Schlagwort: Klezi

  • 233_Das Klopfen aus dem Sternhochhaus 1

    4600 – Geheimnisse von Wels

    Das Klopfen aus dem Sternhochhaus – Teil 1

    Es gibt Orte in Wels, an denen fährt man seit Jahren vorbei, ohne ihnen besondere Beachtung zu schenken. Das Sternhochhaus ist so ein Ort. Es steht schon so lange dort, dass es für viele einfach zum Stadtbild gehört. Man sieht es von Weitem, erkennt sofort seine markante Form und fährt weiter. Ehrlich gesagt ging es mir lange Zeit genauso. An diesem Morgen war ich mit meiner Kamera unterwegs, um neue Motive für meine Serie „4600 – Geheimnisse von Wels“ zu suchen. Eigentlich hatte ich gar nichts Besonderes geplant. Ich wollte nur ein paar schöne Fotos machen. Als ich am Kreisverkehr stehen blieb und zum Hochhaus hinaufsah, fiel mir auf, wie eindrucksvoll es eigentlich wirkt. Vor dem strahlend blauen Himmel ragte es weit über die umliegenden Bäume hinaus. Ein Gebäude, das wahrscheinlich jeder Welser kennt – und über das trotzdem kaum jemand spricht. Während ich mehrere Fotos machte, fragte ich mich, wie viele Menschen wohl dort wohnen. Wie viele Geschichten sich hinter den unzähligen Fenstern abgespielt haben. Freude, Streit, Hoffnung, Enttäuschung, Geburtstage, Abschiede – ein ganzes Menschenleben, tausendfach übereinander gestapelt. Von draußen sieht man nur Beton, Balkone und Fenster. Was sich dahinter verbirgt, bleibt für die meisten ein Geheimnis. Ich blieb noch einen Moment stehen und betrachtete das Gebäude. Plötzlich glaubte ich, ein dumpfes Geräusch zu hören.

    Klopf …

    Ich schaute mich um. Ein Auto fuhr vorbei, ein Radfahrer bog um die Kurve, sonst war niemand zu sehen. Dann war das Geräusch wieder da.

    Klopf … klopf …

    Diesmal war ich mir sicher. Das kam nicht von der Straße. Es schien direkt aus der Richtung des Hochhauses zu kommen. Neugier war schon immer eine meiner größten Schwächen. Also steckte ich die Kamera ein und ging langsam auf den Eingang zu. Mit jedem Schritt wurde es ruhiger. Der Verkehr verschwand im Hintergrund, und plötzlich hörte ich zwischen den Klopfgeräuschen eine leise Stimme.

    „Hallo … ist da jemand?“

    Ich blieb stehen. Die Stimme kam eindeutig aus dem Gebäude. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich mir das alles nur einbildete. Doch dann hörte ich wieder das Klopfen. Diesmal lauter. Es schien von einem Kellerfenster zu kommen. Ich trat noch einen Schritt näher.

    Sollte ich wirklich hineingehen?

