Heute hab i mir gedacht: Tennis schaut eigentlich ganz gemütlich aus. Zwei Leute, ein Netz dazwischen und ein kleiner gelber Ball. Was soll da schon schiefgehen?
Mit einem nagelneuen Tennisschläger in der Hand hab i den Platz betreten und glei gmerkt: So leicht, wie’s im Fernsehen ausschaut, is des gar ned. Der Ball hüpft nämlich nie dort hin, wo i ihn gern hätte. I lauf nach links – der Ball fliegt nach rechts. I lauf nach rechts – der Ball landet plötzlich direkt vor mir.
Der Trainer hat grinsend gemeint: „Locker bleiben, Klezi. Der Ball hat keine Eile.“ I hab nur gelacht und mir gedacht: Na der vielleicht ned, aber i schon.
Beim ersten Aufschlag hab i den Ball so hoch geworfen, dass i fast vergessen hab, wieder hinunterzuschauen. Beim zweiten Versuch hab i den Ball zwar getroffen, aber der flog eher Richtung Parkplatz als übers Netz. Wenn dort grad einer sein Auto geputzt hat, wird er sich gewundert haben.
Mit jedem Ballwechsel is es aber besser geworden. Langsam hab i gespürt, wie der Schläger den Ball richtig trifft. Plötzlich gelang mir ein schöner Vorhandschlag genau an die Seitenlinie. Der Gegner lief noch hinterher, hatte aber keine Chance mehr.
Da hab i zum ersten Mal verstanden, warum Tennis so viele Menschen begeistert. Es geht ned nur um Kraft, sondern vor allem um Gefühl, Konzentration und a bissl Geduld.
Natürlich hab i zwischendurch wieder an Ball ins Netz geschlagen. Einmal is der Ball sogar direkt vor meinen Füßen liegen geblieben. Da hab i laut lachen müssen und der Gegner gleich mit.
Dann kam der schönste Ballwechsel des Tages. Der Ball flog mehrmals übers Netz. Mal links, mal rechts. I war selber überrascht, dass i überall hinkam. Zum Schluss spielte mein Gegner den Ball hoch zurück.
Des war meine Chance.
I holte aus und schlug den Ball sauber ins freie Eck.
Punkt!
I hob den Schläger in die Höhe und musste grinsen. Wimbledon werd i wahrscheinlich nimma gewinnen, aber für diesen Moment hab i mi fast so gfühlt.
Nach dem Training war i zwar ordentlich außer Atem, aber richtig glücklich. Wieder hab i etwas Neues ausprobiert und wieder gemerkt, dass man nie zu alt ist, um etwas zu lernen.
Sport muss ned immer perfekt sein. Hauptsache, man bewegt sich, hat Spaß und kann über sich selber lachen.
Und genau deshalb freu i mi schon auf die nächste Sportart.
Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Tennisspieler.