Geschichten die mein Leben schrieb

Mein erster Job – Heizöl statt Taschengeld
Mit zehn oder elf Jahren hatte ich bereits meinen ersten richtigen Job. Damals gab es in den Neubauten in Wels-Lichtenegg fast überall Ölofen. Gegenüber, an der Salzburger Straße, befand sich die Aral-Tankstelle. Dort holten die Leute ihr Heizöl. Das Heizöl wurde an einer eigenen Zapfsäule beim seitlichen Eingang der Tankstelle in Zehn-Liter-Kanister abgefüllt – und ich war ziemlich oft dort.
Wenn Pächter gerade alle Hände voll zu tun hatte, sagte ich zu ihm: „Ich fülle das Heizöl eh selber ab.“ Er schaute mich an, grinste und meinte nur: „Ja super, danke!“ Von da an durfte ich immer öfter mithelfen. Ich füllte die Kanister der Kunden an der Zapfsäule und freute mich jedes Mal, wenn wieder jemand kam.
Ich weiß noch ganz genau: Zehn Liter Heizöl kosteten damals 27 Schilling. Manche Kunden bezahlten die Rechnung und drückten mir zusätzlich noch drei Schilling Trinkgeld in die Hand. Für mich war das fast so, als hätte ich im Lotto gewonnen.
Irgendwann fragte mich der Pächter, ob ich nicht jeden Samstagvormittag mithelfen möchte. Vier Stunden lang stand ich – mitten im Winter, bei eisiger Kälte – an der Zapfsäule und füllte Heizöl für die Kunden ab. Heute würde man wahrscheinlich sagen, das sei Kinderarbeit gewesen. Damals war ich einfach nur stolz, dass man mir diese Verantwortung zutraute.
Das Schönste kam aber am Ende des Vormittags. Der Pächter drückte mir zehn Schilling pro Stunde in die Hand. Das sind nach heutigem Umrechnungskurs gerade einmal rund 73 Cent pro Stunde. Nach vier Stunden steckte ich 40 Schilling ein – das wären heute knapp 2,91 Euro. Wenn ich dann noch ein paarmal drei Schilling Trinkgeld bekam, fühlte ich mich wie der reichste Bub in ganz Lichtenegg.
Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln. Mein erster Job war weder im Büro noch am Computer. Er roch nach Heizöl, kalten Händen und ehrlicher Arbeit. Und obwohl der Lohn aus heutiger Sicht winzig war, fühlte er sich damals an wie ein kleines Vermögen. Genau deshalb ist mir diese Geschichte bis heute in Erinnerung geblieben.
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