Der Neue

Er ist einfach dag’sessen, ohne große Ankündigung, der Neue, keiner kannte ihn so recht, er hat sich an den Rand vom Stammtisch gesetzt, ein Bier bestellt und zuerst nur zugehört, was im Wirtshaus immer verdächtig ist, weil wer nix sagt, denkt meistens viel, der Karli hat ihn von der Seite angeschaut, der Sepp hat ihm gleich eine Frage gestellt, wie er heißt und woher er kommt, der Neue hat ruhig geantwortet, nicht ausweichend, aber auch nicht breit, der Franz hat nur genickt, weil er solche Typen kennt, nach dem zweiten Bier hat der Neue dann angefangen mitzureden, sachlich, g’scheit, ein bissl zu g’scheit vielleicht, er wusste bei allem etwas, Politik, Arbeit, früher, heute, sogar beim Fußball hatte er Zahlen parat, und langsam wurde der Tisch stiller, nicht weil’s uninteressant war, sondern weil keiner gern belehrt wird, irgendwann sagte der Karli halblaut, dass früher auch ned alles besser war, aber wenigstens einfacher, der Neue wollte ansetzen, erklären, relativieren, da legte der Wirt ihm die Hand auf den Tisch, nicht grob, nicht streng, nur bestimmt, und sagte ruhig, dass am Stammtisch jeder reden darf, aber keiner Recht haben muss, der Neue schwieg, schaute ins Glas, nickte langsam, und nach einer Weile lachte er und zahlte eine Runde, und ab da war er nicht mehr der Neue, sondern einer von denen, die verstanden haben, dass man im Wirtshaus nicht glänzen muss, sondern bleiben.