    Fortsetzung folgt …

  • 232_Die Frau im Mühlbach – Teil 2

    Das Geheimnis in der Tiefe

    Anna hielt den nassen Zettel noch immer in der Hand. „Morgen um sechs Uhr. Tauch tiefer. Alle Antworten warten auf dich.“ Die ganze Nacht fand sie keinen Schlaf. Wer hatte den Zettel geschrieben? Wer beobachtete sie? Und warum wusste jemand von ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit? Noch vor Sonnenaufgang stand sie wieder am Mühlbach. Der Nebel hing tief über dem Wasser, alles war still. Sie legte ihren Notizblock und ihre Uhr wie gewohnt auf die steinerne Ufermauer, atmete einmal tief durch und tauchte ab. Diesmal schwamm sie nicht einfach geradeaus, sondern folgte dem Bach bis an eine Stelle, die ihr trotz zwanzig Jahren täglichem Schwimmen fremd vorkam. Plötzlich bemerkte sie zwischen den Steinen einen schmalen Spalt, aus dem ein schwaches bläuliches Licht schimmerte. Vorsichtig tauchte sie näher und entdeckte einen gemauerten Durchgang, der hinter dichtem Wassergras verborgen lag. Sie zögerte nur einen Augenblick, dann schwamm sie hindurch. Dahinter öffnete sich eine riesige Höhle, erfüllt von glasklarem Wasser. Mitten im Raum stand ein alter steinerner Tisch. Darauf lag eine bronzene Sanduhr. Doch der Sand rieselte nicht nach unten – er floss langsam nach oben. Als Anna die Sanduhr berühren wollte, hörte sie plötzlich eine ruhige Stimme. „Willkommen, Anna. Endlich hast du den Weg gefunden.“ Erschrocken drehte sie sich um. Vor ihr stand ein alter Mann mit schneeweißem Haar, als wäre er schon immer Teil dieser Höhle gewesen. „Seit Jahrhunderten bewacht jemand diesen Ort“, sagte er. „Das Wasser des Mühlbachs entspringt einer Quelle, die nicht nur Leben schenkt, sondern auch Zeit. Jeder Mensch, der hier badet, spürt ihre Kraft. Aber nur alle paar Generationen findet jemand den verborgenen Eingang. Du bist die Nächste.“ Anna verstand plötzlich, warum sie immer länger unter Wasser bleiben konnte. Es war nicht ihre Lunge. Es war das Wasser selbst.

    Der alte Mann lächelte traurig. „Doch jedes Geschenk hat seinen Preis. Wer die Zeit anhalten kann, verliert nach und nach die Erinnerung an sein früheres Leben.“ Anna erschrak. War das der Grund, warum sie sich in den letzten Monaten immer schwerer an manche Erlebnisse ihrer Kindheit erinnern konnte? Plötzlich fiel ihr Blick auf den Tisch. Dort lagen mehrere alte Notizbücher – alle mit unterschiedlichen Namen. Sie blätterte vorsichtig durch eines. Darin standen Tauchzeiten, Beobachtungen und dieselben Fragen, die sie selbst seit Monaten in ihren Notizblock schrieb. Das letzte Buch endete mit einem einzigen Satz: „Ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“ Anna ließ das Buch erschrocken fallen. Der alte Mann nickte nur langsam. „Auch ich habe einmal hier gestanden – vor mehr als zweihundert Jahren.“ Da begriff sie die Wahrheit. Er war gar kein Wächter. Er war der letzte Mensch, der das Geheimnis entdeckt hatte. Anna nahm ihre Sanduhr, schwamm zurück durch den Tunnel und tauchte an der Oberfläche auf. Die Sonne ging gerade auf. Ihre Uhr zeigte, dass sie nur vier Minuten unter Wasser gewesen war. Doch auf dem Kalender ihres Notizblocks stand nicht mehr der 29. Juni. Es war der 29. Juli. Einen ganzen Monat hatte sie unter Wasser verbracht, ohne es zu bemerken. Sie schaute noch einmal zurück auf den ruhigen Mühlbach und flüsterte: „Nein… ich komme nicht mehr zurück.“ Doch tief unten in der klaren Strömung begann das blaue Licht erneut zu leuchten – als würde der Mühlbach bereits auf seinen nächsten Besucher warten.

  • 230_Fernheizkraftwerk Wels

    Galerie

    Ein Stück Welser Geschichte verschwindet – und lebt trotzdem weiter.

    Wo früher Energie für Wels erzeugt wurde, arbeiten heute die Bagger. Das Welser Fernheizkraftwerk, das 1959 in Betrieb ging und bis 2022 zuverlässig Wärme und Energie lieferte, wird derzeit abgetragen.

    Was viele nicht wissen: Das Kraftwerk endet nicht als Schrott. Es wurde in das rund 8.000 Kilometer entfernte Kasachstan verkauft und soll dort wieder aufgebaut und weiter genutzt werden. Ein außergewöhnliches zweites Leben für eine Anlage, die über sechs Jahrzehnte Teil der Welser Stadtgeschichte war.

