
In der Früh war alles noch beim Alten. Grau, kühl, ein Himmel wie ein schlecht gelaunter Buchhalter kurz vor Monatsende. Der Kaffee schmeckte zwar, aber selbst der wollte irgendwie nicht richtig wach machen. Draußen bewegte sich nichts, nicht einmal der Wind hatte Lust auf Überstunden.
Und dann kam der Wetterbericht. „Ab Nachmittag sonnig.“ Ein Satz, der mehr Hoffnung auslöst als jede Neujahrsvorsatzliste. Plötzlich schaut man öfter aus dem Fenster, als würde man einen verspäteten Besuch erwarten. Vielleicht ist sie ja schon unterwegs, die Sonne. Vielleicht steht sie nur im Stau über Bayern.
Die Nachbarn reagieren unterschiedlich. Frau Huber hat vorsorglich schon einmal die Gartenstühle herausgestellt. Sicher ist sicher. Der Nachbar gegenüber hat das Auto gewaschen — mutig, denn erfahrungsgemäß regnet es genau dann noch einmal kurz aus Prinzip.
Ich selbst schwanke zwischen Skepsis und Vorfreude. Man kennt das ja. Oft genug hat uns der Wetterbericht versprochen: „Nur noch Wolkenreste“, und am Ende waren es Wolken mit Hauptwohnsitz.
Aber irgendwo merkt man es trotzdem. Die Luft riecht anders, die Vögel diskutieren lauter als sonst, und sogar der Hund vom Nachbarn schaut hoffnungsvoll Richtung Himmel, als hätte er persönlich bestellt.
Vielleicht kommt sie wirklich heute Nachmittag, die Sonne. Ganz langsam, ein bisschen schüchtern, so wie ein Gast, der zuerst durch den Türspalt schaut.
Und wenn sie dann da ist, passiert das Wunderbare: Die Menschen gehen plötzlich langsamer, reden länger miteinander — und irgendwo wird garantiert schon der erste Grill nervös aus dem Winterschlaf geholt.

