Heute wurde aus Klezi ein Gärtner. Ich zog die Arbeitskleidung an, schlüpfte in die Handschuhe und kniete mich vor ein vorbereitetes Blumenbeet. Neben mir standen eine kleine Schaufel, eine Gießkanne und eine Pflanze im Topf. Die Pflanze sah gesund und zuversichtlich aus. Das war gut, denn einer von uns beiden sollte schließlich wissen, was zu tun war.
Zuerst musste die Erde gelockert werden. Ich nahm die Schaufel und begann vorsichtig zu graben. Einmal, zweimal, dreimal. Das Loch wurde größer und die Erde lockerer. Ein kleiner Erdklumpen sprang dabei auf meine Hose. Ein echter Gärtner nennt das vermutlich Berufskleidung. Ich nannte es den ersten Erfolg des Tages und legte die Schaufel rechts neben mir ab.
Nun kam der Pflanzentopf an die Reihe. Ich hielt ihn mit beiden Händen und kippte ihn langsam. Die Pflanze wollte zunächst nicht heraus. Offenbar hatte sie sich an ihre kleine Wohnung gewöhnt. Ich drückte vorsichtig gegen den Topfboden und zog ganz sanft. Schließlich löste sich der Wurzelballen vollständig. Die Pflanze war frei, der Topf leer und ich erleichtert.
Ich setzte sie in das vorbereitete Loch. Für einen Moment stand sie etwas schief und sah aus, als würde sie überlegen, gleich wieder auszuziehen. Also richtete ich sie behutsam aus. Danach schob ich mit beiden Händen die Erde von den Seiten zum Wurzelballen. Ich drückte sie leicht fest, aber nicht zu kräftig. Eine Pflanze braucht Halt, soll sich aber nicht fühlen, als wäre sie einbetoniert.
Als alles passte, lehnte ich mich ein Stück zurück und betrachtete das Ergebnis. Die Pflanze stand gerade, die Erde lag ordentlich rundherum und sogar meine Handschuhe sahen nach richtiger Arbeit aus. Jetzt fehlte nur noch Wasser. Ich nahm die Gießkanne am Griff und stützte sie mit der anderen Hand ab.
Langsam neigte ich die Kanne. Ein kleiner Wasserstrahl floss genau auf die Erde. Das klappte erstaunlich gut. Kein Springbrunnen, keine Überschwemmung und auch meine Schuhe blieben trocken. Nach einigen Sekunden richtete ich die Kanne wieder auf und stellte sie neben mir ab. Die frische Erde war dunkel und feucht geworden.
In diesem Augenblick wurde mir bewusst, wie viel Ruhe in dieser Arbeit steckt. Eine Pflanze wächst nicht schneller, nur weil man ungeduldig danebensteht. Man kann den richtigen Platz wählen, gute Erde geben, gießen und pflegen. Den Rest erledigt die Natur in ihrem eigenen Tempo. Vielleicht gefällt mir das Gärtnern genau deshalb: Man arbeitet heute an etwas, das erst später seine ganze Schönheit zeigt.
Ich wischte etwas Erde von meinem Handschuh und sah die kleine Pflanze noch einmal an. Sie wirkte zufrieden. Zumindest beschwerte sie sich nicht, und das ist bei meiner Arbeit schon ein gutes Zeichen. Dann blickte ich zur Kamera, lächelte und hob den Daumen. Am Ende war das Beet um eine Pflanze reicher und ich um eine Erfahrung. Ich hatte nichts Falsches umgegraben und keinen Gartenschlauch verknotet. Für meinen ersten Tag als Gärtner war das ordentlich. Heute habe ich etwas eingepflanzt, das wachsen darf – und das ist ein schönes Gefühl
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