Ein letzter Wirt

Der Wirt war schon da, bevor sie gekommen sind, und er war da, wenn sie gegangen sind, er stand hinterm Tresen wie ein Fixpunkt, immer gleich, immer ruhig, er wusste, wer was trinkt, wer zahlt, wer anschreibt und wer heute besser nix mehr bekommt, ohne je viel zu reden, der Karli sagt oft, dass so einer nimmer nachkommt, der Sepp nickt, weil er weiß, dass es stimmt, an diesem Abend steht der Wirt ein bissl länger still, schaut über den leeren Raum, über die Tische, die er kennt wie andere ihre Wohnung, dann sagt er, fast nebenbei, dass es das für ihn war, dass er zusperrt, nicht morgen, nicht übermorgen, sondern bald, keiner lacht, keiner fragt warum, weil jeder weiß, dass das keine Entscheidung von gestern ist, der Wirt zapft noch einmal, stellt die Gläser hin, nicht feierlich, sondern normal, genau so, wie er immer gearbeitet hat, sie trinken, reden wenig, hören viel zu, obwohl keiner spricht, der Wirt wischt den Tresen, langsam, gründlich, so wie immer, nur dass es diesmal länger dauert, beim Gehen bleibt der Karli kurz stehen, sagt danke, der Sepp auch, der Wirt nickt, mehr braucht es nicht, und als sie draußen stehen, wissen sie, dass mit dem Wirt nicht nur ein Gasthaus verschwindet, sondern jemand, der Ordnung gehalten hat, ohne laut zu sein, und dass solche Menschen nicht ersetzt werden, sondern fehlen.





