Schlagwort: Historie

  • 238_Marienwarte Teil 4

    Die Marienwarte heute

    Mehr als 130 Jahre sind vergangen, seit die Marienwarte am Reinberg feierlich eröffnet wurde. Sie hat zwei Weltkriege, politische Veränderungen und den Wandel der Zeit überstanden. Generationen von Welserinnen und Welsern sind die 145 Stufen hinaufgestiegen, um den herrlichen Blick über ihre Heimat zu genießen.

    Auch heute hat die Marienwarte nichts von ihrem besonderen Charme verloren. Wer den Reinberg besucht, spürt sofort die Ruhe dieses Ortes. Zwischen den alten Bäumen eröffnet sich ein einzigartiger Ausblick über Wels bis hin zu den Alpen – genau jener Blick, der schon die Erbauer im Jahr 1892 begeisterte.

    Wenn man vor der Marienwarte steht, denkt man unweigerlich an die vielen Menschen, die an ihrer Entstehung beteiligt waren. Mit viel Einsatz, handwerklichem Können und Weitblick schufen sie ein Bauwerk, das bis heute eines der schönsten Wahrzeichen unserer Region ist.

    Für mich ist die Marienwarte weit mehr als nur ein Aussichtsturm. Sie erzählt ein Stück Welser Geschichte und erinnert daran, wie wichtig es ist, unsere Heimat zu kennen, zu schätzen und für kommende Generationen zu bewahren.

    Mit dieser kleinen vierteiligen Serie wollte ich die Geschichte der Marienwarte wieder ein Stück lebendig werden lassen. Vielleicht regt sie den einen oder anderen an, selbst einmal den Reinberg zu besuchen und den Ausblick zu genießen, der seit über einem Jahrhundert Menschen begeistert.

    Denn Geschichte lebt nicht nur in Büchern – sie lebt an den Orten, an denen sie geschrieben wurde.

  • 237_Marienwarte Teil 3

    Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf der Marienwarte

    Nur wenige Wochen nach der feierlichen Eröffnung erhielt die Marienwarte hohen kaiserlichen Besuch. Am 22. September 1892 bestieg Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi, den Reinberg und die neue Marienwarte. Die sportliche Kaiserin liebte ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen und genoss den herrlichen Ausblick über Wels und das Alpenvorland.

    Nur wenige Monate später, am 3. Dezember 1892, besuchte auch Kaiser Franz Joseph I. gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Erzherzog Franz Salvator die Marienwarte. Der Kaiser zeigte sich vom Bauwerk und von der großartigen Aussicht beeindruckt und würdigte die Arbeit des Verschönerungsvereins.

    Beide Besuche waren für Wels eine große Ehre und machten die Marienwarte schon kurz nach ihrer Eröffnung weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Eintragungen von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph im Gästebuch der Marienwarte sind bis heute erhalten und erinnern an diese besonderen Momente der Welser Geschichte.

  • 236_Marienwarte Teil 2

    Teil 2 – Die Bauzeit der Marienwarte

    Nach der Entscheidung für den Standort am Reinberg begannen im Jahr 1891 die Bauarbeiten. Für die damalige Zeit war der Bau eines rund 20 Meter hohen Aussichtsturms eine beachtliche Leistung. Moderne Baumaschinen gab es noch nicht. Jeder Ziegelstein, jeder Holzbalken und jedes Werkzeug mussten mühsam mit Pferdefuhrwerken zur Baustelle gebracht werden.

    Steinmetze, Maurer und Zimmerleute arbeiteten Hand in Hand. Mit einfachen Hilfsmitteln, viel Erfahrung und großem handwerklichem Können wuchs die Marienwarte Woche für Woche in die Höhe. Holzgerüste umgaben den Turm, während Schubkarren, Flaschenzüge und Leitern den Arbeitsalltag bestimmten.

    Der Verschönerungsverein verfolgte den Bau mit großem Interesse. Für die Menschen in Wels entstand nicht einfach nur ein Aussichtsturm – es entstand ein neues Wahrzeichen, das den Bürgerinnen und Bürgern viele Generationen lang Freude bereiten sollte.

    Als die letzten Ziegel vermauert und die Turmspitze fertiggestellt war, war klar: Der Reinberg hatte ein neues Wahrzeichen erhalten.