hab ausgeholt wie ein Weltmeister – und den Ball komplett verfehlt. Da hab sogar i selber lachen müssen. Beim zweiten Versuch hab i den Ball zwar getroffen, dafür is er ungefähr zehn Meter übers Tor geflogen. Wenn dort oben zufällig ein Vogel unterwegs gewesen wär, hätt er wahrscheinlich an Schreck fürs Leben bekommen.

    Aber aufgeben? Sicher ned!

    Mit jedem Versuch is das Gefühl besser geworden. Plötzlich hab i gemerkt, wie der Ball richtig am Fuß klebt. I hab einen Gegenspieler umdribbelt, dann noch einen. Vor mir stand nur mehr der Tormann.

    In meinem Kopf hörte i schon die Stadionmusik. Zehntausende Zuschauer rufen meinen Namen. Wahrscheinlich waren’s in Wirklichkeit nur ein paar Leute am Sportplatz, aber in meiner Fantasie war das Champions-League-Finale.

    I hol aus.

    Volltreffer!

    Der Ball zischt Richtung Kreuzeck. Der Tormann springt wie ein Flieger durch die Luft, streckt sich bis in die Fingerspitzen – aber er kommt einen Tick zu spät.

    TOOOOR!

    I reiß beide Arme in die Höhe und lauf quer über den Platz, als hätt i gerade Österreich zum Weltmeister gemacht. Meine Mitspieler lachen, klatschen mi ab und einer meint: „Na schau, Klezi – da steckt ja doch a Fußballer in dir!“

    Natürlich war des ned der Anfang einer großen Fußballkarriere. Kurz danach hab i wieder an Ball ins Aus geschossen und einmal bin i sogar über meine eigenen Füße gestolpert. Aber genau des macht den Spaß aus. Niemand erwartet Perfektion. Es geht ums Mitmachen, ums Lachen und darum, einfach Freude an der Bewegung zu haben.

    Als i später vom Platz gegangen bin, war i zwar ziemlich verschwitzt, aber auch richtig zufrieden. Wieder hab i etwas ausprobiert, was i vorher noch nie gemacht hab. Und genau des gefällt mir an meiner Pension so gut. Endlich hab i Zeit, Dinge zu erleben, über mich selber zu lachen und jeden Tag etwas Neues kennenzulernen.

    Vielleicht werd i nie Nationalspieler. Wahrscheinlich wird mich auch kein großer Verein verpflichten.

    Aber eines kann i mit Sicherheit sagen:

    Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Fußballer.

  • 243_Seewaldsee

    Grunddaten

    Projekt: Fotogeschichten mit Klezi
    Titel: Seewaldsee
    Untertitel: Der stille Spiegel am Seewaldsee
    Ort: St. Koloman, Salzburg
    Aufnahmedatum: 18. Juni 2017

    Ortsbeschreibung

    Der Seewaldsee liegt in der Gemeinde St. Koloman zwischen Hallein und Golling. Von Kuchl führt eine rund 14 Kilometer lange Straße zum gebührenpflichtigen Parkplatz. Die letzten Meter zum See werden zu Fuß zurückgelegt. Der idyllische Bergsee zählt zu den ruhigsten Ausflugszielen der Region.

    Die Geschichte

    Während meines Kuraufenthalts in Bad Vigaun hörte ich beim Essen zufällig einen Kurgast vom Seewaldsee erzählen. Natürlich wurde sofort gegoogelt und schon kurze Zeit später stand ich an diesem herrlichen Bergsee. Das Spiegelbild der kleinen Hütte im glasklaren Wasser faszinierte mich vom ersten Augenblick an und war der Grund für dieses Foto. Da ich zweimal in Bad Vigaun auf Kur war, besuchte ich den Seewaldsee immer wieder. Am schönsten war es für mich früh am Sonntagmorgen, wenn ich alleine den Rundweg ging und die besondere Ruhe genießen konnte. Oberhalb des Sees liegt die Auerhütte, in der vom Aussterben bedrohte Tiere betreut werden. Mit der Zeit habe ich mich ein wenig in diesen See verliebt und nahm auch andere Kurgäste mit, um ihnen diesen besonderen Ort zu zeigen.

    Klezi-Gedanke

    Manche Orte muss man nicht oft besuchen – sie finden von selbst einen Platz im Herzen.

