216_Berufe mit Klezi

Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
Heute: Uhrmacher

Heute hab ich mir gedacht, ich werd Tischler. Schließlich hab ich früher schon viel gearbeitet – zwar mehr am Dach als am Holz, aber ein Brett ist ein Brett, hab ich mir gedacht. Also rein in die Werkstatt, Schürze um, Werkzeug geschnappt und los geht’s. Der erste Handgriff hat sich noch gut angefühlt, fast so, als hätte ich das mein Leben lang gemacht, aber spätestens beim Hobeln hab ich gemerkt, dass Holz seinen eigenen Kopf hat. Während ich dachte, ich mach da eine glatte Fläche, hat sich das Brett gedacht: „Heute nicht mit mir.“ Die Späne sind geflogen, aber nicht immer dorthin, wo ich wollte, und irgendwann war mehr am Boden als am Werkstück. Trotzdem, irgendwie hat’s was Beruhigendes gehabt. Dieses gleichmäßige Schieben, das Geräusch vom Holz, und dann dieser Moment, wenn es doch plötzlich glatt wird – da hab ich kurz geglaubt, ich bin ein Naturtalent. Bis ich das Ergebnis gesehen hab. Sagen wir so: Es ist ein Unikat geworden. Aber eines hab ich gelernt: Tischler sein ist nicht nur Handwerk, das ist Gefühl. Und Geduld. Viel Geduld. Morgen probier ich vielleicht was Einfacheres… vielleicht wieder Pensionist.

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