klezicom_blog
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127_Wirtshausgeschichten
Wenn der Wirt die Zeitung weglegt

Der Abend lief ruhig dahin, wie so viele, der Stammtisch war besetzt, die Gespräche leicht, ein bissl Arbeit, ein bissl Sudern, nichts Besonderes, der Wirt stand hinterm Tresen und las Zeitung, so wie immer, halb interessiert, halb Gewohnheit, doch dann legte er sie langsam zusammen, ganz ordentlich, und genau das merkten alle, weil wenn der Wirt die Zeitung weglegt, dann ist etwas im Raum, das schwerer ist als ein Schmäh, der Sepp hörte auf zu reden, der Karli stellte das Glas ab, der Franz schaute auf, der Wirt sagte nichts, aber sein Blick ging einmal rund um den Tisch, und irgendwann sagte er leise, dass der alte Hansi gestorben ist, einfach so, gestern Nacht, Herz, keiner hatte es kommen sehen, es wurde still, nicht schockiert, sondern leer, weil jeder von ihnen wusste, wie oft der Hansi genau dort gesessen war, wie oft er gezahlt hatte, wie oft er gegangen war mit dem Satz „bis morgen“, der Wirt stellte ein Schnapsglas in die Mitte, ohne zu fragen, ohne Kommentar, sie tranken schweigend, und in diesem Moment verstand jeder, dass ein Wirtshaus nicht laut trauert, sondern gemeinsam, und dass es Dinge gibt, über die man nicht redet, sondern die man aushält, zusammen, bis der Abend weitergeht, langsamer als vorher.
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121_Wirtshausgeschichten
Der Neue

Er ist einfach dag’sessen, ohne große Ankündigung, der Neue, keiner kannte ihn so recht, er hat sich an den Rand vom Stammtisch gesetzt, ein Bier bestellt und zuerst nur zugehört, was im Wirtshaus immer verdächtig ist, weil wer nix sagt, denkt meistens viel, der Karli hat ihn von der Seite angeschaut, der Sepp hat ihm gleich eine Frage gestellt, wie er heißt und woher er kommt, der Neue hat ruhig geantwortet, nicht ausweichend, aber auch nicht breit, der Franz hat nur genickt, weil er solche Typen kennt, nach dem zweiten Bier hat der Neue dann angefangen mitzureden, sachlich, g’scheit, ein bissl zu g’scheit vielleicht, er wusste bei allem etwas, Politik, Arbeit, früher, heute, sogar beim Fußball hatte er Zahlen parat, und langsam wurde der Tisch stiller, nicht weil’s uninteressant war, sondern weil keiner gern belehrt wird, irgendwann sagte der Karli halblaut, dass früher auch ned alles besser war, aber wenigstens einfacher, der Neue wollte ansetzen, erklären, relativieren, da legte der Wirt ihm die Hand auf den Tisch, nicht grob, nicht streng, nur bestimmt, und sagte ruhig, dass am Stammtisch jeder reden darf, aber keiner Recht haben muss, der Neue schwieg, schaute ins Glas, nickte langsam, und nach einer Weile lachte er und zahlte eine Runde, und ab da war er nicht mehr der Neue, sondern einer von denen, die verstanden haben, dass man im Wirtshaus nicht glänzen muss, sondern bleiben.

