Autor: Klezi

  • 115_WG_Karli sei Oide

    Wirtshausgeschichten von Früher

    Es war einer von diesen Abenden, wo man schon beim Reingehen gespürt hat, dass heute nix ruhig bleibt, der Karli saß wie immer leicht schief am Stammtisch, das dritte Bier vor sich, den Blick zu lang auf den Sepp gerichtet, der Sepp war gut drauf, vielleicht zu gut, lachte viel, redete noch mehr und legte der Oidn vom Karli beim Lachen einmal zu oft die Hand auf den Arm, der Franz murmelte noch „host du des g’sehn“, der Wirt nickte nur und zapfte weiter, weil er wusste, wie das im Wirtshaus läuft, der Karli hielt’s nimmer aus, stand auf, sagte nix, und dann ging’s schnell, a paar Watschn, mehr aus Eifersucht als aus Wut, mehr gekränkt als brutal, die Oide schrie, der Sepp wich zurück, der Stammtisch stand auf, aber keiner griff sofort ein, nicht aus Feigheit, sondern weil man im Wirtshaus weiß, dass man zuerst schaut, ob sich’s selber regelt, der Wirt stellte ein Bier vor den Karli, dann eines vor den Sepp und eines vor die Oide und sagte nur ruhig „setzt’s eich, jetzt red ma“, und sie redeten, laut, ungeschickt, mit vielen Pausen und noch mehr Bier, nix war wirklich gelöst, aber alles war gesagt, der Karli setzte sich wieder, der Sepp auch, die Oide trank ihr Bier aus und sagte leise, aber klar „i bin ka Besitz“, keiner lachte, aber alle nickten, und wie’s im Wirtshaus halt is, redeten sie eine Stunde später über Fußball, der Tisch blieb ganz, die Gläser auch, und irgendwer meinte noch „zahlst die nächste Runde, Karli“, und der Karli zahlte, wie immer.

  • 110_Stammtisch

    Der Tisch, der warten kann

    Der Stammtisch stand immer links, gleich neben dem Kachelofen.
    Ein schweres Ding aus dunklem Holz, zerkratzt von Jahrzehnten, mit Brandflecken von Zigaretten, die längst verboten sind, und Kerben, von denen keiner mehr wusste, wer sie hineingeschlagen hatte.
    „Des war sicher der Franz“, sagte man.
    Und der Franz sagte: „I war des nie – i hau ned daneben.“

    „Gehma zum Wirtn“, sagte man früher nicht, weil man Hunger hatte.
    Man sagte es, weil man reden musste. Oder weil daheim wer wartete, der auch reden wollte – und das war oft schlimmer.

    Man redete über die Arbeit, über den Chef, über die Politik.
    „Die Politiker san alle gleich“, sagte der Sepp.
    „Na“, sagte der Hansi, „früher san’s wenigstens no schlechter gwesen.“
    Dann wurde gestritten, gesudert, geschimpft – so laut, dass der Wirt nur mehr den Kopf schüttelte und meinte:
    „Wenn des Denken wehtat, warat’s heut a ruhiger Abend.“

    Die Fetzen flogen. Einer stand auf, schlug auf den Tisch und sagte:
    „Mit dir red i nimmer!“
    Der andere antwortete:
    „Passt. No a Bier?“
    Und zehn Minuten später tranken sie wieder zusammen, weil man sich zwar ärgerte, aber nicht trennte.

    Der Wirt wusste, wann er nachzuschenken hatte und wann er lieber weggehen sollte.
    „Noch eins?“, fragte er.
    „Jo“, sagten alle.
    „Aber nur a Kleines.“
    Es wurde ein Großes. Wie immer.

    Heute steht der Tisch oft leer.

    Das Wirtshaus gibt es noch, aber man geht hinein wie in ein Bankinstitut. Man rechnet.
    „Des kostet wos?“
    „Ja.“
    „Dann sans mir z’teier.“
    Und daheim is dann die Tiefkühlpizza um drei Euro – aber halt ohne Gespräch, dafür mit Stille.

