
Geschichten die mein Leben schrieb

Der 500-Schilling-Taunus
Mit achtzehn Jahren gibt es eigentlich nur zwei Dinge, die wirklich wichtig sind: den Führerschein und das erste Auto. Beides hatte ich damals endlich in der Tasche. Mein Schwager verkaufte mir seinen alten Ford Taunus – um unglaubliche 500 Schilling. Das sind heute gerade einmal rund 34 Euro. Viel mehr war das Auto wahrscheinlich auch nicht mehr wert, aber für mich war es der schönste Wagen der Welt.
Unter uns Jugendlichen gab es damals ein ungeschriebenes Gesetz: Wer sein erstes Auto hatte, musste damit nach Salzburg auf einen Kaffee fahren. Warum ausgerechnet Salzburg? Das wusste eigentlich niemand so genau. Man machte es einfach.
Also tankte ich den Taunus, stieg voller Stolz ein und düste los. Schon nach den ersten Kilometern war klar, dass mein neuer fahrbarer Untersatz seine besten Jahre längst hinter sich hatte. Das Auto rüttelte und schüttelte sich bei jeder Bodenwelle, irgendwo klapperte ständig etwas, der Auspuff röhrte wie ein startender Traktor und aus dem Rückspiegel konnte ich beobachten, wie hinter mir gelegentlich kleine Rauchwolken aufzogen.
Während der gesamten Fahrt sprach ich innerlich immer wieder dasselbe Stoßgebet: „Bitte lieber Gott, halte nur bis Salzburg durch … und wieder heim.“
Erstaunlicherweise schaffte der alte Taunus die Hinfahrt tatsächlich. In Salzburg angekommen, gönnte ich mir ganz stolz meinen Kaffee. Wahrscheinlich dauerte der Kaffee länger als die Pause, die das Auto zur Erholung gebraucht hätte.
Dann ging es wieder Richtung Wels. Kilometer für Kilometer kämpfte sich der Taunus tapfer nach Hause. Kurz vor Wels wurde das Rütteln allerdings immer heftiger. Der Motor begann zu stottern, der Auspuff qualmte wie ein altes Dampfschiff und ich wusste: Jetzt ist es so weit.
Mit letzter Kraft brachte mich mein treuer Begleiter noch bis nach Hause. Ich stellte ihn zufrieden vor dem Haus ab und bedankte mich innerlich dafür, dass wir es gemeinsam geschafft hatten.
Am nächsten Morgen wollte ich natürlich gleich wieder losfahren. Voller Zuversicht drehte ich den Zündschlüssel.
Nichts.
Noch einmal.
Nichts.
Ein drittes Mal.
Wieder nichts.
Der alte Ford Taunus hatte offenbar beschlossen: „Meine Aufgabe ist erfüllt. Der Bub war in Salzburg auf seinen Kaffee – jetzt darf ich in Pension gehen.“
So endete die Geschichte meines ersten Autos. Ehrlich gesagt glaube ich bis heute, dass der Taunus nur noch ein einziges Ziel im Leben hatte: mich nach Salzburg und wieder nach Hause zu bringen. Danach verabschiedete er sich mit Würde. Und wenn ich heute daran denke, muss ich lachen. Für 500 Schilling bekam ich nicht nur ein Auto, sondern auch eine Geschichte, die ich mein Leben lang erzählen werde
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