    Ich finde solche Momente faszinierend. Mit einem Foto hält man Geschichte fest – denn schon bald wird hier nichts mehr an das frühere Kraftwerk erinnern.

    📸 Habt ihr noch Erinnerungen an das Welser Fernheizkraftwerk oder sogar alte Fotos davon? Zeigt sie gerne in den Kommentaren!

    #Klezi #Wels #Fernheizkraftwerk #Zeitgeschichte #Fotografie #Erinnerungen #www_klezi_com

  • 229_Berufe_mit Klezi_Postler

    Heute habe ich beschlossen, mich als Postler zu versuchen. Schließlich kann es ja nicht so schwierig sein, dachte ich mir. Ein paar Briefe einstecken, ein paar Pakete ausliefern, freundlich grüßen und am Ende des Tages wieder heimfahren. So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt.

    Schon nach wenigen Minuten musste ich feststellen, dass meine Theorie mit der Realität ungefähr so viel gemeinsam hatte wie ein Papierflieger mit einem Jumbojet. Vor mir lag ein großer Stapel Briefe, dazu Pakete in allen Größen und Formen. Manche Häuser hatten die Hausnummer direkt am Eingang, andere hatten sie irgendwo hinter einem Blumentopf versteckt. Wieder andere schienen die Hausnummer überhaupt nur aus Tradition zu besitzen.

    Mit meinem Fahrrad machte ich mich auf den Weg. Anfangs lief alles wunderbar. Die ersten Briefe fanden ihren Platz im Postkasten und ich fühlte mich bereits wie ein erfahrener Zusteller. Doch dann begann das Chaos. Ein Brief wollte zur Nummer 14, die Nummer 14 lag aber zwischen der Nummer 8 und der Nummer 27. Zumindest kam es mir so vor. Während ich noch rätselte, ob ich mich verlaufen hatte oder die Straße einfach ihren eigenen Sinn für Humor besaß, beobachtete mich ein kleiner Hund neugierig von einem Gartenzaun aus.

    Wenig später stand ich vor einem Paket, das ungefähr die Größe eines Kühlschranks hatte. Ich fragte mich ernsthaft, was die Leute heutzutage alles bestellen. Vielleicht war es ein Kühlschrank. Vielleicht aber auch nur ein besonders großer Toaster. Man weiß ja nie.

    Trotz aller Hindernisse arbeitete ich mich von Haus zu Haus vor. Die Menschen waren freundlich, manche freuten sich über ihre Pakete sogar mehr als über Besuch. Besonders eine ältere Dame strahlte übers ganze Gesicht, als ich ihr ein Päckchen überreichte. In diesem Moment verstand ich, warum dieser Beruf so wichtig ist. Der Postler bringt nicht nur Briefe und Pakete, sondern oft auch ein kleines Stück Freude.

    Am Ende des Tages war ich zwar müde, aber auch ein wenig stolz. Alle Briefe waren zugestellt, alle Pakete angekommen und ich hatte großen Respekt vor den Menschen gewonnen, die diesen Beruf täglich ausüben.

    Als ich mein Fahrrad abstellte, sagte ich zu mir selbst: „Klezi, du bist vielleicht kein richtiger Postler geworden, aber für einen Tag hast du dich gar nicht so schlecht geschlagen.“

    Und falls morgen irgendwo ein Brief verspätet ankommt, dann hoffe ich, dass ich nicht daran schuld bin. Man weiß ja nie. Vielleicht sucht die Hausnummer 14 noch immer ihren Platz zwischen der 8 und der 27.

    Mehr lustige Geschichten und viele weitere Berufe findest du auf www.klezi.com – die herrlichste Art der Zeitverwendung.

  • 228_Berufe mit Klezi, Baggerfahrer

    Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los

    Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach

    Als Kind war ich immer fasziniert von Baggern. Während andere auf schnelle Autos schauten, blieb ich stehen, wenn irgendwo eine Baustelle war. Da konnte ich stundenlang zusehen, wie ein Baggerfahrer mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit ganze Erdhaufen versetzte.