  • 242_Igor der Igel vom Sonnenberg

    Igor und der Weg auf den Sonnenberg

    Am Rand eines großen Waldes lebte ein kleiner Igel namens Igor. Unter den kräftigen Wurzeln einer alten Buche hatte er sich aus Laub, Moos und einigen weichen Federn ein gemütliches Zuhause gebaut. Igor war freundlich, aber eher still. Wenn sich die anderen Tiere unterhielten, saß er oft etwas abseits und beobachtete ihre Gesichter und Bewegungen. Igor konnte nämlich seit seiner Geburt nur sehr wenig hören. Manche Stimmen erreichten ihn überhaupt nicht, andere klangen wie ein fernes Murmeln. Hinter dem Wald erhob sich der Sonnenberg. Für Menschen wäre er nur ein großer Hügel gewesen, doch für die kleinen Tiere wirkte er gewaltig. Der Weg zum Gipfel war steil, voller Wurzeln und loser Steine, und ganz oben stand ein uralter Apfelbaum. Jedes Jahr trug dieser Baum nur einen einzigen goldgelben Apfel, der in der Morgensonne so hell leuchtete, dass man ihn vom Waldrand aus erkennen konnte.

    Eines Tages verkündete der Fuchs, dass am nächsten Morgen ein Wettlauf auf den Sonnenberg stattfinden sollte. Wer als Erster den alten Apfelbaum erreichte, durfte den goldenen Apfel pflücken. Sofort meldeten sich der Hase, das Eichhörnchen, der Dachs und einige andere Tiere an. Als Igor vorsichtig eine Pfote hob und zeigte, dass auch er teilnehmen wollte, begannen manche zu lachen. Der Hase meinte, dass der Apfel längst verfault sein würde, bevor Igor mit seinen kurzen Beinen den Gipfel erreichte. Der Fuchs riet ihm, lieber im Tal zu bleiben, damit er sich nicht verletzte. Igor verstand ihre Worte jedoch nicht. Er sah nur, wie sie auf den Berg zeigten und aufgeregt mit den Pfoten gestikulierten. Deshalb glaubte er, sie würden ihm den Weg erklären und ihm Mut machen.

    Am nächsten Morgen versammelten sich alle Tiere am Fuß des Sonnenberges. Kaum hatte der Specht dreimal gegen einen Baumstamm geklopft, stürmten die Teilnehmer los. Der Hase sprang davon, das Eichhörnchen kletterte geschickt über Wurzeln und der kräftige Dachs schob sogar kleinere Steine zur Seite. Igor dagegen setzte langsam eine Pfote vor die andere. Schon bald waren die anderen weit voraus, doch der kleine Igel ließ sich nicht beirren. Der Weg wurde immer steiler und die Sonne brannte heiß auf den trockenen Boden. Das Eichhörnchen versuchte über einen umgestürzten Baumstamm abzukürzen, rutschte jedoch ab und gab enttäuscht auf. Wenig später wurden die Beine des Dachses schwer, und auch er kehrte um. Schließlich erreichte der Hase den schmalen Pfad zwischen den Felsen. Dort blies ihm ein kräftiger Wind entgegen, Staub wirbelte in seine Augen und lose Steine rutschten unter seinen Pfoten weg. Als er nach unten blickte, verlor er den Mut und lief zurück ins Tal. Auf seinem Rückweg begegnete er Igor und rief ihm zu, dass er ebenfalls umkehren sollte. Igor sah nur, wie der Hase heftig mit den Pfoten winkte, und glaubte, er würde ihn anfeuern. Dankbar nickte er und ging weiter.

    Mittlerweile hatten sich die Tiere unten am Waldrand versammelt. Besorgt sahen sie zu Igor hinauf und riefen ihm zu, dass der Weg zu gefährlich sei und er es niemals schaffen könne. Doch Igor hörte nur ein leises Rauschen. Er sah die Tiere winken und ihre Pfoten in die Luft strecken. In seinem Herzen verwandelten sich ihre Warnungen in aufmunternde Zurufe. Er war fest davon überzeugt, dass alle an ihn glaubten. Kurz vor dem Gipfel stolperte Igor über eine Wurzel, rollte ein Stück den Hang hinunter und blieb erschöpft zwischen zwei Steinen liegen. Seine Pfoten schmerzten und der Staub klebte zwischen seinen Stacheln. Einen Augenblick lang wollte er aufgeben, doch dann blickte er nach oben und sah den goldenen Apfel in der Sonne leuchten. Igor richtete sich wieder auf. Er dachte nicht mehr an den ganzen schwierigen Weg, sondern nur noch an den nächsten kleinen Schritt. Danach machte er noch einen und dann wieder einen.

    Als Igor schließlich den Gipfel erreichte, legte sich der Wind. Vor ihm stand der alte Apfelbaum, mächtig und still, und der goldene Apfel hing an einem tiefen Ast, als hätte er die ganze Zeit nur auf den kleinen Igel gewartet. Unten am Waldrand brachen die Tiere in Jubel aus. Auf dem Rückweg trug Igor den Apfel stolz auf seinem Rücken. Alle Tiere kamen ihm entgegen und begleiteten ihn das letzte Stück bis zum Wald. Der Hase fragte ihn, wie er weitergehen konnte, obwohl ihm alle zugerufen hatten, dass er umkehren sollte. Igor sah ihn erstaunt an und antwortete: „Ihr habt mir doch zugerufen, dass ich es schaffen werde.“ Erst jetzt verstanden die Tiere, dass Igor ihre Worte nicht gehört und ihre warnenden Bewegungen für Aufmunterung gehalten hatte. Beschämt senkten sie ihre Köpfe. Igor aber war nicht böse. Er teilte den goldenen Apfel in viele kleine Stücke, sodass jedes Tier etwas davon bekam – sogar der Hase, der ihn am lautesten verspottet hatte.

