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  • 190_Der Mann der unter Wels verschwand

    Die Geschichte – Tag 5

    Die Stimme

    Die Schritte kamen nicht hastig näher, sie waren ruhig, gleichmäßig, fast gelassen, wie die eines Menschen, der keinen Grund zur Eile hat. Ich drehte mich nicht sofort um. Vielleicht, weil ich spürte, dass dieser Moment kein Schreckmoment war, sondern ein Wendepunkt. Als ich mich schließlich langsam umwandte, stand er im Halbdunkel des Raumes, nicht bedrohlich, nicht dramatisch, sondern schlicht da.

    „Du bist also gekommen“, sagte er ruhig.

    Seine Stimme war weder alt noch jung, eher zeitlos, und ich merkte, dass ich keine Angst verspürte, sondern eine eigenartige Klarheit. „Leopold?“, fragte ich, obwohl ich nicht wusste, ob ich diesen Namen wirklich aussprechen wollte.

    Er lächelte leicht. „Man nennt mich so“, antwortete er, und dieser Satz war genug, um zu verstehen, dass hier unten andere Regeln galten als oben im Licht der Stadt.

    Er trat näher, und ich erkannte in seinem Gesicht nichts Sensationelles. Kein Wahnsinn, keine Spuren von Verfall. Nur einen Mann, der eine Entscheidung getroffen hatte. „Die Leute glauben gern, jemand verschwindet“, sagte er ruhig. „Dabei ist es oft einfacher. Man hört nur auf, sichtbar zu sein.“

    Ich dachte an die Geschichte von damals, an das Gerede, an die Suchaktionen, an das allmähliche Verstummen der Fragen. „Warum hier?“, fragte ich.

    Er blickte kurz zur Decke, als würde er durch Ziegel und Pflaster hindurchsehen. „Weil Wels mehr ist als Fassaden“, sagte er. „Es gibt eine zweite Ebene. Nicht geheim. Nur unbeachtet.“

    Er erklärte mir, dass diese Gewölbe nicht für dunkle Geschäfte gedacht waren, sondern für Rückzug, für Gespräche, für Gedanken, die oben keinen Platz fanden. Menschen kamen hierher, wenn sie Klarheit suchten, nicht um zu fliehen, sondern um zu verstehen.

    „Und warum ich?“, fragte ich schließlich.

    Er sah mich lange an, nicht prüfend, eher abwägend. „Weil du stehen geblieben bist“, sagte er ruhig. „Die meisten gehen vorbei.“

    Dieser Satz traf mich mehr als alles andere. Es war keine Auszeichnung, kein Lob. Nur eine Beobachtung.

    In diesem Moment wurde mir klar, dass es nicht um ihn ging. Nicht um sein Verschwinden. Sondern um meine Entscheidung.

    „Morgen“, sagte er leise, „zeige ich dir, warum ich geblieben bin.“

    Und ich wusste, dass ich wiederkommen würde. Nicht aus Neugier. Sondern aus Verantwortung mir selbst gegenüber.

  • 187_Der Mann, der unter Wels verschwand

    Die Geschichte – Tag 2

    Um Punkt 21:17 stand ich beim Ledererturm, und ich fühlte mich ein wenig lächerlich, weil ich einem Stück Papier folgte wie ein Schulbub einer Schnitzeljagd, doch gleichzeitig lag in der Luft etwas Eigenartiges, eine Stille, die nicht zur Uhrzeit passte. Der Turm stand da wie immer, ruhig und schwer, mit jener Gleichgültigkeit alter Mauern, die schon alles gesehen haben und nichts mehr kommentieren.

    Die Uhr auf meinem Handy sprang auf 21:17, und in genau diesem Moment hörte ich ein leises metallisches Klacken, nicht laut genug, um Aufmerksamkeit zu erregen, aber deutlich genug, um nicht überhört zu werden. Ich sah mich um. Niemand reagierte. Niemand schien etwas bemerkt zu haben.

    Am Sockel des Turmes lag ein weiterer Zettel, sauber gefaltet. Ich hob ihn auf. Darauf stand nur ein Satz: „Nicht oben. Darunter.“

    Ich strich mit der Hand über das Mauerwerk, als könnte ich ertasten, was damit gemeint war, und dachte an alte Geschichten über Gänge, Keller, vergessene Verbindungen zwischen Türmen und Toren. Es war nichts Konkretes, nur ein Gedanke, aber er setzte sich fest.

    Als ich später nach Hause ging, wusste ich, dass es am nächsten Abend nicht mehr nur ums Beobachten gehen würde. Wenn es ein Darunter gab, dann würde ich es finden wollen.

    Und zum ersten Mal fragte ich mich, wer diese Zettel wirklich schrieb – und woher er wusste, dass ich kommen würde.

