GdmLs = Geschichten die mein Leben schrieb

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, denke ich oft an unsere Ferien zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr. Damals brauchten wir weder Handy noch Computer. Ein paar Freunde, schönes Wetter und eine verrückte Idee reichten völlig aus, um einen unvergesslichen Tag zu erleben. Eine unserer Lieblingsideen war das Kartoffelbraten an der Traun.
Schon am Vormittag machten wir uns auf den Weg. Von Lichtenegg ging es über den Mühlbach Richtung Stefansiedlung bis hinunter zur Traun. Der Weg war fast genauso spannend wie das eigentliche Ziel. Unterwegs wurde alles gegessen, was wir fanden. Am Ufer des Mühlbachs wuchsen Obst, Beeren und allerlei Gemüse. Das war unsere Wegzehrung. Hungrig musste damals jedenfalls niemand bleiben. Nur eines brauchten wir unbedingt: Feuer. Irgendwo fanden wir glimmende Glut oder bekamen von jemandem ein brennendes Streichholz. Damit zündeten wir später unser Lagerfeuer an.
An der Traun angekommen, lagen gleich daneben große Kartoffelfelder. Aus heutiger Sicht würde man wohl sagen, dass wir Kartoffeln gestohlen haben. Damals waren wir aber überzeugt, dass bei einem riesigen Feld ein paar Kartoffeln sicher niemandem auffallen würden. Also holte jeder ein paar Stück, wir bauten aus Steinen eine Feuerstelle und schon loderten die Flammen. Die Kartoffeln verschwanden mitten in der Glut. Es dauerte nicht lange, bis sie fertig waren. Die Schale war tiefschwarz und voller Asche, aber das störte uns überhaupt nicht. Noch heute glaube ich, dass ich nie wieder so gute Kartoffeln gegessen habe wie damals am Ufer der Traun.
Nach dem Essen gehörte für uns noch etwas dazu. Irgendjemand hatte einmal den Spruch gehört: „Nach dem Essen sollst du rauchen.“ Also suchten wir uns eine Liane, schnitten ein Stück ab und taten so, als wären wir große Männer. Das Ergebnis war katastrophal. Die Liane brannte höllisch auf der Zunge, schmeckte fürchterlich und brachte uns zum Husten, dass uns fast die Tränen kamen. Natürlich wollte keiner zugeben, dass ihm schlecht wurde. Jeder tat so, als wäre das völlig normal. Schließlich waren wir ja schon groß.
Wenn ich heute daran denke, muss ich herzlich lachen. Aus ein paar Kartoffeln, einem Lagerfeuer und einer dummen Idee entstand einer der schönsten Ferientage meiner Kindheit. Genau solche einfachen Erlebnisse sind es, die man ein Leben lang nicht vergisst.
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