    Heute bin ich Pensionist und habe endlich Zeit für Dinge, die früher oft zu kurz kamen. Und manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, selbst einmal in so einer großen Baumaschine zu sitzen.Frühmorgens rolle ich mit meinem gelben Bagger auf die Baustelle. Die Arbeiter nicken respektvoll. Schließlich bin ich nicht irgendein Baggerfahrer – ich bin Pensionisten-Baggerfahrer. Da wird nichts überstürzt. Erst einmal ein Kaffee, dann eine kleine Lagebesprechung und anschließend wird mit höchster Präzision gearbeitet.Langsam hebt sich die Schaufel. Zentimeter für Zentimeter. Die jungen Kollegen wundern sich über das gemütliche Tempo. Doch am Abend stellen sie fest: Der Graben ist fertig, kein Rohr beschädigt und kein Stein am falschen Platz. Erfahrung schlägt Geschwindigkeit.

    Und wenn mich jemand fragt, warum ich mit fast siebzig noch Bagger fahre, dann antworte ich ganz einfach:

    „Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach.“

  • 227_Das Fahrrad mit 16 eckigen Rädern

    Klezi und das Fahrrad mit 16 eckigen Rädern

    Klezi war schon immer ein Mensch gewesen, der die Dinge etwas anders sah als alle anderen. Während sich die meisten Leute darüber freuten, wenn etwas einfach, praktisch und bequem funktionierte, fragte sich Klezi meistens, ob man es nicht noch komplizierter machen könnte. So saß er eines Morgens vor seiner Werkstatt und betrachtete sein altes Fahrrad. Es hatte zwei ganz gewöhnliche runde Räder und fuhr seit Jahren ohne Probleme. Genau das störte ihn. „Jeder fährt mit runden Rädern herum“, murmelte er vor sich hin. „Wo bleibt da die Kreativität?“

    Je länger er darüber nachdachte, desto mehr ließ ihn die Idee nicht mehr los. Noch am selben Tag verschwand er in seiner Werkstatt. Es wurde gesägt, gehämmert, geschraubt und geflucht. Die Nachbarn hörten seltsame Geräusche, wagten sich aber nicht näher heran, denn sie wussten aus Erfahrung, dass bei Klezi meist etwas Ungewöhnliches entstand. Nach mehreren Tagen harter Arbeit öffnete sich schließlich das Werkstatttor. Stolz schob Klezi sein neuestes Meisterwerk ins Freie: ein Fahrrad mit sechzehn eckigen Rädern.

    Die Nachbarn versammelten sich sofort. Frau Huber hielt sich erschrocken die Hände vor das Gesicht, während Herr Meier sein Fernglas holte, um das Wunderwerk genauer betrachten zu können. „Das kann doch niemals funktionieren!“, rief jemand aus der Menge. Klezi grinste nur, setzte sich auf den Sattel und legte die Hände an den Lenker. „Natürlich funktioniert es. Fast rund ist schließlich auch rund.“

    Dann trat er in die Pedale. Das Fahrrad setzte sich tatsächlich in Bewegung. Allerdings nicht ganz so elegant wie die gewohnten Fahrräder. Es rumpelte, holperte und klapperte über das Pflaster, als würde eine Waschmaschine voller Ziegelsteine die Straße entlangfahren. Bei jeder Umdrehung hüpfte Klezi ein wenig aus dem Sattel, doch sein Grinsen wurde immer breiter. Die Kinder liefen begeistert hinter ihm her, während die Erwachsenen zwischen Lachen und Staunen nicht mehr wussten, was sie von der Erfindung halten sollten.