    Von diesem Tag an lachten die Tiere über niemanden mehr, der ein großes Ziel hatte. Wenn jemand vor einer schwierigen Aufgabe stand, erinnerten sie sich an Igor und riefen ihm Mut zu. Igor blieb derselbe stille kleine Igel mit den kurzen Beinen. Doch wenn am Abend die Sonne hinter dem Berg verschwand, konnte man ihn manchmal auf dem Gipfel sitzen sehen. Dann blickte er hinunter auf den Wald und wusste, dass kein Berg zu hoch war, solange man bereit war, Schritt für Schritt weiterzugehen.

    Die Moral von der Geschichte:

    Worte können einem Menschen den Mut nehmen, aber sie können ihm auch neue Kraft geben. Darum sollte man jemanden, der ein großes Ziel verfolgt, niemals entmutigen. Und wenn dir andere einreden wollen, dass du etwas nicht schaffen kannst, dann mach es wie Igor: Höre nicht auf sie, glaube an dich und gehe deinen Weg Schritt für Schritt weiter.

  • 241_Martinas Würstelstand

    Martinas Würstelstandl – ein Stück Neustadt, das bleiben soll!

    Martinas Würstelstandl in der Eferdinger Straße in Wels-Neustadt gehört zu den letzten traditionellen Würstelstandln unserer Stadt. Seit vielen Jahren treffen sich hier die unterschiedlichsten Menschen – auf ein gutes Würstel, ein freundliches Gespräch und natürlich auf die neuesten Geschichten aus der Neustadt. Martina ist herzlich, kompetent und weiß meistens bestens Bescheid, was sich im Stadtteil so tut.

    Doch eines sollten wir bedenken: Wenn wir nur ganz selten bei solchen kleinen, traditionellen Betrieben vorbeischauen, wird es sie irgendwann nicht mehr geben. Genau deshalb habe ich dieses Video gemacht. Schaut bei Martina vorbei, gönnt euch ein gutes Würstel und helft mit, ein echtes Stück Welser Tradition zu erhalten!

    #Wels #Neustadt #Würstelstand

  • 240_Ein wirklich höflicher Überfall

    Ich saß gemütlich in meinem Zimmer und sortierte mein Kleingeld. Das mache ich immer so: Münzen sammeln, bis ordentlich etwas zusammenkommt, und irgendwann bringe ich alles zur Bank. Das Fenster war offen, ich dachte mir nichts dabei, bis plötzlich ein vermummter Mann vor mir stand. „Gib sofort das Geld her!“ Ich schaute ihn an und sagte: „Geh bitte, nicht das Kleingeld. Das sammle ich schon ewig. Das sind vielleicht 70 Euro. Ich geb dir dafür meine Geldscheine.“ Damit war er einverstanden. Ich öffnete meine Geldtasche, doch kaum sah er hinein, meinte er: „He, da ist ja viel mehr drin. Her damit!“ Also gab ich ihm die ganzen 270 Euro. Dann fragte er: „Was hast denn sonst noch Wertvolles?“ Ich überlegte kurz. „Na ja, da wäre noch eine Whiskyflasche. Die ist ungefähr 1.000 Euro wert.“ – „Her damit!“ Ich gab ihm die Flasche. „Sonst noch was?“ – „Eine Münzensammlung hätte ich noch. Vielleicht 1.500 Euro wert.“ Seine Augen wurden immer größer. „Her damit!“ Also bekam er auch die Münzensammlung. Schließlich fragte ich: „Hast jetzt alles?“ Er nickte zufrieden. „Magst vielleicht noch eine Wurstsemmel für unterwegs?“ Er schaute mich etwas verdutzt an. „Hast eine?“ – „Sicher.“ Also bekam er auch noch eine Wurstsemmel. Beim Gehen drehte er sich noch einmal um und sagte: „Danke! Du bist echt ein lässiger Mann.“ – „Ja, kein Problem. Pfiat di.“ Was er allerdings nicht wusste: Wie die meisten meiner Freunde wissen, habe ich Überwachungskameras. Als ich gesehen hatte, dass sich da ein vermummter Besucher näherte, hatte ich längst die Polizei verständigt. Weit kam mein neuer Freund deshalb nicht. Keine hundert Meter später wurde er von der Polizei abgeholt – samt Bargeld, Whisky, Münzensammlung und vermutlich auch meiner Wurstsemmel. Meine Sachen bekam ich wieder zurück. Nur bei der Wurstsemmel weiß ich bis heute nicht, was aus ihr geworden ist.