262_Klezi der Bäcker

Klezi als Bäcker

Heute habe ich mir gedacht: Brot esse ich seit vielen Jahren mit großer Begeisterung. Also müsste ich doch längst wissen, wie man eines macht. Mehl, Wasser, Salz und ein bisschen Hefe – was soll da schon schiefgehen? Genau mit diesem gesunden Selbstvertrauen betrat ich die Backstube und erklärte innerlich bereits meinen ersten Laib zum Meisterwerk.

Zuerst bekam ich die passende Kleidung. Weiße Hose, weiße Jacke, Schürze und eine kleine Bäckerhaube. Im Spiegel sah ich aus, als könnte ich gleichzeitig zehn Semmeln formen und nebenbei noch einen Gugelhupf beraten. Nur meine Hände wussten noch nichts von diesem Talent. Sie ruhten friedlich auf dem Arbeitstisch und warteten darauf, dass ihnen jemand erklärte, was nun zu tun war.

Vor mir lag ein großer Teigklumpen. Ganz still, ganz harmlos und ein wenig blass. Man sagte mir: drücken, falten, drehen und wieder von vorne. Ich legte beide Hände darauf und drückte kräftig nach vorne. Der Teig bewegte sich kaum. Ich drückte noch einmal. Diesmal bewegte er sich – allerdings hauptsächlich in Richtung meiner Finger. Nach wenigen Sekunden trug ich mehr Teig an den Händen als der Tisch vor mir.

Ich versuchte, die klebrige Masse wieder loszuwerden. Je mehr ich mit der einen Hand an der anderen zupfte, desto gerechter verteilte sich der Teig auf beide Hände. Der Teig hatte offenbar beschlossen, kein Brot, sondern ein Paar Handschuhe zu werden. Ich blickte ernst auf meine Finger und sagte ihm, dass wir beide heute noch andere Pläne hätten.

Mit etwas Mehl wurde es besser. Ich drückte den Teig mit den Handballen nach vorne, faltete ihn zusammen und drehte ihn ein Stück. Noch einmal drücken, falten und drehen. Langsam entstand ein Rhythmus. Es fühlte sich beinahe an wie eine Sportart, nur dass der Gegner nicht davonlaufen konnte. Dafür klebte er an mir, was beim Fußball eher selten vorkommt.

Nach einigen Minuten wurde der Teig glatter. Plötzlich sah es tatsächlich so aus, als wüsste ich, was ich tat. Ich arbeitete ruhig weiter und begann bereits zu überlegen, wie ich meine erste Bäckerei nennen könnte. Klezi und seine knusprigen Gedanken wäre vielleicht etwas gewesen. Doch bevor ich das Firmenschild bestellen konnte, kam das nächste kleine Missgeschick.

Ich wollte etwas Mehl auf die Arbeitsfläche streuen. Ein echter Bäcker macht das mit einer lockeren Bewegung aus dem Handgelenk. Ich machte ebenfalls eine lockere Bewegung – nur ein wenig zu locker. Eine weiße Wolke stieg auf und legte sich über Tisch, Schürze und vermutlich auch über meine Zukunft als Meisterbäcker. Für einen Moment sah ich aus, als hätte es in der Backstube geschneit.

Nachdem sich der Mehlnebel verzogen hatte, war der Teig noch da. Das wertete ich als gutes Zeichen. Ich legte beide Hände seitlich an und begann, ihn rund zu formen. Vorsichtig drehte ich ihn über die Arbeitsfläche und schob die Ränder nach unten. Nach und nach entstand ein sauberer runder Laib. Ich klopfte einmal darauf und nickte zufrieden. Er antwortete nicht, aber das tun gute Brote vor dem Backen vermutlich nie.

Dann kam der Laib in den Ofen. Jetzt begann der schwierigste Teil: warten. Durch die Scheibe beobachtete ich, wie der Teig langsam aufging und Farbe bekam. Der Duft von frischem Brot zog durch die Backstube. In diesem Augenblick wusste ich, warum dieser Beruf so besonders ist. Aus wenigen einfachen Zutaten entsteht etwas, das Menschen seit Jahrhunderten miteinander teilen.

Am Ende hielt ich einen knusprigen Laib in den Händen. Er war nicht vollkommen rund und an einer Stelle etwas eigenwillig, aber er war mein Brot. Ich schnitt eine Scheibe ab, kostete und war zufrieden. Kein Türstopper, kein Wurfgeschoss und auch kein Teighandschuh – tatsächlich ein richtiges Brot. Vielleicht bin ich morgen schon wieder etwas anderes – aber heute war ich Bäcker. Und das Beste daran: Meine Arbeit konnte ich anschließend aufessen.

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