    Zeit haben wir auch keine mehr.
    Arbeit, Termine, Freizeitstress.
    Wir laufen den ganzen Tag und wundern uns am Abend, warum wir nirgends angekommen sind.

    Gesudert wird heute online.
    Da kann man streiten, ohne dem anderen ins Gesicht zu schauen.
    Praktisch.
    Und feig.

    Früher hat man sich nach dem Streit wenigstens noch ins Aug geschaut.
    Und wenn gar nix mehr ging, sagte einer:
    „Du host recht.“
    Und alle wussten: Er hatte keine Lust mehr zu diskutieren.

    Wohin führt uns dieser Weg?

    Vielleicht sitzen wir in fünf Jahren noch immer nebeneinander – aber jeder schaut auf sein eigenes Kastl.
    In zehn Jahren erzählen wir, dass es früher einmal Wirtshäuser gab, wo man gelacht hat, gestritten hat und trotzdem beieinander blieb.
    Und in fünfundzwanzig Jahren stehen wir vor einem alten Gasthaus, lesen „Zu verpachten“ am Fenster und sagen:
    „Schad drum.“
    Und gehen weiter.

    Ob wir unser Leben verändern? Sicher.
    Ob zum Besseren?
    Wie sagte der alte Wirt immer:
    „Solang’s Bier no schaumt, is ned alles verloren.“

    Der Stammtisch würde noch stehen.
    Er hätte Zeit.
    Er würde warten.

    Man müsste nur wieder sagen:
    „Gehma zum Wirtn.“

  • 109_Eine Idee für eine bessere Welt?

    Nach längerer Überlegung kam ich auf diese Idee.

    Heute starte ich mit Post 1/1

  • 108_Die Sinnlosigkeit eines Krieges

    Manchmal fragt man sich, wie es überhaupt so weit kommen kann. Da sitzen irgendwo Menschen an großen Tischen, zeichnen Linien auf Landkarten und beschließen, dass andere für ihre Entscheidungen sterben sollen. Und plötzlich stehen wir wieder vor denselben Tragödien, die die Menschheit seit Jahrhunderten verfolgt: zerstörte Städte, zerbrochene Familien, Tränen, die nie versiegen.

    Im Krieg gibt es keine Gewinner. Es gibt nur Menschen, die verlieren: Kinder, die ihre Eltern nie wiedersehen. Frauen, die auf Nachricht warten, die nie kommen wird. Mütter, die ein Foto umklammern, als wäre es das letzte Stück Wärme, das ihnen bleibt. Und Männer, die an die Front geschickt werden, obwohl ihr größter Wunsch vielleicht einfach nur ein friedlicher Abend zuhause gewesen wäre.

    Das Absurde daran ist: Auf beiden Seiten stehen Menschen, die sich niemals etwas getan haben. Menschen, die dieselben Hoffnungen, dieselben Sorgen, dieselben Ängste teilen. Und doch sollen ausgerechnet sie gegeneinander kämpfen. Für was? Für wen?

    Wer hat das Recht, andere in einen Krieg zu schicken? Wer nimmt sich heraus, über Leben und Tod Unschuldiger zu entscheiden?

    Kriege entstehen in Köpfen — und dort könnten sie auch enden. Wenn wir endlich begreifen, dass Menschlichkeit nie Feind sein darf. Dass Frieden nicht verordnet werden kann, sondern gelebt werden muss. Und dass kein Konflikt der Welt so wichtig ist, dass dafür ein einziges Leben geopfert werden dürfte.

    Am Ende bleibt nur die Erkenntnis: Krieg ist Wahnsinn. Und wir alle tragen die Verantwortung, ihn nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

  • 106_11 Jahre Schülerlotse

    Hier stehe ich seit dem 3.Oktober 2014 als Schülerlotse