  • 181_Wels Nostalgie

    Alpenjägerkaserne – Alltag mit Geschichte

    Alpenjägerkaserne – Alltag mit Geschichte

    Die heutige Alpenjägerkaserne in Wels geht auf die ehemalige Dragonerkaserne zurück, die im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Sie war Teil der k.u.k. Militärstruktur und beherbergte unter anderem Kavallerieeinheiten. Pferde, Offiziere und militärische Disziplin prägten das Bild dieses Ortes.

    Über Jahrzehnte hinweg veränderte sich die Nutzung, doch die Mauern blieben. Was einst militärischer Standort war, ist heute Teil des zivilen Alltags. Geschichte verschwindet nicht – sie wird leiser.

    Nicht jeder Ort muss spektakulär sein, um Bedeutung zu haben.
    Manche Orte sind einfach da.
    Verlässlich. Beständig.

    Zuhause entsteht nicht durch Architektur.
    Sondern durch das, was wir darin erleben.

  • 160_Die Sonne kommt

    In der Früh war alles noch beim Alten. Grau, kühl, ein Himmel wie ein schlecht gelaunter Buchhalter kurz vor Monatsende. Der Kaffee schmeckte zwar, aber selbst der wollte irgendwie nicht richtig wach machen. Draußen bewegte sich nichts, nicht einmal der Wind hatte Lust auf Überstunden.

    Und dann kam der Wetterbericht. „Ab Nachmittag sonnig.“ Ein Satz, der mehr Hoffnung auslöst als jede Neujahrsvorsatzliste. Plötzlich schaut man öfter aus dem Fenster, als würde man einen verspäteten Besuch erwarten. Vielleicht ist sie ja schon unterwegs, die Sonne. Vielleicht steht sie nur im Stau über Bayern.

    Die Nachbarn reagieren unterschiedlich. Frau Huber hat vorsorglich schon einmal die Gartenstühle herausgestellt. Sicher ist sicher. Der Nachbar gegenüber hat das Auto gewaschen — mutig, denn erfahrungsgemäß regnet es genau dann noch einmal kurz aus Prinzip.

    Ich selbst schwanke zwischen Skepsis und Vorfreude. Man kennt das ja. Oft genug hat uns der Wetterbericht versprochen: „Nur noch Wolkenreste“, und am Ende waren es Wolken mit Hauptwohnsitz.

    Aber irgendwo merkt man es trotzdem. Die Luft riecht anders, die Vögel diskutieren lauter als sonst, und sogar der Hund vom Nachbarn schaut hoffnungsvoll Richtung Himmel, als hätte er persönlich bestellt.

    Vielleicht kommt sie wirklich heute Nachmittag, die Sonne. Ganz langsam, ein bisschen schüchtern, so wie ein Gast, der zuerst durch den Türspalt schaut.

    Und wenn sie dann da ist, passiert das Wunderbare: Die Menschen gehen plötzlich langsamer, reden länger miteinander — und irgendwo wird garantiert schon der erste Grill nervös aus dem Winterschlaf geholt.

  • 151_Wirtshausgeschichten

    Die letzte Sperrstund

    Es war keine besondere Nacht, kein Fest, kein Abschied, der Stammtisch war besetzt wie so oft, nicht voll, nicht leer, einfach da, der Wirt stand hinterm Tresen, das Licht war ein bissl heller als sonst, aber keiner sagte was, sie redeten über Kleinigkeiten, über nix, was hängen bleibt, der Karli schaute öfter auf die Uhr, obwohl er keinen Termin hatte, der Sepp trank langsamer, als würde er Zeit strecken, der Wirt sagte irgendwann leise, dass er bald zusperrt, nicht streng, nicht müde, eher sachlich, wie jemand, der eine Entscheidung schon länger kennt, keiner widersprach, keiner fragte nach, sie bestellten noch eine Runde, die letzte, ohne es auszusprechen, die Gläser blieben länger stehen, man trank langsamer, nicht aus Durst, sondern aus Gewohnheit, draußen war es still, drinnen auch, irgendwann stellte der Wirt die Musik ab, wischte den Tresen ein letztes Mal, obwohl er sauber war, der Karli stand auf, der Sepp auch, einer nach dem anderen zog die Jacke an, ohne Schmäh, ohne Versprechen auf morgen, der Wirt nickte jedem zu, sagte danke, und als die Tür ins Schloss fiel, blieb der Stammtisch leer zurück, nicht traurig, nicht wütend, einfach fertig, und erst da verstanden sie, dass manche Sperrstunden nicht für eine Nacht gelten, sondern für immer.

  • 117_Wels in 46,00 Sek: Messe_Tierpark

    Wels in 46,00 Sekunden heute: Messe_Tierpark Für alle Familien: Es ist kein Eintritt zu bezahlen! 28.000 m2. über 100 verschiedene Tierarten, über 90 Jahre alt!

  • 106_11 Jahre Schülerlotse

    Hier stehe ich seit dem 3.Oktober 2014 als Schülerlotse