
Wenn ich an meine Jugend denke, fallen mir immer wieder Geschichten aus einer Zeit ein, die heute fast schon wie aus einer anderen Welt wirkt. Eine davon spielt beim Gasthaus Stötzer , einer Wirtin irgendwo draußen in der Gegend rund um Wels.
Für uns Burschen war dieses Wirtshaus damals ein fixer Treffpunkt. Wir waren etwa sechzehn, siebzehn oder vielleicht schon achtzehn Jahre alt. In diesem Alter hat man viel Energie und auch ein bisschen Übermut. Bei Stötzer Anna standen damals einige Automaten: Geldspielautomaten, ein einarmiger Bandit und ein Spielautomat mit einer Art Ping-Pong-Spiel. Für uns war das natürlich ein Magnet.
Dort wurde gespielt, gelacht und diskutiert – und manchmal ging es auch etwas rauer zu. Denn in der Gegend waren auch oft die Marchtrenker unterwegs, also Burschen aus Marchtrenk. Zwischen uns und ihnen gab es hin und wieder kleine Reibereien. Nichts Dramatisches, eher diese typische Rivalität zwischen jungen Gruppen aus verschiedenen Orten.
Ein paar provozierende Worte, ein bisschen Brustklopfen – und manchmal auch ein kurzes Gerangel. Aber wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich sagen: So brutal, wie es heute manchmal abläuft, war das damals nicht. Wenn es einmal gekracht hat, war die Sache meistens schnell wieder erledigt. Danach ist man gemeinsam an der Theke gestanden, hat ein Bier miteinander getrunken und alles war wieder gut.
Beim nächsten Treffen hat man sich wieder gesehen, als wäre nie etwas gewesen.
Im Wirtshaus selbst gab es auch ein echtes Original: Eine ältere Frau, die regelmäßig dort auftauchte. Ihren Namen lasse ich lieber weg, denn vielleicht leben noch Angehörige. Diese Frau gehörte irgendwie zum Inventar des Lokals dazu. Wir jungen Burschen hatten sie eigentlich gern. Nur hatte sie eine Schwäche: Sie trank nicht gerade wenig Alkohol. Und wenn sie einmal ein paar Gläser zu viel erwischt hatte, dann kam immer ihr berühmter Satz. Mit ernster Stimme, manchmal etwas schwankend, verkündete sie laut:
„Die größte Hur auf der Welt, was es gibt, ist die Politik!“
Manchmal wiederholte sie das gleich noch einmal, damit auch wirklich jeder im Raum verstanden hatte, was sie meinte. Für uns war das jedes Mal ein kleines Schauspiel. Wir mussten lachen, aber gleichzeitig hatte diese Frau auch etwas Ehrliches an sich. Sie sagte einfach geradeheraus, was sie dachte.
Heute schimpfen viele Menschen über Politik auf Facebook, Instagram oder sonst irgendwo im Internet. Damals passierte das noch ganz direkt – im Wirtshaus, zwischen Spielautomaten, Biergläsern und einer Gruppe junger Burschen, die eigentlich nur einen lustigen Abend verbringen wollten.
Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln. Es war eine andere Zeit. Vielleicht einfacher, vielleicht auch ein bisschen wilder. Aber es war ein Stück meiner Jugend – und genau solche Erinnerungen bleiben einem ein Leben lang.