    Nach einer Runde durch den Ort kam Klezi wieder zurück. Seine Haare standen in alle Richtungen, seine Jacke war verrutscht und seine Zähne klapperten noch ein wenig nach. „Und? Wie fährt es sich?“, fragte Frau Huber neugierig. Klezi stieg ab, streckte sich kurz und antwortete: „Hervorragend! Andere bezahlen viel Geld für eine Rückenmassage. Bei meinem Fahrrad bekommt man sie kostenlos dazu.“

    Die Zuschauer lachten, und selbst die größten Zweifler mussten zugeben, dass die Erfindung zumindest unterhaltsam war. „Wirst du jetzt wieder normale Räder montieren?“, fragte Herr Meier. Klezi schüttelte entschieden den Kopf. „Natürlich nicht. Das war erst der Anfang. Ich arbeite bereits am Nachfolgemodell.“

    „Und was ist daran besonders?“

    Klezi zwinkerte verschwörerisch. „Die neuen Räder bekommen vierundsechzig Ecken. Fortschritt muss schließlich sein.“

    Seit diesem Tag weiß jeder im Ort, dass ein lautes Rumpeln auf der Straße nichts Gefährliches bedeutet. Es ist nur Klezi, der wieder einmal mit einer seiner Erfindungen unterwegs ist. Und auch wenn niemand so genau weiß, ob seine Ideen genial oder verrückt sind, sind sich doch alle einig: Mit Klezi wird es niemals langweilig.

  • 224_Berufe mit Klezi

    Heute Feuerwehrmann

    Heute war ich Feuerwehrmann. Früher hab ich höchstens daheim den Griller gelöscht, wenn die Würstel schon wieder aussahen wie Kohlebriketts.

    Aber heute stand ich plötzlich mitten vor einem brennenden Haus – mit Helm, Uniform und einem Wasserschlauch in der Hand, der mehr Druck hatte als manche Diskussion beim Frühschoppen.

    Die jungen Kollegen waren motiviert bis in die Haarspitzen. Einer ist an mir vorbeigelaufen und hat gerufen: „Schnell, Wasser marsch!“ Ich hab zuerst geglaubt, der Marsch heißt wirklich so und hab nach der Musikkapelle gesucht.

    Aber ehrlich: Feuerwehrleute verdienen größten Respekt. Während andere davonlaufen, laufen die genau hinein. Hitze, Rauch und Chaos – und trotzdem behalten sie einen kühlen Kopf. Ich hingegen war schon nervös, weil ich nicht wusste, wie man mit den Handschuhen das Handy entsperrt.

    Am Ende war das Feuer gelöscht und ich komplett nass. Nicht wegen den Flammen… sondern weil ich beim Zurückdrehen vom Schlauch ungefähr mich selbst gelöscht hab.

  • 222_Noch 14 Tage

    1. Lustiger Wunsch: Ich wünsche mir ein Oldtimer-Cabrio für einen ganzen Tag inklusive Chauffeur.
      Hauptsache der Fahrer verfährt sich nicht und ich muss selber fahren.
      Ernster Wunsch: Ich wünsche mir, dass ein ehrliches „Wie geht’s dir?“ wieder etwas bedeutet.
      Oft braucht ein Mensch nur ein paar ehrliche Worte.
      Wichtigster Wunsch: Gesund bleiben.
  • 221_Noch 15 Tage

    Lustiger Wunsch: Ich wünsche mir ein eigenes Straßenschild: „Klezi-Gasse – nur für Originale“.
    Vielleicht verirrt sich dann endlich jemand absichtlich zu mir.
    Ernster Wunsch: Ich wünsche mir, dass Menschen wieder mehr miteinander reden statt nur übereinander.
    Denn viele Probleme würden mit einem normalen Gespräch kleiner werden.
    Wichtigster Wunsch: Gesund bleiben.

    1. 220_Countdown

      Warum ich 104 Jahre alt werden will

      Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und plötzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. Ich wollte einfach in meinem Leben insgesamt 25 Bücher schreiben. Und dafür brauchte ich Zeit. Viel Zeit. Also sagte ich irgendwann halb scherzhaft zu mir selbst: „Klezi, du musst mindestens 104 werden, sonst bringst du deine Projekte niemals unter einen Hut.“ Erst Jahre später, als ich Herrn Gutmann kennenlernte, verstand ich plötzlich, warum es ausgerechnet diese Zahl geworden war.

