
Mit 68 Jahren von der Disco zur Apotheke
Heute wurde ich 68 Jahre alt. Wenn ich so zurückdenke, dann hat sich in diesen 68 Jahren einiges verändert. Früher traf man seine Freunde in der Disco oder im Wirtshaus. Dort wurde gelacht, gefeiert, diskutiert und manchmal bis spät in die Nacht über Gott und die Welt gesprochen. Die Musik war laut, die Haare voller und die Knie machten noch jeden Unsinn mit.
Damals dachte man nicht viel über das Älterwerden nach. Mit zwanzig oder dreißig glaubt man ohnehin, dass die Zeit unendlich ist. Die Jahre vergehen dann aber schneller, als man es sich vorstellen kann. Aus den jungen Burschen werden gestandene Männer, aus den wilden Nächten gemütliche Abende und aus den Sorgen von damals werden Geschichten, über die man heute lachen kann.
Heute treffe ich viele meiner alten Freunde oft an einem ganz anderen Ort. Nicht in der Disco und auch nicht immer im Wirtshaus, sondern in der Apotheke. Dort stehen wir mit unseren Rezepten und plaudern über alles Mögliche. Der eine braucht etwas für den Blutdruck, der andere für die Gelenke, und wieder ein anderer hat einen guten Tipp gegen dieses oder jenes Wehwehchen. Man könnte fast meinen, der Stammtisch sei einfach umgezogen.
Dabei fällt mir immer wieder derselbe Gedanke ein: Die Musik ist schlechter geworden, aber die Auswahl an Pillen deutlich größer. Und genau deshalb muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn ich einem alten Bekannten zwischen Hustensaft und Blutdruckmessgerät begegne.
Mit 68 Jahren merkt man natürlich, dass die Uhr nicht stehen bleibt. Aber man lernt auch etwas Wichtiges: Nicht die Anzahl der Jahre entscheidet darüber, wie alt man ist, sondern die Freude am Leben. Solange man noch lachen kann, neugierig bleibt, Pläne schmiedet und morgens mit einer Idee aufwacht, ist noch lange nicht Schluss.
Vielleicht bin ich morgen 68 geworden. In meinem Kopf warten aber noch Bücher, Geschichten, Projekte und genügend Blödsinn, um die nächsten Jahrzehnte zu füllen. Mein großes Ziel sind schließlich 104 Jahre. Da bleibt gar keine Zeit, um alt zu werden.
Und wenn ich morgen auf meinen Geburtstag anstoße, dann denke ich an all die Freunde, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Manche traf ich früher in der Disco, manche im Wirtshaus und manche heute in der Apotheke. Eines ist aber gleich geblieben: Ein gemeinsames Lachen ist bis heute die beste Medizin.
Und wenn mich heute jemand fragt, was ich mit 68 Jahren noch vorhabe, dann kann ich nur lachen. Ich habe noch jede Menge Pläne. Weitere Bücher schreiben, Geschichten erzählen, Fotos machen, Videos drehen, Wels dokumentieren, neue Projekte beginnen und meine Ideen verwirklichen. Manche Menschen zählen in meinem Alter ihre verbleibenden Jahre. Ich zähle lieber die Dinge, die ich noch machen möchte. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich 104 Jahre alt werden will. Nicht weil ich muss, sondern weil ich noch so viel vorhabe. Und solange mir immer wieder neue Ideen einfallen, bin ich noch lange nicht fertig. Die Uhr darf ruhig weiter ihre Runden drehen – ich drehe mich einfach mit.
PS: Falls du mir zum Geburtstag etwas schenken möchtest: Bitte keine Krawatte, keine Socken und keinen Schnickschnack. Ein Duschgel reicht völlig. In meinem Alter freut man sich über Dinge, die man tatsächlich braucht.
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