
Der Wetterbericht hatte viel Schnee angekündigt, aber wie so oft nahm ich das nicht ganz ernst. Am Morgen danach war mein Auto jedenfalls verschwunden. Dort, wo es stehen sollte, lag nur mehr ein weißer Hügel, der verdächtig nach einem Kleinwagen aussah. Mit der Kaffeetasse in der Hand stand ich am Fenster und überlegte, ob man nicht einfach einen autofreien Tag einführen könnte.
Da kam meine Nachbarin Frau Huber vorbei, achtzig Jahre alt, jeden Morgen unterwegs, bei jedem Wetter. Eine Frau, die mehr Schritte macht, bevor ich überhaupt meine Schuhe finde. Spontan öffnete ich das Fenster und fragte möglichst freundlich, ob sie vielleicht mein Auto ein wenig vom Schnee befreien könnte. Bewegung sei ja gesund, meinte ich noch.
Sie sah lange zu mir hinauf, nickte wortlos und ging weiter.
Eine Stunde später hörte ich draußen ein Kratzen. Tatsächlich stand Frau Huber bei meinem Auto — mit einem kleinen Handbesen. Sorgfältig kehrte sie eine Stelle frei, trat zurück, schaute zu mir hinauf und rief: „Den Außenspiegel hab ich geschafft. Den Rest kann die Jugend selber machen.“ Seitdem räume ich mein Auto wieder selbst frei. Und grüße besonders höflich.
Und die Moral von der Geschichte: Wer glaubt, Arbeit elegant delegieren zu können, sollte vorher sicher sein, dass die Nachbarin keinen besseren Humor hat als man selbst. Denn manchmal bekommt man genau die Hilfe, um die man gebeten hat — nur eben in der kleinsten möglichen Portion.
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