      Vor ungefähr zehn Jahren verbrachte ich öfter Zeit in einem Altenheim. Wir spielten Karten, redeten, lachten oder saßen einfach zusammen. Und eines Tages setzte sich ein älterer Herr zu unserer Runde. Ein schmaler Mann mit freundlichen Augen und diesem besonderen Blick, den nur Menschen haben, die viel erlebt haben. Nennen wir ihn einfach Herrn Gutmann.

      Er war früher Lokführer. Einer von diesen alten Eisenbahnern, die Geschichten erzählen konnten, bei denen man plötzlich selber das Pfeifen einer Dampflok hörte. Obwohl er schon weit über neunzig war, hatte er etwas Jugendliches an sich. Nicht äußerlich. Sondern im Kopf. Einmal zeigte jemand auf sein Handy und sagte scherzhaft: „Na Herr Gutmann, rechnen S’ des einmal im Kopf aus.“ Während wir anderen noch auf die Taschenrechner starrten, hatte er das Ergebnis längst gesagt. Und zwar richtig. Immer richtig. Schneller als wir alle zusammen. So entstand langsam eine Freundschaft. Jedes Mal wenn ich ins Heim kam, war Herr Gutmann irgendwo dabei und hatte irgendeinen Schmäh auf Lager.

      Einmal fragte ich ihn: „Herr Gutmann, was machen S’ eigentlich, dass S’ so alt werden? Jeden Tag ein Glas Rotwein?“ Er grinste nur und sagte: „Nein. Jeden Abend ein Glas Bier vorm Fernseher. Außer es sitzt eine schöne Frau neben mir… dann wird’s halt manchmal a zweites.“ So war er. Mit fast hundert Jahren noch voller Humor. Und dann passierte dieser kleine Auffahrunfall direkt beim Altenheim. Er war mit dem Auto leicht gegen einen Betonbegrenzungsstein gefahren. Nichts passiert. Wirklich gar nichts. Danach gab er freiwillig seinen Führerschein ab. Die Leute sagten sofort: „Des is gscheid. In dem Alter sollt ma eh nimma fahren.“ Herr Gutmann schaute sie an und sagte trocken: „Autofahren könnt i eh noch. Aber i hab ma beim Unfall den Ellbogen verstaucht. Jetzt kann i nimma Ziehharmonika spielen.“

      Ich glaube, genau in diesem Moment wurde er endgültig mein Idol. Dieser Mann jammerte nie über sein Alter. Er lebte einfach weiter. Mit Humor. Mit Interesse. Mit Neugier. Einmal kam er ganz ernst zu mir und sagte: „Klezi… i brauch a Freundin.“ Ich musste lachen. „Herr Gutmann, mit fast hundert?“ Er nickte nur. „Freilich. Aber i hab a Problem.“ „Welches denn?“ Dann sagte er einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe: „Die Damen mit siebzig oder achtzig wollen mi net. Die sagen alle: ‚Du lebst eh nimma lang.‘“ Und dann grinste er wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ausgerechnet er oft derjenige war, der die manchmal verwirrten Bewohner wieder in ihre richtigen Zimmer brachte.

      Genau dieser Humor, diese Leichtigkeit und diese Art, das Leben trotz allem nicht aufzugeben, war etwas Besonderes. Später hörte ich vom Tod meines alten Freundes. 104 Jahre alt wurde er. Und genau in diesem Moment verstand ich plötzlich meine eigene verrückte Zahl. Seit damals denke ich manchmal: Vielleicht geht es gar nicht darum, möglichst alt zu werden. Vielleicht geht es darum, neugierig zu bleiben, zu lachen, Geschichten zu erzählen, Menschen Freude zu machen und sich niemals ganz alt zu fühlen. Darum möchte ich 104 werden. Nicht wegen der Zahl. Sondern wegen dem Leben dazwischen.