Klezi als Lokführer
Schon als Kind wirken Lokomotiven gewaltig. Sie ziehen viele Waggons, bringen Menschen in andere Städte und rollen scheinbar mühelos über unzählige Kilometer Schienen. Heute durfte ich selbst im Führerstand Platz nehmen. Natürlich nur für meine Geschichte – aber sobald die Lokführermütze auf meinem Kopf saß, fühlte sich die Sache erstaunlich ernst an.
Vor mir befand sich ein großes Bedienpult mit Anzeigen, Schaltern, Leuchten und Knöpfen. Manche waren dunkel, andere leuchteten freundlich und einige sahen so aus, als sollte man sie besser nur dann drücken, wenn man wirklich weiß, was man tut. Ich setzte mich gerade hin, legte eine Hand auf den Fahrhebel und blickte konzentriert durch die Frontscheibe. Der Gesichtsausdruck war jedenfalls schon einmal vorschriftsmäßig.
Zuerst kontrollierte ich die Anzeigen. Ich nickte langsam, obwohl mir nicht jede Zahl etwas sagte. Das ist eine bewährte Methode: Wer ruhig nickt, wirkt sofort so, als hätte er alles unter Kontrolle. Danach sah ich nach vorne auf die Gleise. Die Strecke war frei, die Signale passten und nun sollte ich den Fahrhebel vorsichtig bewegen.
Ich schob ihn eine Stufe nach vorne. Ganz langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Kein Ruck, kein Quietschen und zum Glück auch keine Durchsage, dass der neue Lokführer bereits falsch abgebogen sei. Die Landschaft begann am Fenster vorbeizuziehen. Bäume, Häuser und Felder wanderten ruhig an mir vorbei, während ich versuchte, gleichzeitig gelassen und hochkonzentriert auszusehen.
Dabei wurde mir schnell klar, dass ein Lokführer nicht einfach nur vorne sitzt und die Aussicht genießt. Er muss die Strecke beobachten, Signale erkennen, Anzeigen kontrollieren und den Zug sicher führen. Selbst kleine Handgriffe müssen zur richtigen Zeit erfolgen. Ich blickte wieder auf das Bedienpult. Dort leuchtete ein Knopf. Ich drückte ihn einmal vorsichtig mit dem Zeigefinger und legte die Hand wieder zurück. Nichts flog in die Luft. Das wertete ich als großen Erfolg.
Für einen Moment stellte ich mir vor, jeden Tag mit einer Lokomotive unterwegs zu sein. Doch bei jeder Fahrt trägt man Verantwortung für viele Menschen, die sicher ankommen wollen.
Dann kam der Zeitpunkt zum Anhalten. Ich zog den Fahrhebel langsam zurück. Die Landschaft vor dem Fenster wurde gemächlicher, die Gleise schienen langsamer unter uns hindurchzulaufen und schließlich blieb der Zug ruhig stehen. Ich wartete einen Augenblick, kontrollierte noch einmal die Anzeigen und atmete zufrieden aus.
Erst jetzt drehte ich mich zur Kamera. Ich lächelte und hob kurz den Daumen. Die erste Fahrt war geschafft. Kein falsches Gleis, kein übersehener Bahnhof und kein Fahrgast musste wegen mir bis ans Ende der Welt weiterfahren. Für einen Anfänger war das gar nicht schlecht.
Am Ende blieb vor allem Respekt für diesen Beruf. Lokführer brauchen Ruhe, Aufmerksamkeit und Verantwortungsgefühl. Ich durfte erleben, wie besonders der Platz ganz vorne im Zug ist. Heute war ich Lokführer – und sogar Klezi kam pünktlich ans Ziel.
Schreibe einen Kommentar