{"id":1074,"date":"2026-10-17T06:57:47","date_gmt":"2026-10-17T04:57:47","guid":{"rendered":"https:\/\/klezi.com\/?p=1074"},"modified":"2026-10-17T06:57:47","modified_gmt":"2026-10-17T04:57:47","slug":"262_klezi-der-baecker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klezi.com\/?p=1074","title":{"rendered":"262_Klezi der B\u00e4cker"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"107_B\u00e4cker\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CpVxdjqmjN4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Klezi als B\u00e4cker<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute habe ich mir gedacht: Brot esse ich seit vielen Jahren mit gro\u00dfer Begeisterung. Also m\u00fcsste ich doch l\u00e4ngst wissen, wie man eines macht. Mehl, Wasser, Salz und ein bisschen Hefe \u2013 was soll da schon schiefgehen? Genau mit diesem gesunden Selbstvertrauen betrat ich die Backstube und erkl\u00e4rte innerlich bereits meinen ersten Laib zum Meisterwerk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst bekam ich die passende Kleidung. Wei\u00dfe Hose, wei\u00dfe Jacke, Sch\u00fcrze und eine kleine B\u00e4ckerhaube. Im Spiegel sah ich aus, als k\u00f6nnte ich gleichzeitig zehn Semmeln formen und nebenbei noch einen Gugelhupf beraten. Nur meine H\u00e4nde wussten noch nichts von diesem Talent. Sie ruhten friedlich auf dem Arbeitstisch und warteten darauf, dass ihnen jemand erkl\u00e4rte, was nun zu tun war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor mir lag ein gro\u00dfer Teigklumpen. Ganz still, ganz harmlos und ein wenig blass. Man sagte mir: dr\u00fccken, falten, drehen und wieder von vorne. Ich legte beide H\u00e4nde darauf und dr\u00fcckte kr\u00e4ftig nach vorne. Der Teig bewegte sich kaum. Ich dr\u00fcckte noch einmal. Diesmal bewegte er sich \u2013 allerdings haupts\u00e4chlich in Richtung meiner Finger. Nach wenigen Sekunden trug ich mehr Teig an den H\u00e4nden als der Tisch vor mir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuchte, die klebrige Masse wieder loszuwerden. Je mehr ich mit der einen Hand an der anderen zupfte, desto gerechter verteilte sich der Teig auf beide H\u00e4nde. Der Teig hatte offenbar beschlossen, kein Brot, sondern ein Paar Handschuhe zu werden. Ich blickte ernst auf meine Finger und sagte ihm, dass wir beide heute noch andere Pl\u00e4ne h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit etwas Mehl wurde es besser. Ich dr\u00fcckte den Teig mit den Handballen nach vorne, faltete ihn zusammen und drehte ihn ein St\u00fcck. Noch einmal dr\u00fccken, falten und drehen. Langsam entstand ein Rhythmus. Es f\u00fchlte sich beinahe an wie eine Sportart, nur dass der Gegner nicht davonlaufen konnte. Daf\u00fcr klebte er an mir, was beim Fu\u00dfball eher selten vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einigen Minuten wurde der Teig glatter. Pl\u00f6tzlich sah es tats\u00e4chlich so aus, als w\u00fcsste ich, was ich tat. Ich arbeitete ruhig weiter und begann bereits zu \u00fcberlegen, wie ich meine erste B\u00e4ckerei nennen k\u00f6nnte. Klezi und seine knusprigen Gedanken w\u00e4re vielleicht etwas gewesen. Doch bevor ich das Firmenschild bestellen konnte, kam das n\u00e4chste kleine Missgeschick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wollte etwas Mehl auf die Arbeitsfl\u00e4che streuen. Ein echter B\u00e4cker macht das mit einer lockeren Bewegung aus dem Handgelenk. Ich machte ebenfalls eine lockere Bewegung \u2013 nur ein wenig zu locker. Eine wei\u00dfe Wolke stieg auf und legte sich \u00fcber Tisch, Sch\u00fcrze und vermutlich auch \u00fcber meine Zukunft als Meisterb\u00e4cker. F\u00fcr einen Moment sah ich aus, als h\u00e4tte es in der Backstube geschneit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sich der Mehlnebel verzogen hatte, war der Teig noch da. Das wertete ich als gutes Zeichen. Ich legte beide H\u00e4nde seitlich an und begann, ihn rund zu formen. Vorsichtig drehte ich ihn \u00fcber die Arbeitsfl\u00e4che und schob die R\u00e4nder nach unten. Nach und nach entstand ein sauberer runder Laib. Ich klopfte einmal darauf und nickte zufrieden. Er antwortete nicht, aber das tun gute Brote vor dem Backen vermutlich nie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kam der Laib in den Ofen. Jetzt begann der schwierigste Teil: warten. Durch die Scheibe beobachtete ich, wie der Teig langsam aufging und Farbe bekam. Der Duft von frischem Brot zog durch die Backstube. In diesem Augenblick wusste ich, warum dieser Beruf so besonders ist. Aus wenigen einfachen Zutaten entsteht etwas, das Menschen seit Jahrhunderten miteinander teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende hielt ich einen knusprigen Laib in den H\u00e4nden. Er war nicht vollkommen rund und an einer Stelle etwas eigenwillig, aber er war mein Brot. Ich schnitt eine Scheibe ab, kostete und war zufrieden. Kein T\u00fcrstopper, kein Wurfgeschoss und auch kein Teighandschuh \u2013 tats\u00e4chlich ein richtiges Brot. Vielleicht bin ich morgen schon wieder etwas anderes \u2013 aber heute war ich B\u00e4cker. Und das Beste daran: Meine Arbeit konnte ich anschlie\u00dfend aufessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klezi als B\u00e4cker Heute habe ich mir gedacht: Brot esse ich seit vielen Jahren mit gro\u00dfer Begeisterung. Also m\u00fcsste ich doch l\u00e4ngst wissen, wie man eines macht. 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