{"id":936,"date":"2026-05-14T11:40:08","date_gmt":"2026-05-14T09:40:08","guid":{"rendered":"https:\/\/klezi.com\/?p=936"},"modified":"2026-05-14T11:40:08","modified_gmt":"2026-05-14T09:40:08","slug":"220_countdown","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klezi.com\/?p=936","title":{"rendered":"220_Countdown"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" data-id=\"942\" src=\"https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/88-1024x681.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-942\" srcset=\"https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/88-1024x681.png 1024w, https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/88-300x200.png 300w, https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/88-768x511.png 768w, https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/88.png 1264w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"559\" data-id=\"941\" src=\"https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/99.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-941\" srcset=\"https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/99.jpg 1024w, https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/99-300x164.jpg 300w, https:\/\/klezi.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/99-768x419.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Warum ich 104 Jahre alt werden will<\/h1>\n\n\n\n<p>Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und pl\u00f6tzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. Ich wollte einfach in meinem Leben insgesamt 25 B\u00fccher schreiben. Und daf\u00fcr brauchte ich Zeit. Viel Zeit. Also sagte ich irgendwann halb scherzhaft zu mir selbst: \u201eKlezi, du musst mindestens 104 werden, sonst bringst du deine Projekte niemals unter einen Hut.\u201c Erst Jahre sp\u00e4ter, als ich Herrn Gutmann kennenlernte, verstand ich pl\u00f6tzlich, warum es ausgerechnet diese Zahl geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor ungef\u00e4hr zehn Jahren verbrachte ich \u00f6fter Zeit in einem Altenheim. Wir spielten Karten, redeten, lachten oder sa\u00dfen einfach zusammen. Und eines Tages setzte sich ein \u00e4lterer Herr zu unserer Runde. Ein schmaler Mann mit freundlichen Augen und diesem besonderen Blick, den nur Menschen haben, die viel erlebt haben. Nennen wir ihn einfach Herrn Gutmann.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war fr\u00fcher Lokf\u00fchrer. Einer von diesen alten Eisenbahnern, die Geschichten erz\u00e4hlen konnten, bei denen man pl\u00f6tzlich selber das Pfeifen einer Dampflok h\u00f6rte. Obwohl er schon weit \u00fcber neunzig war, hatte er etwas Jugendliches an sich. Nicht \u00e4u\u00dferlich. Sondern im Kopf. Einmal zeigte jemand auf sein Handy und sagte scherzhaft: \u201eNa Herr Gutmann, rechnen S\u2019 des einmal im Kopf aus.\u201c W\u00e4hrend wir anderen noch auf die Taschenrechner starrten, hatte er das Ergebnis l\u00e4ngst gesagt. Und zwar richtig. Immer richtig. Schneller als wir alle zusammen. So entstand langsam eine Freundschaft. Jedes Mal wenn ich ins Heim kam, war Herr Gutmann irgendwo dabei und hatte irgendeinen Schm\u00e4h auf Lager.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal fragte ich ihn: \u201eHerr Gutmann, was machen S\u2019 eigentlich, dass S\u2019 so alt werden? Jeden Tag ein Glas Rotwein?\u201c Er grinste nur und sagte: \u201eNein. Jeden Abend ein Glas Bier vorm Fernseher. Au\u00dfer es sitzt eine sch\u00f6ne Frau neben mir\u2026 dann wird\u2019s halt manchmal a zweites.\u201c So war er. Mit fast hundert Jahren noch voller Humor. Und dann passierte dieser kleine Auffahrunfall direkt beim Altenheim. Er war mit dem Auto leicht gegen einen Betonbegrenzungsstein gefahren. Nichts passiert. Wirklich gar nichts. Danach gab er freiwillig seinen F\u00fchrerschein ab. Die Leute sagten sofort: \u201eDes is gscheid. In dem Alter sollt ma eh nimma fahren.\u201c Herr Gutmann schaute sie an und sagte trocken: \u201eAutofahren k\u00f6nnt i eh noch. Aber i hab ma beim Unfall den Ellbogen verstaucht. Jetzt kann i nimma Ziehharmonika spielen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, genau in diesem Moment wurde er endg\u00fcltig mein Idol. Dieser Mann jammerte nie \u00fcber sein Alter. Er lebte einfach weiter. Mit Humor. Mit Interesse. Mit Neugier. Einmal kam er ganz ernst zu mir und sagte: \u201eKlezi\u2026 i brauch a Freundin.\u201c Ich musste lachen. \u201eHerr Gutmann, mit fast hundert?\u201c Er nickte nur. \u201eFreilich. Aber i hab a Problem.\u201c \u201eWelches denn?\u201c Dann sagte er einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe: \u201eDie Damen mit siebzig oder achtzig wollen mi net. Die sagen alle: \u201aDu lebst eh nimma lang.\u2018\u201c Und dann grinste er wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ausgerechnet er oft derjenige war, der die manchmal verwirrten Bewohner wieder in ihre richtigen Zimmer brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dieser Humor, diese Leichtigkeit und diese Art, das Leben trotz allem nicht aufzugeben, war etwas Besonderes. Sp\u00e4ter h\u00f6rte ich vom Tod meines alten Freundes. 104 Jahre alt wurde er. Und genau in diesem Moment verstand ich pl\u00f6tzlich meine eigene verr\u00fcckte Zahl. Seit damals denke ich manchmal: Vielleicht geht es gar nicht darum, m\u00f6glichst alt zu werden. Vielleicht geht es darum, neugierig zu bleiben, zu lachen, Geschichten zu erz\u00e4hlen, Menschen Freude zu machen und sich niemals ganz alt zu f\u00fchlen. Darum m\u00f6chte ich 104 werden. Nicht wegen der Zahl. Sondern wegen dem Leben dazwischen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ich 104 Jahre alt werden will Heute beginnt mein Geburtstags-Countdown. Noch ein paar Tage bis ich 68 werde. Und pl\u00f6tzlich habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer scherzhaft sage, dass ich 104 Jahre alt werden will. Die Wahrheit ist: Mein erstes Ziel war gar nicht die Zahl selbst. 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