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  • 259_Feuerwehrmann

    Klezi als Feuerwehrmann

    Heute habe ich mir gedacht: Feuerwehrmann, das wäre doch etwas für mich. Ein Beruf mit Verantwortung, Technik und einem roten Auto, das schon von Weitem Eindruck macht. Außerdem heißt es immer, Feuerwehrleute brauchen Mut, Kraft und einen kühlen Kopf. Mut habe ich, Kraft teile ich mir gut ein, und der kühle Kopf kommt spätestens dann, wenn mir das Löschwasser über die Stirn läuft.

    Also zog ich die schwere Einsatzkleidung an. Bereits nach wenigen Minuten wusste ich, warum Feuerwehrleute so gut trainiert sind. Andere Menschen gehen ins Fitnessstudio, Feuerwehrleute ziehen sich einfach an. Hose, Jacke, Stiefel und Helm – fertig war Klezi, der vermutlich älteste Feuerwehrneuling weit und breit. Im Spiegel sah ich erstaunlich fachmännisch aus. Das stärkte mein Selbstvertrauen ungefähr so lange, bis man mir den Löschschlauch in die Hand drückte.

    So ein Feuerwehrschlauch sieht auf einem Foto friedlich aus. In Wirklichkeit erinnert er eher an eine sehr lange, störrische Schlange, die nur darauf wartet, dass endlich Wasser durch sie hindurchschießt. Ich stellte mich breitbeinig hin, nahm das Strahlrohr mit beiden Händen und blickte möglichst ernst nach vorne. Sicherheitshalber fragte ich, ob hinter mir genügend Platz sei. Man muss seine erste unfreiwillige Flugstrecke schließlich ordentlich planen.

    Dann kam das Kommando: Wasser marsch! Ich drehte vorsichtig auf. Zuerst kam nur ein wenig Wasser, und ich dachte schon: Das ist ja einfacher als Blumengießen. Im nächsten Augenblick hatte der Schlauch offenbar beschlossen, mir zu zeigen, dass er kein Gartengerät ist. Er zuckte am Boden, das Strahlrohr drückte kräftig gegen meine Hände und mein linker Fuß suchte ganz von selbst eine stabilere Stellung.

    Trotzdem blieb ich stehen. Der Wasserstrahl ging gerade nach vorne, und für einige Sekunden sah ich aus, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht. Langsam führte ich den Strahl von links nach rechts. Ein bisschen zu weit links, ein bisschen zu weit rechts, dann wieder genau in die Mitte. Ich war stolz auf mich. Das Feuer wäre vermutlich gelöscht worden – vorausgesetzt, es hätte höflich dort gebrannt, wohin ich gerade zielte.

    Dann passierte das kleine Missgeschick, das zu einem echten Klezi-Einsatz natürlich dazugehört. Der Schlauch ruckte noch einmal, und ich drehte mich ein Stück zu weit. Der Wasserstrahl wanderte gefährlich nahe in Richtung Feuerwehrfahrzeug. Ich stellte sofort wieder richtig, denn ein Feuerwehrauto zu waschen war nicht Teil der Übung. Obwohl es danach wahrscheinlich schöner geglänzt hätte.

    Nach und nach bekam ich ein Gefühl für den Druck. Ich hielt das Strahlrohr ruhiger, bewegte es kontrolliert und achtete darauf, dass der Schlauch nicht wieder eigene Ideen entwickelte. Plötzlich passte alles zusammen: fester Stand, beide Hände am Rohr und der Blick genau dorthin, wo das Wasser hinmusste. Das war mein kleines Erfolgserlebnis. Vielleicht war ich noch kein richtiger Feuerwehrmann, aber ich sah zumindest schon überzeugend danach aus.

    Am Ende drehte ich das Wasser ab, senkte das Strahlrohr und nickte zufrieden. Die Kleidung war schwerer geworden, meine Arme spürten die ungewohnte Arbeit, und der Schlauch lag wieder ganz harmlos am Boden. Genau das ist vermutlich sein Trick: Nach dem Einsatz tut er so, als wäre überhaupt nichts gewesen.

    Natürlich weiß ich, dass der Beruf des Feuerwehrmannes kein Spaß ist. Feuerwehrleute rücken aus, wenn andere Menschen Hilfe brauchen, und sie müssen sich hundertprozentig aufeinander verlassen können. Davor habe ich großen Respekt. Meine kleine Übung zeigte mir, wie viel Kraft, Können und Ruhe selbst hinter einer scheinbar einfachen Bewegung steckt.

    Vielleicht bin ich morgen schon wieder etwas anderes – aber heute war ich Feuerwehrmann. Und falls irgendwo ein Gartenschlauch außer Kontrolle gerät: Ich wäre jetzt zumindest vorbereitet. Wasser marsch!