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  • 251_GdmLs_ Ford Taunus

    Geschichten die mein Leben schrieb

    Der 500-Schilling-Taunus

    Mit achtzehn Jahren gibt es eigentlich nur zwei Dinge, die wirklich wichtig sind: den Führerschein und das erste Auto. Beides hatte ich damals endlich in der Tasche. Mein Schwager verkaufte mir seinen alten Ford Taunus – um unglaubliche 500 Schilling. Das sind heute gerade einmal rund 34 Euro. Viel mehr war das Auto wahrscheinlich auch nicht mehr wert, aber für mich war es der schönste Wagen der Welt.

    Unter uns Jugendlichen gab es damals ein ungeschriebenes Gesetz: Wer sein erstes Auto hatte, musste damit nach Salzburg auf einen Kaffee fahren. Warum ausgerechnet Salzburg? Das wusste eigentlich niemand so genau. Man machte es einfach.

    Also tankte ich den Taunus, stieg voller Stolz ein und düste los. Schon nach den ersten Kilometern war klar, dass mein neuer fahrbarer Untersatz seine besten Jahre längst hinter sich hatte. Das Auto rüttelte und schüttelte sich bei jeder Bodenwelle, irgendwo klapperte ständig etwas, der Auspuff röhrte wie ein startender Traktor und aus dem Rückspiegel konnte ich beobachten, wie hinter mir gelegentlich kleine Rauchwolken aufzogen.

    Während der gesamten Fahrt sprach ich innerlich immer wieder dasselbe Stoßgebet: „Bitte lieber Gott, halte nur bis Salzburg durch … und wieder heim.“

    Erstaunlicherweise schaffte der alte Taunus die Hinfahrt tatsächlich. In Salzburg angekommen, gönnte ich mir ganz stolz meinen Kaffee. Wahrscheinlich dauerte der Kaffee länger als die Pause, die das Auto zur Erholung gebraucht hätte.

    Dann ging es wieder Richtung Wels. Kilometer für Kilometer kämpfte sich der Taunus tapfer nach Hause. Kurz vor Wels wurde das Rütteln allerdings immer heftiger. Der Motor begann zu stottern, der Auspuff qualmte wie ein altes Dampfschiff und ich wusste: Jetzt ist es so weit.

    Mit letzter Kraft brachte mich mein treuer Begleiter noch bis nach Hause. Ich stellte ihn zufrieden vor dem Haus ab und bedankte mich innerlich dafür, dass wir es gemeinsam geschafft hatten.

    Am nächsten Morgen wollte ich natürlich gleich wieder losfahren. Voller Zuversicht drehte ich den Zündschlüssel.

    Nichts.

    Noch einmal.

    Nichts.

    Ein drittes Mal.

    Wieder nichts.

    Der alte Ford Taunus hatte offenbar beschlossen: „Meine Aufgabe ist erfüllt. Der Bub war in Salzburg auf seinen Kaffee – jetzt darf ich in Pension gehen.“

    So endete die Geschichte meines ersten Autos. Ehrlich gesagt glaube ich bis heute, dass der Taunus nur noch ein einziges Ziel im Leben hatte: mich nach Salzburg und wieder nach Hause zu bringen. Danach verabschiedete er sich mit Würde. Und wenn ich heute daran denke, muss ich lachen. Für 500 Schilling bekam ich nicht nur ein Auto, sondern auch eine Geschichte, die ich mein Leben lang erzählen werde

  • 245_Zeltkirche Wels-Lichtenegg

    Links das KI Bild, rechts eine Originalaufnahme

    Als Jugendlicher war die Zeltkirche in Wels-Lichtenegg für uns weit mehr als nur ein Gotteshaus. Sie war unser Abenteuerspielplatz. Dieses markante Gotteshaus in Form einer Pyramide wird von vier massiven Betonsäulen getragen, die bis hinauf zur Dachspitze führen. Für uns Burschen war das eine Einladung zum Klettern.

    Immer wieder erklommen wir diese etwa 60 Zentimeter breiten Betonsäulen. Mit Händen und Füßen arbeiteten wir uns Stück für Stück nach oben, bis wir schließlich die Dachspitze erreichten. Je höher wir kamen, desto mutiger fühlten wir uns. Natürlich blieb das dem Pfarrer nicht verborgen. Sobald er uns entdeckte, kam er energisch auf die Kirche zugelaufen und rief, wir sollten sofort herunterkommen.

    Doch wir hatten unseren ganz eigenen Trick. Sobald wir sahen, von welcher Seite der Pfarrer kam, kletterten wir blitzschnell über die Dachspitze auf die andere Seite hinunter. Während der Pfarrer um das ganze Gebäude laufen musste, waren wir längst wieder unten und verschwunden. Er kam einfach nie rechtzeitig auf die andere Seite. Für uns war das damals jedes Mal ein riesiger Spaß.Heute muss ich schmunzeln, wenn ich an diese Zeit zurückdenke. Damals war es für uns ein aufregendes Spiel, heute würde ich wohl jedem Jugendlichen dringend davon abraten. Aber genau solche Erinnerungen machen die eigene Kindheit unvergesslich. Jedes Mal, wenn ich an der Zeltkirche vorbeikomme, sehe ich nicht nur ein außergewöhnliches Bauwerk – ich sehe auch ein Stück meiner Jugend vor mir.