Die letzte Sperrstund

Es war keine besondere Nacht, kein Fest, kein Abschied, der Stammtisch war besetzt wie so oft, nicht voll, nicht leer, einfach da, der Wirt stand hinterm Tresen, das Licht war ein bissl heller als sonst, aber keiner sagte was, sie redeten über Kleinigkeiten, über nix, was hängen bleibt, der Karli schaute öfter auf die Uhr, obwohl er keinen Termin hatte, der Sepp trank langsamer, als würde er Zeit strecken, der Wirt sagte irgendwann leise, dass er bald zusperrt, nicht streng, nicht müde, eher sachlich, wie jemand, der eine Entscheidung schon länger kennt, keiner widersprach, keiner fragte nach, sie bestellten noch eine Runde, die letzte, ohne es auszusprechen, die Gläser blieben länger stehen, man trank langsamer, nicht aus Durst, sondern aus Gewohnheit, draußen war es still, drinnen auch, irgendwann stellte der Wirt die Musik ab, wischte den Tresen ein letztes Mal, obwohl er sauber war, der Karli stand auf, der Sepp auch, einer nach dem anderen zog die Jacke an, ohne Schmäh, ohne Versprechen auf morgen, der Wirt nickte jedem zu, sagte danke, und als die Tür ins Schloss fiel, blieb der Stammtisch leer zurück, nicht traurig, nicht wütend, einfach fertig, und erst da verstanden sie, dass manche Sperrstunden nicht für eine Nacht gelten, sondern für immer.
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